AUA zieht sich aus den Bundesländern zurück
HÖRSCHING. Ausrian Airlines wird die derzeit noch in Altenrhein, Graz, Innsbruck, Klagenfurt, Linz oder Salzburg bestehenden dezentralen Crew-Basen nach Wien verlegen. Die gut 200 Mitarbeiter erhalten das Angebot, nach Wien zu kommen. Alleine in Hörsching sind davon 30 Mitarbeiter betroffen.

Scharfe Kritik übt Oberösterreichs SPÖ-Chefin Birgit Gerstorfer an den heute präsentierten Plänen der Austrian Airlines, die den Abzug von Flugzeugen samt Personal vom Flughafen Linz beschlossen haben. „Das ist ein schwerer Schlag gegen den Standort Oberösterreich. Nicht nur, weil 35 Arbeitsplätze verloren gehen“, sagt Gerstorfer.
Das „Angebot“, dass betroffene Mitarbeiter, die Familien und Lebensmittelschwerpunkt im Großraum Linz haben, ja nach Wien übersiedeln könnten, sei völlig lebensfremd.
„Jetzt ist Landeshauptmann Stelzer gefordert. Er darf sich das im Interesse unseres Bundeslandes nicht gefallen lassen“, so Gerstorfer, die die AUA auffordert, ihre heute präsentierten Arbeits- und Standortvernichtungs-Beschlüsse zu überdenken.
„Es darf nicht sein, dass Unternehmen wie die AUA von der Politik immer wieder Unterstützung einfordern, diese dann auch beispielsweise in Form der Halbierung der Ticketsteuer bekommen, und im Gegenzug Arbeitsplätze vernichten und regionale Wirtschaftsstandorte massiv gefährden“, sagt Gerstorfer.
Hintergrund
Austrian Airlines hat den Turnaround nach einer harten Sanierung geschafft und ist heute profitabel. Auch im Jahr 2018 steuert die Fluglinie nach einem starken Passagierwachstum von über einer Million Kunden oder 8,5 Prozent wieder in die Gewinnzone. Die starke Nachfrage von Passagieren und der zunehmende Wettbewerb in Wien veranlasst die rot-weiß-rote Fluglinie nun zu einer strategischen Weichenstellung.
Die Airbus-Flotte soll bereits in den nächsten drei Jahren von 36 auf 46 Flugzeuge wachsen. Gleichzeitig wird Austrian Airlines ihre 18 Turboprop-Flugzeuge mit 76 Sitzen ausflotten: In Summe wird das Angebot in Wien dadurch um über zehn Prozent ausgebaut werden, da die Jets der A320-Familie wesentlich größer als die Turboprops sind.
200 Millionen Euro für Airbus-Flotte
„Wir werden über 200 Mio. Euro in den Ausbau der Kontinental-Flotte investieren und unsere Position in Wien damit deutlich stärken können“, kündigt der neue CEO Alexis von Hoensbroech an, „das ist gleichzeitig auch als Kampfansage im schärfer werdenden Wettbewerb in Wien zu verstehen und wir sind bereit, noch weitere Schritte zu gehen, um unser Drehkreuz zu verteidigen.“
Bereits im April wird Lufthansa Aviation Training (LAT) mit den Bauarbeiten zur Vergrößerung des Simulator-Trainingscenters Standort Wien beginnen, um Platz für zwei zusätzliche A320-Flugsimulatoren für Pilotentrainings zur Verfügung zu stellen.
Die voraussichtliche Fertigstellung des 200 Millionen Euro teuren Ausbaus ist im ersten Quartal 2020 geplant. Derzeit werden in Wien vier Simulatoren (für Dash, Embraer und A320) betrieben.
Ausgelöst durch die Ausflottung der Dash will Austrian Airlines den dezentralen Österreich-Deutschland Verkehr im Lufthansa Konzern neu organisieren, da es beispielsweise für Lufthansa wesentlich einfacher ist, aus ihrem (zentralen) Frankfurter Drehkreuz herauszufliegen, als umgekehrt.
„Wir stehen hier bereits in Gesprächen mit unseren Konzernschwestern“, so von Hoensbroech.
Unter „dezentralem Verkehr“ versteht Austrian Airlines alle Flüge, die nicht vom Flughafen Wien starten, so zum Beispiel Salzburg-Frankfurt oder Linz-Düsseldorf.
Flüge zwischen Wien und den Bundesländerflughäfen sind davon erstmal unberührt. Bis auf die Strecke Wien-Linz, die vorigen Oktober mangels Rentabilität eingestellt wurde, sind bisher keine weiteren Änderungen auf AUA-Inlandsflügen bekannt.
Die vier Flugzeuge, die im Wet-Lease für die Konzernschwester SWISS in der Schweiz im Einsatz sind werden, wie bereits kommuniziert, zum Ende des Winterflugplans nach Wien überstellt.
Modernisierungsschub
Flottenentscheidung, Netzbereinigung und Verlagerung der dezentralen Crew-Basen sind drei wesentliche Themen aus dem 10-Punkte-Programm unter dem Titel #DriveTo25, das der AUA-Vorstand heute der Öffentlichkeit vorgestellt hat. Im Aufsichtsrat der Austrian Airlines wurde die neue Strategie bereits in der letzten Sitzung Ende November 2018 zustimmend zur Kenntnis genommen.
„Mit dem Strategieprogramm wollen wir der AUA einen kräftigen Modernisierungsschub geben. Um unsere Investitionsfähigkeit zu steigern, werden wir Komplexität reduzieren und uns zukünftig stärker auf das Kerngeschäft und den Hub-Verkehr in Wien konzentrieren“, fasst CFO Wolfgang Jani zusammen.
Verkehrsminister Norberg Hofer sieht Chance
Verkehrsminister Norbert Hofer betont in einer Aussendung, dass die Entscheidung zu akzeptieren sei. Keine Frage, dieses Vorgehen der AUA stellt die kleinen Flughäfen vor große Herausforderungen. Allerdings bin ich optimistisch, dass sich für die Flughäfen in den Bundesländern eine Chance durch andere Airlines bieten wird. Dadurch würde der Wegfall der AUA-Basen kompensiert.


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