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GRIESKIRCHEN/OÖ. Hans Gessl (71) aus Grieskirchen beschäftigt sich seit Jahrzehnten intensiv mit dem Wetter. 2022 bot er diverse Wetterspaziergänge an und setzte sich für den Erhalt der Bauernregeln ein. Für das Jahr 2023 prophezeit Wetterhans Gessl turbulente Wetterphasen.

Wetterhans Gessl beschäftigt sich am liebsten mit dem Wetter. (Foto: privat)
Wetterhans Gessl beschäftigt sich am liebsten mit dem Wetter. (Foto: privat)

Alles begann mit einem Tourismusprojekt, das Hans Gessl in den 70er Jahren für die Gemeinde Gallspach und den ersten Seniorenferienclub Österreichs organisierte. Das erste Programm hieß „Weihnachten für Einsame“ und lockte Senioren von nah und fern an. Bei diesem Projekt spielte auch Brauchtum eine Rolle. Mit der Zeit sei er in dieses Thema mehr und mehr reingerutscht. „Brauchtum und Volkskultur haben mich schon immer sehr interessiert“, erzählt Gessl. Zu dieser Zeit habe er viel mit alten Leuten gesprochen und etwas über Bauernregeln gelernt, erinnert sich der Wetterhans, wie er heute liebevoll genannt wird.

Von den Bauernregelnzum Wetter

Über die Bauernregeln stieß Gessl schließlich auf das Wetter, das ihn seither intensiv beschäftigt. Seit 2018 organisiert er jährlich den Tolleter Wettertag, bei dem Gessl bei einem Spaziergang mit Blick auf das Tolleter Wald- und Wiesen-Panorama Bauernregeln präsentiert und draußen in der Natur anhand von konkreten Beispielen erklärt. Diese seien die Vorfahren unserer heutigen Wetterapps und die Wurzeln der modernen Wetterkunde. Bereits seit Beginn der nomadischen Zivilisierung werden die Bauernregeln weitervererbt. Hans Gessl möchte dafür sorgen, dass das „Volkskulturerbe“ Bauernregeln nicht in Vergessenheit gerät und diese Weisheiten weiterhin im Bewusstsein bleiben. „Nirgends geht das besser als draußen in der Natur“, davon ist Gessl überzeugt. Wichtig ist dem Wetterhans, über das Wetter dort zu sprechen, wo es passiert: unter freiem Himmel.

Auch in der Medienlandschaft war Gessl aktiv. So gestaltete er für das ORF-Landesstudio Beiträge über das Wetter mit all seinen Facetten. „Ich war immer ein Freigeist“, betont Gessl, der sich dem Wetter auf unterschiedlichste Arten widmete.

Wetterprognose durch Beobachten der Natur

Vor 150 bis 200 Jahren haben die Leute das Wetter durch reines Beobachten von Pflanzen und Tieren vorhergesagt und dabei auf ihr Körpergefühl gehört. Daraus entstanden die sogenannten Bauernregeln. Als Beispiel nennt Gessl das Grieskirchner Original Maria Huber, vulgo Thalerin, die nie einen Wetterbericht benötigte und ein ganzheitliches Wetterwissen entwickelte.

Für das neue Jahr prophezeit Hans: „Wir stehen vor einer Wetterwende, die noch nicht ernst genommen wird. Um das Klima steht es nicht gut“, spricht Gessl Klartext, denn „das Klima ist die Henne und das Wetter das Ei“.

Pro Minute 100 Quadratmeter Boden weg

Solange pro Minute 100 Quadratmeter nutzbarer Boden versiegelt werde, wird es bei Überschwemmungen und Überflutungen keine Besserung geben, sagt Gessl und ergänzt: „Diesen Boden wieder nutzbar zu machen, dauert bis zu 100 Jahre.“ Durch die Bodenversiegelung werde Umweltkatastrophen Tür und Tor geöffnet. Durch das Schmelzen der Pole und Gletscher steige die Luftfeuchtigkeit, wodurch die Regenmengen mehr werden, sagt Gessl. Die Folge sind Überschwemmungen, Murenabgänge und andere verheerende Umweltkatastrophen. Denn: Das Ganze ist ein Kreislauf. Durch sogenannte Höhentiefs, das sind Tiefdruckgebiete in 10.000 Metern Höhe, kommt abrupt viel an Niederschlagsmenge in kurzer Zeit runter, so Gessl.

Jahreszeiten verflachen

Zudem könne man sich auf die typischen Jahreszeiten nicht mehr verlassen, diese verflachen zunehmend. Die Winterperiode werde sehr lang, bis zu den Eisheiligen werde es immer wieder ein Auf und Ab geben, gibt Gessl einen Ausblick.

Wetterelastizität

Als Tipp, um mit all diesen Wetterschwankungen umzugehen, empfiehlt der Wetterhans, sich eine gewisse Wetterelastizität anzutrainieren, sich jedem Wetter (außer Extremen) zu stellen und bei jeder Witterung rauszugehen.

Vom zu warmen Anziehen rät Gessl jedoch ab: „Wer sich ein Leben lang zu warm anzieht, dem wird nie körperlich warm“, betont der Wetterhans.

Positive Wetterfühligkeit

Ein großes Anliegen ist Gessl die positive Wetterfühligkeit: „Durch gezielte Wettergymnastik, die ich auch bei meinen Spaziergängen erkläre, kann man den Luftdruck besser wahrnehmen.“ Denn: Der sechste Sinn des Menschen sei der Wettersinn, sagt Gessl schmunzelnd. Es gehe ihm darum, sich im Einklang mit der Natur zu bewegen und die Wetterboten zu inhalieren. Dies sei bei jedem Wetter möglich. Dazu gehöre auch, auf die Wolken zu achten, um zu sehen, wo der Wind herkomme, erklärt der Wetterforscher.

Generell sei man ein glücklicherer Mensch, wenn man sich mit dem Wetter arrangiere. Denn: „Wer das Wetter mog, hat viele guate Tog“, betont Gessl.


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