ÖGB kritisiert extrem niedrige Betreuungsquote der Unter-Dreijährigen in der Region - UPDATE
GRIESKIRCHEN/EFERDING. Die Frauenvorsitzende des Österreichischen Gewerkschaftsbundes (ÖGB) für die Bezirke Grieskirchen und Eferding Julia Dieterle sagt: „Regionen hinken stets in Frauenfragen hinterher.“ Sie fordert neue Strategien vom Land. Tips hat exklusiv beim Land nachgefragt, ob welche in Planung sind.

Besonders große Einkommensnachteile von Frauen, eine massive Schere zwischen den Geschlechtern bei den Pensionen und eine besonders niedrige Vollzeit-Quote bei Frauen sieht Julia Dieterle vom ÖGB Eferding und Grieskirchen und ergänzt: „Da passt es perfekt ins Bild, dass unser Bundesland auch bei der Betreuungsquote Unter-Dreijähriger weit abgeschlagen an vorletzter Stelle rangiert.“
Das sei dramatisch, „denn Teilhabe am Erwerbsleben und ein gutes Einkommen seien der Schlüssel zu Eigenständigkeit von Frauen bis in die Pension“, kritisiert die ÖGB-Regionalfrauenvorsitzende Julia Dieterle.
„Hut brennt“
Die ÖGB-Frauen mahnen einmal mehr Anstrengungen der Landesregierung ein. „In der Kinderbildung brennt jetzt schon lange der Hut. Es ist höchst an der Zeit, dass sich Frauenlandesrätin Haberlander Strategien überlegt, wie die aktuellen Probleme gelöst werden können“, meint Dieterle.
Mehr Gruppen für Unter-Dreijährige und bessere Öffnungszeiten
„Der Beruf muss wieder attraktiv werden. Nur so werden wir die bestehenden Beschäftigten halten und ausreichend neue Kräfte finden“, betont Dieterle. Dazu brauche es Stipendien für Quereinsteiger, damit mehr Menschen die Chance bekommen, sich beruflich neu zu orientieren, um in den Kinderbildungsbereich einzusteigen. „Schließlich brauchen wir nicht nur mehr Gruppen für Unter-Dreijährige, wir brauchen auch mehr offene Kindergärten an Nachmittagen. Nur so haben Frauen die Chance, auf den Arbeitsmarkt zurückzukehren und ihre Eigenständigkeit abzusichern“, stellt Dieterle weiters klar.
UPDATE: Land OÖ wehrt sich
Das Land Oberösterreich wehrt sich auf Tips-Anfrage gegen die Kritik, so betont das Büro der Bildungs- und Frauenlandesrätin Christine Haberlander, dass Oberösterreich bei der Betreuungsquote der drei- bis fünfjährigen Kinder, also der Kindergartenkinder, mit 94 Prozent über dem Österreich-Durchschnitt liege. „Bei der Unter-Dreijährigen-Betreuung ist der Fortschritt im Ausbau größer als im Österreichdurchschnitt“, erklärt der Haberlander-Sprecher weiters. Zudem würden Ausbauzahlen „den rascheren Ausbau als in anderen Ländern“ belegen, heißt es aus dem Büro der Bildungslandesrätin. Außerdem hält man fest, dass „alle Gemeinden, die einen zusätzlichen Bedarf feststellen und einen Ausbau des Angebots initiieren, vom Land Oberösterreich sowohl beim Betrieb als auch beim Bau finanziell kräftig unterstützt“ werde.
Christine Haberlander: „Erster erfreulicher Schritt“
Zum ÖGB-Vorschlag, Stipendien für Quereinsteiger zu ermöglichen, stellt das Haberlander-Büro klar, dass die Ausbildung der Elementarpädagogen und Anstellungserfordernisse Zuständigkeit des Bundes seien. „Die Länder fordern daher vom Bund schon seit längerem eine Ausbildungsoffensive – etwa durch einen Ausbau der Bafep-Kollegs sowie eine Flexibilisierung der Anstellungserfordernisse, um Quereinsteigern einen Um- bzw. Einstieg in diesen Beruf zu erleichtern“, betont das Büro der Landesrätin. Ein erster erfreulicher Schritt sei hier im vergangenen Jahr gelungen, da seit Herbst 2021 die Schüler, die das Bafep-Kolleg besuchen, während ihrer Ausbildung ein Fachkräftestipendium beziehen können, so Haberlander.


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