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GRÜNAU. Seit wenigen Wochen leitet Professorin Sonia Kleindorfer die Konrad Lorenz Forschungsstelle (KLF). Tips hat mit der Verhaltensbiologin, die zuletzt in Australien und auf den Pazifischen Inseln forschte, über ihre Pläne und Ziele gesprochen.

Professorin Sonia Kleindorfer als Nachfolgerin von Kurt Kotrschal die Leitung der Konrad Lorenz Forschungsstelle in Grünau übernommen. Foto: KLF

Tips: Wie entstand die Idee, von Australien ausgerechnet nach Grünau zu wechseln?

Kleindorfer: Ich habe an der Uni Wien promoviert und meine Doktorarbeit am KLIVV (Anm.: Konrad-Lorenz-Institut für Vergleichende Verhaltensforschung in Wien) über Verhaltensforschung gemacht. Ich bin daher von Konrad Lorenz geprägt. Als Studentin war ich als Tierpflegerin tätig – und habe dabei sogar die Drossel von Konrad Lorenz gefüttert. Natürlich studiert man als Biologin auch in anderen Lebensräumen: Galapagos ist ein Hot-Spot der Evolution, Australien das Ursprungsland der Singvögel. In Australien habe ich aber auch den ersten Verhaltensbiologie-Kurs des Landes aufgebaut – mit meinen Erfahrungen aus dem KLIVV über die Erforschung der Tiere im natürlichen Umfeld.

Man sieht also: Meine ganze wissenschaftliche Entwicklung war von Österreich und von Konrad Lorenz geprägt. Nun, nach 25 Jahren Erfahrung, war diese Stelle in Grünau frei. Es ist für mich eine Möglichkeit, einen Beitrag zu leisten, damit die wissenschaftliche Bedeutung von Konrad Lorenz aufrecht erhalten wird. Und zugleich ist es auch eine große Freude, ins absolute „Epizentrum“ der Verhaltensbiologie weltweit zurückzukehren. Und ich möchte sagen, ich bin hier auch sehr warm und herzlich aufgenommen worden.

Tips: Werden Sie als Leiterin neue Schwerpunkte in die KLF einbringen?

Kleindorfer: Wir bekommen ja ein neues Gebäude – vor wenigen Monaten war der Spatenstich – und das schafft neue Forschungsmöglichkeiten, sodass wir anderen Fragen nachgehen können. Der Schwerpunkt wird aber wie bisher auf der Komplexität des Sozialverhaltens liegen – die ist gerade bei Vögeln sehr groß. Hier gibt es in der Arbeit mit Waldrappen, Raben und natürlich den Graugänsen von Konrad Lorenz noch viel zu lernen und zu entdecken. Mein eigener Forschungsschwerpunkt ist: „Embryonen lernen bereits im Ei“. Welche Fragen konkret beforscht werden, hängt aber immer auch von den Forschungsinteressen der Menschen ab, mit denen wir arbeiten. Wir arbeiten integrativ mit verschiedenen Disziplinen zusammen – auch daraus leiten sich viele Forschungsfragen ab.

Wir werden auch weiter stark auf Kooperationen setzen und auch sehr „gemeindeorientiert“ arbeiten. Es sollen also auch Fragen behandelt werden, die für die lokale Bevölkerung wichtig sind. Wir wollen eine Bereicherung für die Region sein.

Tips: In den letzten Jahren ist immer von der Entwicklung zu einem „Hagenberg der Biologie“ die Rede. Welche Schritte stehen hier an?

Kleindorfer: Das ist ein Prozess, ich kann hier noch nichts Spezifisches sagen. Wir wollen aber natürlich Seminare und Ausbildungsmöglichkeiten anbieten beziehungsweise erweitern und auch hier die vorhandenen Kooperationen und Partnerschaften ausbauen.


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