Vom Faden bis zum fertigen Kleidungsstück: Nähwerkstatt schließt den Kreis
HASLACH. Wo geht man hin, wenn eine Hose zu kürzen, ein Reißverschluss zu wechseln oder gar ein maßgeschneidertes Kleidungsstück zu nähen ist? Seit gestern Abend gibt es eine Antwort darauf: In der Nähwerkstatt Haslach stehen professionelle Geräte bereit, um selbst aktiv zu werden oder Profis schneidern zu lassen.

Gleich bei der Eröffnung platzte die Nähwerkstatt aus allen Nähten. Eine Bestätigung, dass Schneidern, handwerkliches und kreatives Werken wieder im Trend liegt. Mit der Nähwerkstatt ging ein langjähriger Wunsch des Textilen Zentrums in Erfüllung. „Oft sind Leute in unser Museum gekommen, haben hier gesehen, wie aus dem Faden der fertige Stoff wird und haben dann gefragt, wo man denn etwas daraus nähen lassen kann. Jetzt können wir diese in unsere Nähwerkstatt schicken“, freut sich Christina Leitner, wissenschaftliche Leiterin des Textilen Zentrums in Haslach.
Von der offenen Nähwerkstatt bis zur Anfertigung nach Maß
Im Zierlinger-Haus, dem ehemaligen Pförtnerhaus zur Vonwiller, wurde die Nähwerkstatt eingerichtet, die damit „den Weg ins Textile Zentrum öffnet“, so Leitner. Betrieben wird diese von der Schneidermeisterin Monika Walch und der Modedesignerin Teresa Neuhauser. Die Beiden bieten sowohl eine klassische Schneiderei an, in der Anfertigungen nach Maß, Schnittentwicklungen oder Reparaturen durchgeführt werden (immer Donnerstag und Freitag), als auch eine offene Nähwerkstatt: Jeden zweiten Samstag im Monat unterstützt Teresa Neuhauser alle, die an eigenen Projekten arbeiten und die Geräte der Werkstatt nutzen wollen. Von Haushaltsnähmaschinen über die Overlock und Jerseynähmaschine bis hin zum Wäscheknopflochautomat und Bügelstationen steht professionelles Equipment bereit. “Ich bin schon neugierig, wie die offene Werkstatt angenommen wird. Aber die Leute wollen wieder selbst etwas schaffen - sie müssen deshalb aber nicht gleich Schneidermeisterin werden“, meint Neuhauser, die an der Universität für angewandte Kunst in Wien Modedesign studiert hat.
Prototypen zum Nachnähen
Das Wiener Modelabel „Natures of Conflict“ hat außerdem aus Mühlviertler Stoffen Prototypen von Kleidungsstücken entworfen, die ausgestellt sind und nach den eigenen Maßen nachgenäht werden können.
Ergänzend organisiert der Verein Textile Kultur Haslach Kurse rund um die Schneiderei (www.textile-kultur-haslach.at).
Perfekt adaptiert
Der Raum selbst wurde mit Unterstützung der Leaderregion Donau-Böhmerwald naturnah saniert und hergerichtet. „Im Frühjahr folgt noch die Fassade“, informiert Haslachs Bürgermeister Dominik Reisinger, der sich über die neue Nutzung freut. „Die Nähwerkstatt spannt den Bogen des Textilen Zentrums zu Ende, hier schließt sich der Kreis vom einzelnen Faden bis zum fertigen Kleidungsstück.“ Im Obergeschoß des Gebäudes sind Wohneinheiten für Studenten, die Kurse im Textilen Zentrum belegen, eingerichtet.


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