"Hürm ist im Umbruch"
Johannes Zuser ist nicht nur Bürgermeister von Hürm, sondern auch Landwirt und Vater dreier Kinder. Tips sprach mit ihm über seine Gemeinde und seinen Zugang zur Politik.

Tips: Auf der Homepage der Gemeinde findet sich ihr Lebensmotto: Tradition bewahren und Zukunft gestalten. Können Sie das kurz erklären?
Zuser: Eine Ortschaft oder eine Gesellschaft funktioniert mit Werten und Traditionen. Ich glaube, es ist wichtig, dass man auf Vergangenes nicht vergisst, sondern aus der Vergangenheit das herausnimmt, aus dem was man etwas lernen kann und das an die heutige Gesellschaft anpasst und weiterentwickelt. Dann kann man die Zukunft positiv gestalten. Die Mischung aus der Vergangenheit, aus der Geschichte, aus der man etwas gelernt hat und mit dem, was man daraus in der Gegenwart gemacht hat, ergibt sich die Zukunft.
Tips: In der Gemeindezeitung war von neu aufgeschlossenen Baugründen zu lesen.
Zuser: Ja, am Südhang wurde mit der Erschließung von 20 Bauplätzen begonnen. Diese sollen ab April oder Mai zu Verfügung stehen. Auf einer Grundfläche von 700 bis 1000 Quadratmeter können dann neue Einfamilienhäuser entstehen. Aber auch außerhalb, zum Beispiel in Sooß, gibt es Baugründe.
Tips: Hürm wächst?
Zuser: Ja. Wir sind in der glücklichen Lage, gute Infrastruktur vor Ort zu haben. Von hier ist es eine Stunde nach Wien, 20 Minuten nach Sankt Pölten und grob eine Stunde nach Linz. Nachfrage an Wohnraum gibt es von Gemeindebürgern, die sagen: „Ich bin hier zur Welt gekommen. Ich möchte hier bleiben“ und auch aus der Umgebung, weil es Kindergarten, Mittelschule, Arbeitsplätze und ein reges Vereinsleben gibt. Das macht es summa summarum aus. Und der Baugrundpreis ist mit 35 Euro pro Quadratmeter auch attraktiv.
Tips: Es wird ja nicht nur Wohnraum geschaffen. Auch für den Ortskern gibt es Pläne?
Zuser: Wir möchten, dass der Ortskern belebt wird und sind gerade dabei, eine Projektstudie erstellen zu lassen, um zu sehen, was für eine Bebauung im Ortszentrum möglich sein könnte. Dabei stimmen wir uns mit der Firma Prosenbauer ab, die gerne erweitern möchte. Primäres Ziel ist es, Wohnraum zu schaffen. Die günstigste Form der Weiterentwicklung einer Ortschaft ist immer Innen- statt Außenentwicklung, weil im Ortszentrum Infrastruktur vorhanden ist und bestehende Gebäude und Leerstände optimal genutzt werden können. Wir wollen jetzt aber mal schauen, welche Möglichkeiten zu Verfügung stehen und dann muss sich der Gemeinderat damit befassen. Es soll aber finanziell tragbar sein und kein Prestige-Objekt werden.
Tips: Sie sind Bürgermeister und dadurch viel unterwegs. Gleichzeitig Landwirt und Familienvater. Wie organisieren Sie das?
Zuser: Erstens mit großer Unterstützung von der Familie. Sowas ist nur möglich, wenn man dementsprechende Unterstützung von der Familie hat. Die Herausforderungen in der Landwirtschaft steigen ständig. Dabei ist es wichtig, dass man ein gutes Zeit-Management hat und für Unvorhergesehenes muss man flexibel sein. Das ist die eigentliche Herausforderung.
Tips: Wo sehen Sie Hürm in den nächsten zehn bis 20 Jahren?
Zuser: Hürm ist im Umbruch. Von der klassischen Gemeinde mit landwirtschaftlichen Wurzeln, entwickelt sich die Gemeinde einerseits zu einer Gemeinde, wo Zuzug passiert, wo Lebensqualität und Wohnraum geschaffen werden und andererseits mit dem Betriebsgebiet zu einer Gemeinde, wo aktiv Arbeitsplätze geschaffen werden. Und ich glaube, das macht es aus: günstiger Wohnraum für Familien, Schaffung von Arbeitsplätzen in der Region und trotzdem aber nicht auf die Wurzeln vergessen: Tradition bewahren und Zukunft gestalten.


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