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BEZIRKE KIRCHDORF UND STEYR-LAND. Großes Interesse in der Bevölkerung fand die Podiumsdiskussion „Pyhrn-Priel Wolfsregion?“ der Ortsbauernschaften und Gemeinden von Vorderstoder und Hinterstoder.

Der Wolf hält Einzug in die Pyhrn-Priel Region. Foto: Jim Cumming/Shutterstock.com
  1 / 2   Der Wolf hält Einzug in die Pyhrn-Priel Region. Foto: Jim Cumming/Shutterstock.com

Die Almbauern haben die Ausbreitung der Wölfe in Europa mit großer Sorge seit längerem beobachtet. Nach mehreren Wolfssichtungen und bestätigten Rissen von Rehen, Schafen und jungen Hirschen im Bezirk Kirchdorf – wie zuletzt ein Reh am 13. Mai in Vorderstoder – entschlossen sich einige Landwirte nun dazu, das Thema in einer Diskussionsrunde aufzugreifen.

Wolf von der Jagd geschont

Laut dem Wolfsbeauftragten des Landes OÖ, Gottfried Diwold, gebe es derzeit drei Rudel im Nahbereich von Oberösterreich. Der Wolf ist in Österreich über die Schonzeitverordnung ganzjährig von der Jagd geschont. „Wölfe treten seit 2009 regelmäßig in Österreich auf und seit 2012 gibt es nationale Handlungsempfehlungen“, berichtet Lucas Ende vom Naturschutzbund: „Der Wolf ist streng geschützt und eine Änderung daran ist in den nächsten fünf bis zehn Jahren nicht abzusehen.“

Der Natur- und Artenschützer setzt sich für „intakte, vollständige Ökosysteme, die auch Prädatoren (Anm.: Raubtiere), wie Wölfe, beinhalten ein. Es ist natürlich eine gesellschaftliche Frage, was uns ein vollständiges Ökosystem wert ist.“

Wölfe meiden Menschen

Lucas Ende möchte ein Verständnis für diese Tiere wecken: „Wölfe meiden den Menschen, sofern sie nicht angefüttert werden. Sie sind enorm klug und lernfähig, aber auch vorsichtig.“ Deshalb sei ein Herdenschutz möglich, „aber das muss man sich für jede Alm einzeln ansehen. Wir haben einen Förderantrag bei der EU für ein großes Herdenschutzprojekt im Alpenraum gestellt.“ Erst, wenn die Herdenschutzmaßnahmen nicht greifen und ein drohender, ernstzunehmender wirtschaftlicher Schaden bestehe, dürfe, laut Ende, der Wolf geschossen werden.

Handlungsspielraum gegeben

„Wir haben einen Handlungsspielraum, wenn uns Vorfälle gemeldet werden. Beispielsweise wenn der Wolf die Nähe des Menschen sucht oder erhebliche wirtschaftliche Schäden auftreten. Beispielsweise zwischen 25 und 50 Tiere, die ein einzelner Wolf oder ein Rudel gerissen haben, obwohl die Tiere geschützt waren. Schon ein ca. 90 Zentimeter hoher Schafzaun gilt als wolfssicher“, so der Wolfsbeauftragte des Landes OÖ, Gottfried Diwold.

Herdenschutz umstritten

„Die hochalpinen Almen werden sich nicht wolfssicher einzäunen lassen“, ist Johann Feßl, Obmann OÖ Verein für Alm und Weide, überzeugt: „Deshalb fordern wir wolfsfreie Zonen und das müssen unsere Almbezirke sein. Wir brauchen unsere Nutztiere auf den Almen, nicht nur um Lebensmittel zu produzieren sondern auch, um die Almen samt ihrer Vielfalt an Tier- und Pflanzenwelt, für Erholungssuchende zu erhalten. Doch wir sind an der Grenze der Belastbarkeit angelangt. Wir haben immer weniger Landwirte, die die Arbeit verrichten und viele werden sich überlegen, ob sie sich die Arbeit noch antun, die Tiere auf die Alm aufzutreiben, um sie dort dem Wolf zum Fraß vorzuwerfen.“

Einzäunung schwierig finanzierbar und realisierbar

Auch Bezirksbauernkammer-Obmann Andreas Ehrenhuber betont: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Herdenschutz mit Einzäunung finanzierbar und realisierbar ist.“ Die Präsidentin der Landwirtschaftskammer OÖ Michaela Langer-Weninger sagt: „Eine ganze Wirtschaft soll sich einer Art unterordnen, das ist nicht verständlich.“

Die anwesenden Landtagsabgeordneten, unter anderem Christian Dörfel (ÖVP), Michael Gruber (FPÖ) und Regina Aspalter (ÖVP) sprachen sich für eine Regulierung des Wolfsbestandes aus.

Auch Jäger fordern wolfsfreie Zonen

Lucas Ende weiß: „Der Wolf hat einen Einfluss auf das Wild. Dieses muss sich an den neuen Feind anpassen.“ OÖ Landesjägermeister Herbert Sieghartsleitner sieht darin jedoch einen „unfairen Kampf“ und betont: „Unsere Lebensweisen, Nutzungsformen und Wirtschaftsweisen sind mit dem Wolf in dieser Region nicht vereinbar. Überall wo Alm- und Weidewirtschaft und Rotwildüberwinterung betrieben wird und überall wo Gamswildlebensräume in dieser vom Menschen sehr eingeschränkten Form vorhanden sind, muss es wolfsfreie Zonen geben. Die Koexistenz Wolf-Mensch hat es in dieser Region nie gegeben. Es war ein Existenzkampf bis zur Ausrottung des Wolfes. Für die Jagd gibt es keinen Herdenschutz und keine Entschädigung, das Wild ist herrenlos, bis es erlegt wurde.“

Viele Emotionen vorhanden

Silke Antensteiner von der Ortsbauernschaft Vorderstoder, Organisatorin der Podiumsdiskussion in Hinterstoder zeiht ein Fazit: „Mit dieser Veranstaltung haben wir gezeigt, dass wir nicht einfach alles so zur Kenntnis nehmen. Man hat gesehen, dass viele Emotionen vorhanden sind. Wir haben Druck gemacht, damit die Politik sieht, dass man das Thema nicht in die Ecke stellen kann und möglicherweise die Gesetze ändert.“


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