Für Karin Schobesberger ist klar: Ohne Gott wäre sie am Arsch
WALLERN. Zweimal Krebs und dreimal verheiratet - lautet die kürzeste Zusammenfassung der letzten 18 Jahre im Leben von Karin Schobesberger aus Wallern. Die 53-Jährige hat ihre Lebensgeschichte in einem Buch mit dem originellen Titel „Ohne Gott wär ich am Arsch“ zusammengefasst. Im Tips-Interview gibt die Autorin Einblicke in ihr Leben und warum sie trotz zweimaliger Krebsdiagnose wieder Mut fand.

Tips: Bitte erzählen Sie Ihre Lebensgeschichte, die Grundlage für das Buch war.
Karin Schobesberger: Ich hatte zweimal Brustkrebs, das erste Mal mit 34 Jahren, und die Gedanken und Ängste, die mich dabei beschäftigten, werden im Buch thematisiert. Aber viel wichtiger noch sind meine Wege heraus aus der Angst. Zwischen den beiden Diagnosen liegen 17 Jahre. In diesen Jahren habe ich mich scheiden lassen, ein zweites Mal geheiratet und festgestellt, dass das ein Griff ins Klo war - ein gewalttätiger, manipulativer Mann, der mir Geld, Selbstwert und Lebensfreude nahm. Als ich aus dieser Beziehung entkommen war, schien ich wieder ganz unten zu sein. Aber meine Familie fing mich auf und mein erster Mann und ich kamen wieder zusammen und ich heiratete ihn erneut. Dann aber folgte Diagnose Brustkrebs 2.0. Nach dieser fingen die Fragen in meinem Kopf wieder an und die Angst, es nicht noch einmal schaffen zu können. Panikattacken folgten. Ein Gentest ergab, dass ich dieselbe Genmutation trage wie Schauspielerin Angelina Jolie - das Brustkrebs-Gen BRCA1. Daher mussten mir beide Brüste amputiert werden. Es schien immer weiter bergab zu gehen und ich hatte Angst, mich nicht mehr zu fangen. Ich wollte mich damit nicht zufrieden geben und machte mich auf die Suche nach Antworten - und dabei fragte ich auch wieder bei Gott nach, die üblichen blöden Floskeln von „Gottes unergründlichen Wegen“ reichten mir nicht. Ich hatte andere Ansprüche an einen Gott, der mir wohlgesonnen ist, und habe mich damit beschäftigt, was denn nun „Gottes Wille“ sein könnte und ob der vielleicht ja doch nicht so „unergründlich“ ist, wie einem häufig weisgemacht wird.
Zugegeben, es ist ein spezieller Titel, den Sie Ihrem Buch gaben – können Sie den Hintergrund dafür schildern?
Ich wollte keinesfalls etwas, das nach „langem, schwerem Leiden“ klingt, wie man es ja so oft bei Krebserkrankungen lesen kann. Andererseits wollte ich aber auch kein „religiöses“ Buch im herkömmlichen Sinne schreiben. Und doch wollte ich was von Gott - nämlich, dass er mir sagt, wie ich aus meinen Miseren wieder rauskomme. Ich habe bei meiner ersten Brustkrebsdiagnose die Frage nach Gott gestellt. Ob es einen gibt und wenn ja, wo er bitteschön ist in meinem ganzen Desaster. Und daraufhin hatte ich ein einschneidendes Erlebnis, wo mir klar wurde, dass es Gott für mich gibt, dass er da ist, und dass ich „ohne Gott am Arsch“ wäre. Was allerdings nicht heißt, dass ich dann hell erleuchtet und mit Heiligenschein durch die Gegend wandelte. Aber zumindest fühlte ich mich nicht mehr „von Gott verlassen“.
Und warum wären Sie ohne Gott am Arsch?
Weil es für mich kolossal deprimierend wäre, davon auszugehen, dass die Welt ein Produkt des Zufalls ist, Geburt, Tod, die Jahre dazwischen - alles eine zufällige „Laune der Natur“. Ich mag nicht davon ausgehen, dass ich nur zufällig auf die Welt gerutscht bin, mich hier ein paar Jahrzehnte abmühe und dann wieder abtrete. Der Gedanke daran, dass ich nicht einfach so und zufällig auf der Welt bin, sondern weil sich „jemand“ - Gott? - etwas dabei gedacht hat, ist viel erbaulicher und läßt mich in Krisen die Hoffnung behalten, dass am Ende alles gut wird oder zumindest immer wieder besser. Hätte ich die Gewissheit dessen nicht, wäre ich tatsächlich am Arsch, wie ich finde.
Wie haben Sie von der Diagnose Brustkrebs erfahren? Mit welchem Mut haben Sie sich aus der Krankheit gekämpft?
Selbst ertastet - beide Male. Ich würde es „Mut der Verzweiflung“ nennen. Wenn man mit allem Nachdenken nicht mehr weiterkommt, ist es legitim, ein lautes „Ich will hier raus! Hilf mir“ ins Universum zu brüllen und dann zu sehen, was passiert. Ich garantiere: Es passiert einiges, wenn man die Augen und die Ohren offenhält.
Welchen Rat können Sie Frauen in einer ähnlichen Situation geben?
Ängste zulassen, mit dem eigenen Schicksal, Gott und der Welt hadern, sich ungerecht behandelt fühlen, alles ist in Ordnung. Sich niemals einreden lassen, dass man „stark“ sein muss. Nach meiner Erfahrung eröffnen sich die Wege gerade dann, wenn man glaubt, dass die eigene Schwäche einen überwältigt. Weil es dann nur noch eine Richtung gibt: bergauf.


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08.04.2021 20:37
Andere Sichtweise
Also für mich sieht es eher so aus, als ob Gott versuchen würde, die Frau umzubringen. Zum Glück gibt es die Wissenschaft.