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GALLSPACH/ WELS. Ein Paar spaziert 1923 durch einen Park in Berlin. Unterwegs trifft es ein weinendes Mädchen, dass ihnen erzählt, es hätte seine Puppe verloren. In den folgenden Wochen überbringt das Paar dem Mädchen Briefe, geschrieben von der Puppe. Der Mann ist Franz Kafka und den Inhalt der Briefe hat sich der Gallspacher Autor Erwin Friedl ausgedacht. 

Erwin Friedl in seiner Welser Wohnung (Foto: LHackl)
Erwin Friedl in seiner Welser Wohnung (Foto: LHackl)

Die Geschichte beruht auf einer wahren Begebenheit, erzählt von Dora Diamant, der letzten Lebensgefährtin von Franz Kafka. Kafka selbst erwähnt die Geschichte in seinen Tagebüchern nie. „So viel Gefühl traut man Kafka eigentlich nicht zu“, erzählt Friedl von seiner Motivation. Er selbst hat die Geschichte in einem Buch aufgeschnappt, sie lange mit sich herumgetragen und den ersten Sommer nach seiner Pensionierung als Lehrer genutzt, um aufzuschreiben, wie es abgelaufen sein könnte. Dem Erwartungsdruck, Kafka nachschreiben zu müssen, hat sich Friedl bewusst nicht ausgesetzt. Im Buch kommt der Name Franz Kafka bewusst nicht vor. „Ich habe das Buch so geschrieben, wie ich empfinden würde und habe versucht, die Figuren aus mir sprechen zu lassen“, erklärt Friedl.

Gastauftritte

Auch weitere „Gastauftritte“ kommen in den Briefen der Puppe vor. André Heller taucht als poetischer Messerwerfer auf, neben Erika Pluhar und Alma Mahler kommt auch Ziggy Stardust vor. Er habe versucht, kleine Spielereien ins Buch einzubauen, erklärt der Autor.

„Hier seid ihr die Menschen“

Zwischen 1978 und 2018 war der geborene Gallspacher Friedl an der Handelsakademie (HAK) 1 in Wels beschäftigt, er unterrichtete Deutsch, Französisch, Journalismus und Bühnenspiel. Mit einigen seiner Freunde und ehemaligen Schülern gründete er die Welser freie Bühnengruppe „Die Menschen“. Weil einige aus der Gruppe in anderen Theaterstücken bereits Roboter dargestellt hatten, gab Friedl den Namen zum Programm vor: „In dieser Gruppe seid ihr die Menschen.“ Seit 1984 stellen sie Gedichte auf der Bühne dar.

Märchen ohne Glitzer

„Die Unverlorene“ ist Friedls erstes Buch, kurz nach der Veröffentlichung fielen sämtliche Lesungen dem Corona-Lockdown zum Opfer. „Gleich der erste Verlag, dem ich das Buch angeboten habe, hat Ja gesagt“, erzählt Friedl. Auch für das zweite Projekt gibt es bereits Zusagen von Verlegern, das Buch ist auch schon fertig. Dafür nahm sich Friedl bekannte Märchen, Sagen und Anekdoten vor, befreite sie vom alten Glitzer und verwendet sie als Bühne, um Aspekte des menschlichen Innenlebens zu porträtieren. Bevor das Projekt erscheint, soll allerdings die Unverlorene noch in ein paar Lesungen zu hören sein.

Keine Schreibblockaden

Schreibblockaden kennt der spätberufene Autor nicht. Ihn inspiriert, was er liest – neben Franz Kafka ist das auch gerne Thomas Bernhard und Rainer Maria Rilke. Alle seine Werke schreibt Friedl mit der Hand, erst in der zweiten Fassung werden die Werke auf dem Computer getippt. Für Buchprojekte nutzt er den Vormittag, Lieder schreibt er in einem Guss, Gedichte auch gerne nachts.

Tipps zum Schreiben

„Wer schreiben möchte, wird schreiben“, gibt Friedl angehenden Autoren als Tipp mit. Für längere Texte empfiehlt er, sich einen genauen Plan zu machen. „Und bitte Klischeeausdrücke vermeiden“, seufzt er. „Ich lese so oft das Wort plötzlich, nichts passiert plötzlich, alles hat eine Vor- und Nachgeschichte.“


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