Frühlingsfit im Schritt
HAIBACH. Martina Signer, Kontinenz- und Stomaberaterin und Sexualberaterin vom Ordensklinikum Linz Barmherzige Schwestern, referiert und diskutiert über das Thema Inkontinenz. Der Vortrag der Gesunden Gemeinden Reichenau-Haibach-Ottenschlag findet am Dienstag, 3. April um 20 Uhr im Veranstaltungssaal in Renning statt. Die Gesundheits- und Krankenpflegerin hat vorab ein paar Fragen zu dem Thema beantwortet.

Tips: Was sind die möglichen Gründe einer Inkontinenz und welche Formen sind die am weitest verbreitetsten?
Signer: Die Ursachen einer Inkontinenz können vielfältig sein und auch mit anderen Erkrankungen einhergehen, zum Beispiel mit neurologischen Erkrankungen wie Multiple Sklerose, Schlaganfall oder Querschnittslähmung, in Folge von Operationen im Becken oder bei Störungen der Steuerzentrale im Gehirn, zum Beispiel bei Demenz. Eine einfache Blasenentzündung kann bereits zu Harnverlust führen, die Belastungsinkontinenz, die vor allem Frauen betrifft, ist am häufigsten. Dabei tritt der Harnverlust in Folge einer Schwäche des Beckenbodenverschlussmuskels auf. Dieser ist bei Frauen vor allem durch Heben von schweren Lasten, Geburten, heftiges Husten besonders belastet. Bei Männern tritt sie nach einer radikalen Prostataoperation auf, sonst schützt Männer ihre Anatomie vor der Belastungsinkontinenz.
Tips: Wann sollte man handeln und Therapien starten. Wie kann man selbst Harnblase und Beckenboden stärken?
Signer: Je früher eine Behandlung startet, desto größer ist die Aussicht auf rasche Besserung. Dabei ist eine genaue Abklärung durch den Haus- oder Facharzt immer der erste und wichtigste Schritt. In komplizierten Fällen wird der Arzt an ein Kontinenz- und Beckenbodenzentrum verweisen. Dort wird die genaue Abklärung gemacht und es werden verschiedene Behandlungsvorschläge von Operationen bis zur physikalischen Therapie oder Elektrostimulations-Biofeedbacktherapie angeboten. Selbst kann man durch einen gesunden Lebensstil (zum Beispiel Übergewicht und Rauchen vermeiden) und als Frau durch frühzeitige Stärkung des Beckenbodens mittels gezielter Gymnastik vorbeugen. Auch eine ausreichende Trinkmenge von 1,5 bis 2 Litern und eine regelmäßige, entspannte Entleerung der Blase gehören dazu.
Tips: Wie kann man mit Inkontinenz den Alltag bewältigen? Bestehen medizinisch Chancen auf Heilung ?
Signer: Eine Inkontinenz tritt selten von heute auf morgen auf und es braucht daher auch Zeit, bis die Behandlungsmaßnahmen wirken und eine Verbesserung spürbar wird. Da ist es wichtig, dass die Betroffenen mit guten Inkontinenzhilfsmitteln versorgt werden, damit sie wieder voll im Alltag aktiv sein können. Informationen dazu gibt es auch kostenlos bei der Medizinischen Kontinenzgesellschaft Österreich unter www.kontinenzgesellschaft.at. Die Chancen auf komplette Heilung der Inkontinenz sind je nach Form und Schwere zu bewerten, eine geringe Belastungsinkontinenz kann häufig nur durch angeleitetes Beckenbodentraining oder in schwereren Fällen durch operative Einlage eines spannungsfreien Bandes geheilt werden. In fast allen Fällen ist jedenfalls eine deutliche Verbesserung der Inkontinenz und damit eine Erhöhung der Lebensqualität für die Betroffenen möglich.


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