So trifft das Corona-Virus die Region Grieskirchen/Eferding
GRIESKIRCHEN/EFERDING. Das Corona-Virus überrollte Österreich in der vergangenen Woche wie eine große Flutwelle, innerhalb von Minuten überschlugen sich die Ereignisse, das Leben der Menschen änderte sich schlagartig - so auch in den Bezirken Grieskirchen und Eferding. Bis Redaktionsschluss wurden neun Fälle bestätigt. Wie wirkt sich die Situation in der Region aus? Tips hat nachgefragt.

Schulen und Kindergärten sind geschlossen, Veranstaltungen abgesagt, Gottesdienste finden nicht mehr statt und auch Taufen und Hochzeiten fallen aus. Wirtsbetriebe müssen schließen, Spielplätze und Sportanlagen dürfen nicht mehr benützt werden. Tourismusbetriebe, wie beispielsweise die Eurotherme Bad Schallerbach, schließen die Pforten, Altstoffsammelzentren haben nicht mehr geöffnet, Betriebe kämpfen mit Auftragsausfällen und stellen auf Kurzarbeit um oder bieten an, Urlaub und Überstunden abzubauen. In einigen Unternehmen wird auch Heimarbeit gemacht. Arbeitnehmer sind verunsichert. Die Menschen decken sich mit Lebensmitteln ein, die Supermarkt-Regale sind zum Teil leer, obwohl die Lebensmittelgeschäfte aufrechte Versorgung versichern.
Welle an Hilfsbereitschaft und Ruhe bewahren
Die sozialen Kontakte sollen auf ein Minimum reduziert werden - kein Händeschütteln, keine Umarmung. Vor allem ältere Menschen sollen den Kontakt mit anderen meiden. Generell gilt eine Ausgangsbeschränkung. Man sollte das Haus nur noch für Notwendiges, wie zum Arzt oder zur Apotheke, um Lebensmittel zu kaufen oder um zur Arbeit zu gehen, verlassen. Dennoch heißt es: Ruhe bewahren, denn auf der anderen Seite rollt auch eine Welle der Hilfsbereitschaft durch die Region. Viele Menschen wollen helfen, besonders ältere und gefährdete Personen zu schützen und bieten beispielsweise Einkaufsdienste an.
Corona-Virus in der Region - Stellungnahmen
» Wir hatten als Wirtschaftskammer auch Samstag und Sonntag Auskunftsdienst. Das Interesse der Unternehmer ist riesengroß. Die mit uns in telefonischen Kontakt treten, nehmen die Lage natürlich zu 100 Prozent Ernst. Alle Unternehmer müssen nun ihren individuellen Weg für die nächsten Wochen finden um bestmöglich gemeinsam mit den Mitarbeitern durch diese Situation durchzufinden. Seitens der WKO versuchen wir bestmöglich zu unterstützen – wobei unsere Kapazitäten natürlich beschränkt sind.«
Hans Moser, Wirtschaftskammer-Bezirksstellenleiter
» Wir haben vorübergehend die Thermen-Bereiche aus sozialer Verantwortung heraus gesperrt und hoffen, unseren Teil zur raschen Bekämpfung des Corona-Virus leisten können. Die täglichen Umsatzverluste können wir derzeit nur vage einschätzen. Im Vergleichszeitraum sind 2.000 bis 3.000 Besucher täglich in unseren Anlagen. Ähnliche Erfahrungen im Krisenmanagement mussten wir bereits 2002 beim Jahrhunderthochwasser machen.«
Patrick Hochhauser, Geschäftsführer Eurothermen Bad Schallerbach
» Die Menschen lassen sich von den Medien und Falschmeldungen zum Teil sehr nervös machen, aber wir geben unser bestes, viele Kunden schätzen das. Wir ersuchen die Kunden etwas flexibel zu sein, wenn etwas nicht mehr in der gewünschten Menge oder Marke vorrätig ist. Wir setzen alles daran, die Stimmung positiv zu halten und Ruhe zu bewahren. Panik ist kontraproduktiv. Vom Lagerarbeiter bis zur Chef-Etage, bei Spar wird alles gegeben, um die Maschinerie in Bewegung zu halten – so auch bei uns im Geschäft. Meine Mädels und sämtliche Mitarbeiter der Zentrale Marchtrenk machen einen äußerst guten Job.«
Barbara Kerschberger, Spar Hochhauser, Grieskirchen
» Zum Schutz unserer Gäste haben wir bis 3. April alle Veranstaltungen und den Restaurantbetrieb eingestellt. Das sind bis dahin drei Konzerte, einige Hochzeiten, Taufen und Familienfeiern. Die Menschen sind aber sehr verständnisvoll. Der Schaden beträgt wahrscheinlich einige zehntausend Euro. Zurzeit sind alle Mitarbeiter weiter im Unternehmen tätig, auch wenn es nichts zu tun gibt, wird es eine Lohnfortzahlung geben. Die nächsten drei Wochen werden wir sicher schaffen, danach wird es schwieriger.«
Monika Dornetshuber, Geschäftsführerin Hoamat, Haibach
» Wir hoffen sehr, dass es nach Ostern weitergehen kann, dann würde sich die Beeinträchtigung bei uns in Grenzen halten. Wenn es länger geht, könnten wir noch viel nach hinten verschieben. Wir haben nicht täglich Veranstaltungen wie andere große Betriebe und noch Platz im späteren Kulturjahr. Das ist finanziell ein sehr wichtiger Punkt, denn bei Verschiebungen bleiben die Karten gültig. Wir hoffen sehr auf unser liebes, verständnisvolles Publikum, das die Veranstaltungen später wahrnimmt und noch mehr genießt.«
Hemma Scheicher, Hofbühne Tegernbach
» Es wird bereits versucht die Menschen zum Arbeitsmarktservice zu schicken oder auf Urlaub. Wir appellieren an die Menschen nichts vorzeitig zu unterschreiben. Die Arbeitnehmer haben Sorgen, wenn noch ältere Menschen zu Hause sind oder sie Kinderbetreuungspflichten haben. Sie sind sehr verunsichert. Grundsätzlich gilt Ruhe zu bewahren und die Richtlinien der Regierung einzuhalten. Die Arbeitnehmer sollen erreichbar bleiben und am Arbeitsplatz erscheinen, sofern nicht anders vereinbart. An die Arbeitgeber appelliere ich eine ruhige und respektvolle Kommunikation und keinenfalls Druck auszuüben.«
Sabine Ameshofer, Regionalvorsitzende Österreichischer Gewerkschaftsbund


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.
Jetzt anmelden