Alpakahof öffnet seine Pforten: Wuschelköpfe zum Verlieben (mit Fotostrecke)
KLEIN WETZLES. Eine wahrhaft paradiesische Idylle? Ja, die findet man bei uns im Waldviertel noch da und dort vor, unter anderem auf der „Manada de Sana“, einem Alpakahof in Klein Wetzles. Am 3. September öffnet sie im Zuge eines Festes Tür und Tor für Besucher und Interessierte. Aber Achtung: Suchtgefahr!

„Man kann es oft schwer beschreiben, aber wenn man sie einmal gesehen und gestreichelt hat, dann muss man sie einfach gerne haben, ich kenne kaum jemanden, der nach einer Begegnung nicht von ihnen fasziniert war“, schmunzelt Alexandra „Sana“ Gergely. Ja und es stimmt tatsächlich, die sympathischen Wuschelköpfe schließt man sogleich ins Herz. So ist es auch der 32-jährigen Doktorin der Veterinärmedizin ergangen, als sie 2013 den Bauernhof ihres verstorbenen Großvaters übernahm und 15 chilenische Alpakas einstellte – ein Freund brachte sie auf die Idee. „Der Körperbau war uns vorerst wichtiger als die Fellfarbe, denn diesen zu verbessern, dauert wesentlich länger“, meint Sana. Mittlerweile grasen 25 Alpakas auf den Weiden des Zuchtbetriebes plus etliche kleine Miniaturausgaben, jeden Tag werden noch weitere Fohlen erwartet – dafür sollte es aber sonnig sein. Denn bedingt durch ihre Zungenanatomie können die Mamas ihre Fohlen nicht trockenschlecken, sie müssen daher ihre Jungtiere bei sonnigem Wetter auf die Welt bringen und der Natur diese Aufgabe überlassen. Alpakas sind nicht nur „mobile Rasenmäher“, wie Sana meint, sondern vor allem tolle Wollproduzenten und erhellen mit ihrer neugierigen, sympathischen Art unser Gemüt. Nicht zuletzt deswegen werden sie als Therapietiere, unter anderem bei Kindern und gestressten Personen, eingesetzt.
Wertvolle Vierbeiner
„Dichte und feine Zuchttiere mit guter Genetik und Vererbung stellen zudem eine Wertanlage dar“, erklärt die studierte Tierärztin. Safira, eine ihrer Jungstuten, könnte für 4500 Euro erstanden werden, österreichweit werden Stuten bis zu 30.000 Euro gehandelt, in Amerika verlangt man für manche Hengste 100.000 Dollar und mehr. Die Beschaffenheit und die durchgehende Farbe des Fells ist dabei ein ausschlaggebender Aspekt. Denn die süßen Vierbeiner liefern Luxuswolle, die den Vergleich mit Merino und Kaschmir nicht zu scheuen braucht, wie Sana erzählt. Einer der größten Vorteile: Alpakawolle ist nahezu frei von Wollfett (Lanolin) und dadurch für Allergiker geeignet. „Ich selbst vertrage Schafwolle nicht, diese hingegen ist irrsinnig fein und weich und angenehm zu tragen“, sagt Gergely und deutet auf einen Papiersack voll mit Fell – von ihrem Alpaka „Santos“. Einmal jährlich, im Frühjahr, wird geschoren. 22 definierte Naturtöne gäbe es in der Textilindustrie, Sana habe bereits von rund 60 Nuancen gelesen, eine Farbenvielfalt, die ihresgleichen sucht. Dazu braucht man sich nur ihre Herde anzusehen – weist doch jedes Tier eine andere Nuance auf, von Weiß, sämtlichen Brauntönen bis hin zu Schwarz. Das macht es wiederum schwierig, Felle konstant und in größeren Massen zu liefern. In Österreich selbst ist der Markt noch sehr klein, Europa stecke bis auf England noch in den Kinderschuhen, was die Alpakazucht betrifft, im Gegensatz zu Amerika und Australien, erläutert Sana.
So ein Mist
Dabei wäre die Nachfrage nach diesen speziellen Produkten vorhanden, wie Sana meint. Sie selbst lässt Strickwolle, Bettware, Kinderschlafsäcke, Seife aus Alpakafaser oder etwa Schuheinlagen anfertigen. Nicht zu vergessen, das „Alpaka-Gold“, die Ausscheidungen. Die Veterinärmedizinerin schwört auf den Alpakamist als wertvollen Dünger. Er verbessert die Bodentextur, ist nicht so scharf wie beispielsweise Hühnerkot und „verbrennt“ die Pflanzen nicht. Durch das besondere Verdauungssystem der Alpakas kommen zudem keine Unkrautsamen im Kot vor.
Wissenschaftliche Dokumentation
Es ist Sana Gergely eine Herzensangelegenheit, ihre Herde besser zu verstehen, potentiellen Hautkrankheiten und Ähnlichem auf den Grund zu gehen. Denn viele Aspekte über die Tiere liegen noch im Dunkeln, vieles ist noch nicht bekannt, hier sieht die Tierärztin noch jede Menge Aufholbedarf. Die geplanten wissenschaftlichen Studien lassen sich dank ihres beruflichen Hintergrundes gut einrichten, kooperiert wird mit der Veterinärmedizinischen Universität. Was sie in jedem Fall schon weiß, dass es sich bei ihren Tieren um Herdentiere mit starkem Familienbezug, sowie um neugierige, feinfühlige Geschöpfe mit einem perfekten Gespür handelt. „Sie wissen genau, was ihnen gut tut, wenn ein Gewitter im Anzug ist, dann laufen sie frühzeitig in den Stall.“
Tag der offenen Tür
Am 3. September (10 bis 18 Uhr) wird beim Tag der offenen Tür der offizielle Startschuss des Alpakahofs gefeiert. Groß und Klein werden herzlich eingeladen nach Klein Wetzles (Hausnummer 32) zu kommen und die kuscheligen Tiere aus nächster Nähe zu betrachten. Ein buntes Kinderprogramm mit Kamelreiten, Quiz und Tombola wartet auf die Besucher, zudem wird der Hofladen mit vielen Alpakaprodukten eröffnet. Alle Infos auf: www.alpacas-sana.at


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