15 nach 12: Krankenhauspersonal fordert mit Aktion mehr Entlastung
GRIESKIRCHEN. Die Beschäftigten der Ordensspitäler und der konfessionellen Pflegeheime forderten die Landespolitik bei oberösterreichweiten Aktionen erneut zum Handeln auf. Darunter auch das Klinikum Grieskirchen. Der größte Wunsch am Weihnachtsbaum: mehr Personal.

Beschäftigte des Klinikums Grieskirchen legten am 15. Dezember um 15.12 Uhr für die Aktion abermals kurz ihre Arbeit nieder, um auf ihre missliche Lage aufmerksam zu machen. Schon Ende Oktober hatten Mitarbeiter aller Landesspitäler bei einer „5 nach 12“-Kampagne vor den Spitälern für die Impfung geworben. „Es ist bereits 15 nach 12. Die Beschäftigten im Gesundheitssystem gehen seit langem bis an ihre Grenzen und mittlerweile weit darüber hinaus. Erschöpfung ist spürbar. Dennoch gibt es noch immer keine Entlastungsmaßnahmen“, kritisiert Brigitte Huber-Reiter, Betriebsratsvorsitzende im Klinikum Grieskirchen. „Seit über 600 Tagen kämpfen wir gegen das gefährliche Corona-Virus und insbesondere die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Gesundheits- und Sozialeinrichtungen leisten Tag für Tag unermüdlich einen unverzichtbaren Beitrag für die Gesellschaft“, wissen auch Landeshauptmann-Stellvertreterin und Gesundheits-Landesrätin Christine Haberlander (ÖVP) sowie Sozial- und Pflege-Landesrat Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP): „Wir haben auch Verständnis dafür, dass sie ihre Anliegen öffentlich kundtun.“
Brief an Landesregierung
In einem offenen Brief an Landeshauptmann Thomas Stelzer (ÖVP) und Christine Haberlander deponierten Beschäftigte gemeinsam mit dem Gewerkschaftsbund (ÖGB) einmal mehr ihre wichtigsten Forderungen, denen sie bei Protestkundgebungen Nachdruck verleihen. „Wir brauchen mehr Personal – und das nicht erst seit Beginn der Pandemie. Wir sind schon vorher am Limit gefahren. Und das rächt sich nun. Ich mache mir Sorgen um meine Kolleginnen und Kollegen. Sie sind erschöpft. Will die Landespolitik weiter nur zuschauen, bis auf die Corona-Welle eine Burnout-Welle folgt?“, fragt sich Huber-Reiter. „Wir fordern seit Jahren Ausbildungsinitiativen und eine Entlohnung auch während der Ausbildungszeit, damit mehr Menschen sich für Pflegeberufe entscheiden. Es muss Schluss sein mit den Ausreden. Die Landespolitik muss alle Anstrengungen unternehmen, um die Beschäftigten in Krankenhäusern und Pflegeheimen zu entlasten und zu schützen“, bekräftigt Helmut Woisetschläger, Landesvorsitzender der Gewerkschaft vida, den Wunsch der Beschäftigten.
Christbaum mit Wünschen
Auf einem Weihnachtsbaum im Klinikum brachte das Personal die Wünsche an. Gefordert werden Unterstützungskräfte für Heime und Spitäler, die Covid-Prämie für Beschäftigte, Arbeitsentlastung, eine adäquate Abgeltung kurzfristig anberaumter Dienste und eine Reduktion der wöchentlichen Normalarbeitszeit bei vollem Lohn- und Gehaltsausgleich.
Keine Deckelung mehr für Gesundheitsausgaben
Grund für die Aktion ist nicht nur die Pandemie, sondern auch eine Gesundheitsreform und die damit verbundene Deckelung der Gesundheitsausgaben, die im Jahr 2012 von der Landesregierung beschlossen wurde. Die Ausgaben richten sich seitdem nicht mehr nach dem tatsächlichen Bedarf, sondern nach vorgegebenen Obergrenzen, die sich an der Entwicklung des Bruttoinlandsproduktes (BIP) orientieren. Das führte zu einem Abbau von Gesundheitsleistungen. 2022 soll wieder für die nächsten fünf Jahre entschieden werden.
Pflegekräftestrategie
„Wir sehen genauso wie die demonstrierenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Notwendigkeit, in der Bewältigung des Fachkräftemangels rasch voranzukommen. Aus diesem Grund werden wir im nächsten Jahr eine eigene oberösterreichische Pflegekräftestrategie entwickeln und auch mit der Umsetzung starten, um die Pflegekräfte zu entlasten“, kündigt Hattmannsdorfer an. Das Land Oberösterreich habe bereits zahlreiche Schritte umgesetzt: die steuerfreie Prämie in Höhe von 500 Euro für alle Vollzeitbeschäftigten im Gesundheits- und Pflegebereich im letzten Jahr, die Corona-Zulage von November 2020 bis Jänner 2021 für all jene, die in Schutzausrüstung direkt mit Corona-Patienten gearbeitet haben oder das einvernehmlich mit den Gewerkschaften ausverhandelte Pflegepaket, das heuer in Kraft getreten ist.
Appell an Bevölkerung
„Wir haben die Verpflichtung, das Virus bereits vor den Toren der Spitäler zu bekämpfen. Daher haben wir in Oberösterreich bewusst den Lockdown eine Woche länger belassen, um auch für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Spitälern eine Entlastung herbeizuführen. Je weiter die Fallzahlen sinken, je mehr die Impfungen in Anspruch genommen werden, desto mehr können die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter entlastet werden“, appellieren Haberlander und Hattmannsdorfer an die Bevölkerung.


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