Grieskirchner Kandidaten für die Landwirtschaftskammer befragt
GRIESKIRCHEN.. Bei der Landwirtschaftskammerwahl am 24. Jänner 2021 wird die Vertretung der Land- und Forstwirte in Oberösterreich für die nächsten fünf Jahre gewählt. Vertreter vom Bauernbund, des Unabhängigen Bauernverbands, der SPÖ Bauern, der Grünen Bäuerinnen und Bauern und der Freiheitlichen Bauernschaft treten in den Bezirken Eferding und Grieskirchen gegeneinander an. Tips hat den Kandidaten Fragen zu ihren Forderungen und zur Zukunft der Landwirtschaft gestellt.

Im Bezirk Grieskirchen tritt Martin Dammayr aus Michaelnbach für den Bauernbund an, für die Grünen Bäuerinnen und Bauern kandidiert Johann Schauer aus Natternbach und Klaus Wimmesberger vom UBV aus Pram steht in Eferding, Grieskirchen und auch in Ried zur Wahl. Für die Freiheitliche Bauernschaft tritt Alois Ganglmayr aus Grieskirchen an, er war nicht für ein Interview erreichbar.
Martin Dammayr
Bauernbund
Tips: Was sind Ihre wichtigsten Forderungen für die neue Periode der Landwirtschaftskammerwahl?
Dammayr: In der Landwirtschafts-Politik wird es künftig noch wichtiger sein, mit der Bevölkerung Gespräche zu führen. Der Verbindungspunkt zwischen Landwirtschaft und Konsumenten darf nicht der Supermarkt sein. Dazu braucht es ein Miteinander der politischen Gruppen der Landwirtschaftskammer. Das populistische Aufzählen von Wünschen und Forderungen bringt uns den politische Zielen nicht näher.
Tips: Wie stellen Sie sich die Landwirtschaft in 10 Jahren vor?
Dammayr: Das wird davon abhängen, wie sich unsere Gesellschaft entwickelt und davon, welchen Stellenwert diese Gesellschaft der Lebensmittelerzeugung und -versorgung geben wird. Landwirtschaft ist auch ein Spiegel für Werthaltungen in der Bevölkerung. Somit ist mein Bild der Landwirtschaft ein vielfältiges, in dem Regionalität in allen Facetten eine Chance hat.
Tips: Was ist das Besondere am Bezirk Grieskirchen?
Dammayr: Im Bezirk Grieskirchen finden wir viele Sparten der landwirtschaftlichen Erzeugung. Diese Vielfalt ist beste Voraussetzung für eine regionale Versorgung mit Lebensmitteln, aber auch mit Energie und anderen Rohstoffen. Strukturen dafür zu erhalten und weiterzuentwickeln garantiert unseren Bauernfamilien Zukunft. Ein reines Größenwachstum ist für unseren Bezirk weder möglich noch zielführend.
Tips: Wie soll man die verpflichtende Herkunftskennzeichnung für Lebensmittel umsetzen?
Dammayr: Schrittweise:In den öffentlichen Küchen beginnen und das erprobte System dann für alle Betriebsküchen und Kantinen umsetzen. Für die Gastronomie steht dann ein ausgereiftes Kennzeichnungssystem zur Verfügung Wenn es in den Küchen möglich ist, muss es im Handel ohnedies möglich sein, die Konsumenten über die Herkunft zu informieren.
Klaus Wimmesberger
Unabhängiger Bauernverband
Tips: Was sind Ihre wichtigsten Forderungen für die neue Periode der Landwirtschaftskammerwahl?
Wimmesberger: Erzeugerpreise, von denen wir wieder leben können, Keine Freihandelsabkommen, verpflichtende Herkunftskennzeichnung auch in der Gastronomie, nur landwirtschaftliche Produkte ins Land lassen, die nach österreichischem Standard erzeugt wurden, Faire Einheitswerte und SVS-Beiträge, Importverbot von Holz, CO²- Steuer auf ausländische Produkte mit langen Transportwegen und einige mehr.
Tips: Wie stellen Sie sich die Landwirtschaft in 10 Jahren vor?
Wimmesberger: Wenn wir eine sofortige Änderung der österreichischen Agrarpolitik durch ein Umdenken unserer Standesvertretung hinbringen, bin ich zuversichtlich, dass das Bauernsterben endet und die klein- und mittelstrukturierte Landwirtschaft eine Zukunft hat.
Tips: Was ist das Besondere am Bezirk Grieskirchen?
Wimmesberger: Durch die Kleinstrukturiertheit der Landwirtschaft in unseren Bezirken trifft uns der Preisdruck bei den Erzeugerpreisen ganz besonders. Viele werden dadurch gezwungen aufzuhören oder das Einkommen außer landwirtschaftlich zu erzielen.
Tips: Wie soll man die verpflichtende Herkunftskennzeichnung für Lebensmittel umsetzen?
Wimmesberger: Nicht auf die EU warten, sondern den österreichischen Weg gehen. Jetzt und nicht hinauszögern. Genaue Kennzeichnung der Lebensmittel in allen Bereichen. Gastronomie, Gemeinschaftsküchen, Supermärkte. AT-Stempel nur für österreichisches Fleisch, „Wo Österreich draufsteht, muss auch Österreich drinnen sein“
Johann Schauer
Grüne Bäuerinnen und Bauern
Tips: Was sind Ihre wichtigsten Forderungen für die neue Periode der Landwirtschaftskammerwahl?
Schauer: Mir ist besonders die verpflichtende Herkunftskennzeichnung von Lebensmitteln in der Gastronomie wichtig. Gerade jetzt in der Krise hat sich gezeigt, dass viele KonsumentInnen verstärkt zu regionalen und/oder biologischen Produkten greifen. Außerdem liegt mir das Thema Bodenschutz am Herzen. Es kann nicht sein, dass wir im Flächenverbrauch Europameister sind und so verschwenderisch mit unserer Lebensgrundlage Boden umgehen.
Tips: Wie stellen Sie sich die Landwirtschaft in 10 Jahren vor?
Schauer: Es wird sich zeigen, dass die Landwirtschaft mehr Klimaretter als Klimasünder ist. Durch Humusaufbau im Boden bindet die Landwirtschaft einen beträchtlichen Teil an Kohlenstoff. Die deutliche Reduktion von fossilen Energieträgern bessert die Bilanz ebenfalls auf. Durch regionales Wirtschaften wird viel von der klimarelevanten Treibhausgasemission eingespart. Ganz nach dem Motto „Think global, act local“.
Tips: Was ist das Besondere am Bezirk Grieskirchen?
Schauer: Unser Bezirk zeichnet sich durch eine vielfältige Kulturlandschaft mit hügeligem Charakter und zahlreichen Streuobstwiesen aus. Glücklicherweise besitzen wir noch eine intakte bäuerliche Betriebsstuktur, auch wenn leider schon viele aufgegeben haben.
Tips: Wie soll man die verpflichtende Herkunftskennzeichnung für Lebensmittel umsetzen?
Schauer: Auf jeden Fall vollständig und in allen Bereichen, in denen Lebensmittel angeboten werden. Das derzeitige Zugeständnis, die Herkunftskennzeichnung in der öffentlichen Gastronomie umzusetzen, ist zwar ein erster Schritt, reicht aber bei Weitem nicht aus.


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