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GRIESKIRCHEN/EFERDING. Spricht man mit Menschen, die in Pflegeberufen tätig sind, kann man ihre Euphorie und Motivation spüren. Für sie gehört diese Arbeit zu den schönsten der Welt. Doch die aktuellen Rahmenbedingungen drohen die Pflege und die Mitarbeiter zu ruinieren.

Zentralbetriebsrat des Sozialhilfeverbandes Linz-Land Stefan Bauer mit Gertrude Forkl, Betriebsratsvorsitzende des Alten- und Pflegeheimes Hartkirchen und Peter Schoberleitner, Regionalsekretär des Österreichischen Gewerkschaftsbundes.Foto: LangS

Stefan Bauer, Zentral-Betriebsratvorsitzender des Sozialhilfeverbandes Linz-Land und Gertrude Forkl, Betriebsratsvorsitzende im Alten- und Pflegeheim Hartkirchen zeigen gemeinsam mit dem Österreichischen Gewerkschaftsbund (ÖGB) auf, warum beim Thema Pflege akuter Handlungsbedarf gegeben ist.

Pflege hat sich verändert

Der Pflegeberuf habe sich stark verändert, erzählt Stefan Bauer. Noch in den 90er Jahren war das Klientel, das in einem Altenheim wohnte, ein völlig anderes. „Früher lebten auch Menschen im Heim, weil der Partner gestorben ist und sie nicht alleine bleiben wollten. Ihnen wurden nur Hilfestellungen im Leben gegeben. Natürlich gab es auch schwer Pflegebedürftige, aber das war ein kleiner Anteil. Heute können Menschen, die weniger Betreuung benötigen, zu Hause leben. Das ist natürlich eine gute Sache. Aber deshalb hat sich auch unsere Arbeit stark verändert“, erklärt Bauer.Da Menschen jetzt erst mit Pflegestufe Vier, die 160 Stunden Betreuung im Monat entspricht, im Heim aufgenommen werden, hätte sich die Intensität der Pflege, auch durch die steigende Anzahl von Bewohnern mit Demenz, massiv verändert. Gleichzeitig fehle an allen Ecken und Enden Personal, um den erhöhten Pflegebedarf gerecht zu werden. Die Folge, laut Bauer: „Langjährige Mitarbeiter werfen den Job hin, sind ausgebrannt, die Statistik weist doppelt so viele Krankenstandstage wie in anderen Berufen auf.“ „Langzeitbeschäftigte sind die Säulen des Hauses. Ihnen tut es weh, wenn keine Zeit mehr für Betreuung bleibt, denen blutet das Herz. Es ist schon fast wie im Akkord arbeiten. Es hat derzeit keinen Platz, jemanden zuzuhören oder richtig zu betreuen“, fasst Peter Schoberleitner, ÖGB-Regionalsekretär für die Bezirke Grieskirchen und Eferding, die Problematik zusammen.

Beruf macht krank

„Wir haben heute nur mehr Menschen mit hohen Pflegestufen zu betreuen. Waren es früher 30 von 150 Personen, sind es heute 110 von 150, die stark pflegebedürftig sind. Waren es früher zwei Mitarbeiter im Nachtdienst für diese 30 Personen, haben wir heute drei Nachtdienstler für 110 schwer pflegebedürftige“, schildert Bauer die Situation. „Wir wissen, dass unser Beruf krank macht, so wie er gerade läuft“, stellt der Betriebsrat klar. Besonders prekär: In Oberösterreich würden 300 Heimbetten leer stehen, weil kein Personal da ist. Gleichzeitig gäbe es laut Bauer extreme Wartezeiten.

Echte Betreuung: Fehlanzeige

Mit dem aktuellen Personalstand bliebe lediglich eine Stunde Zeit, um einem Menschen Essen zu geben, ihn zu waschen und umzuziehen. Zeit, um den Menschen zuzuhören, ihnen Beistand zu leisten oder um einfach nur zu plaudern, gäbe es nicht mehr. Dafür sei einfach keine Zeit mehr. „Früher war auch der soziale Bereich der Menschen wichtig, heute steht nur mehr die Pflege im Vordergrund“, kritisiert Bauer. „Es ist der letzte Weg für die Menschen, es ist ihr letztes Zuhause. Aber von einem echten Zuhause für die Menschen sind wir weit entfernt und das ist genau das, was so weh tut“, erzählt Forkl und fordert: „Der Personalschlüssel gehört an die aktuellen Gegebenheiten angepasst. Es braucht mehr Hilfskräfte. Es gibt noch viele Menschen, die diesen Beruf machen wollen, aber es müssen die Rahmenbedingungen und der Einstieg in den Beruf erleichtert werden.“

Attraktivierung gefordert

Bauer und Forkl fordern mit der Gewerkschaft eine Attraktivierung des Berufes, mehr Wertschätzung gegenüber den Mitarbeitern und auch den Beruf in der Öffentlichkeit nicht anders darzustellen, als er ist. „Die Mitarbeiter haben schon den Bedarf, gesund in Pension gehen zu können“, so Forkl. „Es muss Geld in die Hand genommen werden. Wir haben eine Verantwortung der älteren Generation gegenüber und da darf man nicht sparen“, so Schoberleitner. Ändere sich im Pflegebereich nicht schnell etwas, könnte dies dazu führen, dass Häuser zusperren müssen, man keine Kräfte mehr lukrieren kann, die Krankenstände der Mitarbeiter noch mehr explodieren, sind sich Bauer, Forkl und Schoberleitner einig. „Die Gefahr besteht, dass auch noch der letzte Pflegemitarbeiter überfordert ist“, so Bauer. In einem offenen Brief an Landeshauptmann Thomas Stelzer und das Amt der OÖ Landesregiung, Abteilung für Soziales und Gesundheit, unterschrieben von 1.821 Fachkräften der Altenarbeit aus ganz Oberösterreich, brachte man zum Ausdruck, dass dringend Handlungsbedarf in der Altenpflege besteht. Der einhellige Tenor: „Wir brauchen Hilfe, es ist schon fünf nach zwölf.“


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