Von Biwakwurzeln, stämmigen Völkern und dem Haager-Lies Radweg
GASPOLTSHOFEN. Mit Beginn seiner Pension begann der Altenhofer Hans Schörkhuber aus riesigen Baumstämmen Skulpuren zu schnitzen. Viele seiner Kunstwerke zieren nun den Haager-Lies-Radweg.

Sein Material bekommt Schörkhuber fast ausschließlich geschenkt. „Ab einer bestimmten Größe können Baumstämme nicht mehr im Sägewerk verarbeitet werden“, erklärt er. Dann kommt er ins Spiel: Mit selbst gebauten Werkzeugen und Erfindungsreichtum schnitzt Schörkhuber seine eigenen Skulpturen. Vom Rastplatz vor seinem Haus mit eingebauter Schnapsflasche bis hin zu „Spechtlern“ – hohlen Stämmen mit Gucklöchern – reichen seine Ideen. Sogar seinen eigenen Sarg und eine eigene Toi- lette hat Schörkhuber schon aus Stämmen hergestellt. „Wenn jemand einen einzigartigen Stamm für mich hat, kann er mir ein Foto schicken und ich hole ihn ab“, ergänzt der Künstler.
Stammpaarung und Shelter
Entlang der Haager-Lies wurde er produktiv. Von der Stammpaarung am Beginn der Haager- Lies in Neukirchen bis zu den ehemaligen Haltestellen der Bahn, die Schörkhuber zu Schutzunterständen umgebaut hat, reichen seine Kreationen. Gerade in Arbeit ist eine Biwak-Wurzel, ein Stamm, in dem man auch übernachten kann. Schörkhuber verrechnet dafür nur externe Materialkosten, ein ganzes Jahr Arbeit steckt in den Arbeiten für die Haager-Lies. Nachdem er einen groben Plan für jeden Stamm entworfen hat, geht Schörkhuber an die Arbeit. Die Stämme werden geschält, ausgehöhlt und in Form gebracht. Damit ihnen Bodennässe und Witterung nichts anhaben können, montiert der Künstler sein Material auf Scheibenbremsen oder große Metallteile; die meisten Kreationen erhalten auch ein metallenes Dach, um sie vor Regen zu schützen. Mit vielen Litern Rapsöl werden die Stämme geölt, um länger haltbar zu bleiben.
Hausverstand und Praxis
„Was ich mache, mache ich mit Spaß“, erklärt Schörkhuber. Ohne Tischlerausbildung, dafür mit Hausverstand und viel Praxis gestaltet er seine Figuren, viele davon sind begehbar oder lassen den Besucher in sich hineinschlüpfen. Wie der von Schörkhuber geplante Gitarrenstamm, der auf der Haager Lies entstehen soll. Ein barrierefrei befahrbarer Stamm soll entstehen, in dem Besucher die Wände mittels gespannten Gitarrensaiten zum Klingen bringen können.
Reisen als Inspiration
Seine Ideen nimmt der Initiator der Reha Messe und pensionierte Reha-Berater oft von Freunden und Reisen mit. Sein bisher größtes geplantes Projekt entstand bei einer Radtour in Schweden. Dort entdeckte Schörkhuber „Das stille Volk“, eine Kunstinstallation aus vielen hundert Stäben, die zu verschiedenen Personen geformt wurden. Schörkhubers Traum ist „Das stämmige Volk“, bei dem er viele Stämme zu einem „Stamm“ vereinen möchte. Ideen und Stämme hat er dafür bereits einige, es fehlt nur noch an einem Grundstück, das groß genug ist, um das Volk zu beherbergen.
Stämme bleiben in der Nähe
Verkaufen will Schörkhuber seine Kreationen nicht. „Sie sollen in meiner Nähe bleiben“, wünscht sich der leidenschaftliche Wanderer. Entlang der Haager-Lies Strecke ist er weiterhin mit Aufbauarbeiten beschäftigt und freut sich, wenn vorbeikommende Radfahrer mit ihm in Kontakt treten. Warum er auch mit 65 noch dieser Leidenschaft nachgeht? „Ich möchte alt werden; Bewegung an der frischen Luft und viel Kontakt mit Menschen hält mich jung“, so der Altenhofer.


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