Erfrischende Köstlichkeit im Sommer: der Weg von der Frucht bis zum Eis
INZERSDORF IM KREMSTAL. Was braucht man an einem heißen Sommertag mehr als ein erfrischendes Eis? Erika und Leonhard Schröcker fertigen seit elf Jahren auf ihrem Bauernhof in Inzersdorf diese kalte Süßspeise. Für Tips geben sie Einblick in ihre Arbeit und klären die Frage, wie das Eis am besten schmeckt.

Der Gedanke, dass sich aus Milch und Früchten etwas produzieren lässt und diese nicht nur an die Genossenschaft zu liefern, gefiel den Inzersdorfer Landwirten. „Wir waren auf der Suche im Bereich Genuss, als wir in der Zeitung von einer Eismaschine gelesen haben. Ich war fasziniert, dass man beispielsweise aus einer Zwetschke ein so gutes Eis machen kann. Das gefiel uns, weil wir damit auch unsere eigenen Früchte gut verarbeiten konnten“, erzählt Leonhard Schröcker.
Aller Anfang ist schwer
Der Anfang sei nicht einfach gewesen, beschreibt der 49-Jährige, denn sie seien in Österreich die ersten gewesen, die ein Bauernhofeis produzieren wollten. „Unsere Idee wurde von der Lebensmittelbehörde zuerst skeptisch angesehen“, so der Eisverkäufer. Mittlerweile fertigen die Inzersdorfer rund 2000 Liter Eis pro Jahr. Je nach Saison gibt es 15 bis 20 Sorten. Erhältlich ist die Süßspeise des einzigen Bauernhofeis-Betriebes im Bezirk Kirchdorf nicht nur am Bauernmarkt und Ab Hof, sondern auch bei Nahversorgern in Inzersdorf, Vorderstoder und Waldneukirchen sowie in rund zehn Gasthäusern im ganzen Bezirk und darüber hinaus. Im Sommer verkauft Leonhard Schröcker fast jedes Wochenende das Eis bei Veranstaltungen.
Eis-Produktion auf Hochtouren
In der Hochsaison von Mai bis Mitte August fertigt Erika Schröcker drei Tage pro Woche je nach Bestellung das Eis. Nur im Jänner und Februar hat die 46-Jährige einmal Pause vom Eismachen. Im Durchschnitt dauert es eine halbe Stunde, bis zwischen fünf und sechs Liter Eis fertig sind. Für Fruchteis braucht Erika Schröcker länger, da einige der Früchte passiert werden müssen. Im Sommer füllt sie pro Woche rund 400 bis 500 kleine Becher mit der Teigkarte ab. Kurzfristige Bestellungen sorgen für Stress. „Hin und wieder ist es schon sehr stark. Gerade im Sommer ist in der Landwirtschaft auch genug zu tun, im Winter hätten wir mehr Zeit“, so die Bäuerin und fügt hinzu, „aber mir gefällt die Arbeit sehr.“ Auch die drei Kinder helfen mit, wenn sie gebraucht werden.
Strenge Kontrollen
Die Lebensmittelkontrolle ist sehr streng, regelmäßig werden unangemeldet Kontrollen durchgeführt. Zusätzlich schicken die Produzenten jährlich mindestens eine Produktprobe, die auf Genusstauglichkeit geprüft wird.
Natürliche Zutaten
Fünf Monate ist das Eis mindestens haltbar. Nur natürliche Zutaten kommen in das Bauernhofeis, keine Aromen und keine künstlichen Farbstoffe. „Die Leute erkennen unser Pistazieneis nicht, weil es nicht grün ist“, schmunzelt Erika Schröcker. „Es würde gar nicht so viele Erdbeeren geben, wenn die Industrie echte Erdbeeren für ihr Eis verwenden würde“, sagt Leonhard Schröcker. Für das Sahneeis verwendet die Familie Schröcker die Milch der eigenen Kühe und für das Sorbeteis heimische Früchte.Im Vergleich zum Industrieeis wird das Bauernhof-Eis weniger aufgeschäumt, es enthält dadurch wesentlich weniger Luft und ist auch schwerer. „Man hat also mehr vom Eis und es fällt nicht so schnell zusammen, weil es fester ist“, erklärt Erika Schröcker.
Exotische Experimente
Am meisten wird das Vanilleeis nachgefragt, weil es die Wirte für viele ihrer Eisbecher brauchen. Ist einmal weniger los, experimentiert Erika Schröcker mit exotischen Eissorten. „Man kann aus allem Eis machen. Es gab schon Tomate-Basilikum, Bärlauch, Wiesenschaumkraut und Apfel-Kren“, nennen die Landwirte Beispiele. Das könne man aber nur als Beilage essen. Einige Experimente gingen auch schief. „Der Geschmack von Hollerblüten war nicht so intensiv, wie ich es mir vorgestellt habe“, so Erika Schröcker. Ihr Mann ergänzt: „Vom Colaeis war ich ganz enttäuscht. Das Kriecherl-Eis kam hingegen sehr gut an.“ Auch mit Likören lässt sich gutes Eis fertigen. Besonders beliebt ist Nussgeist.
Kurz warten lohnt sich
Wer jetzt Lust auf diese kalte Köstlichkeit hat, sollte einen Tipp beachten: Das Eis nicht zu kalt verzehren, sonst kommt der Geschmack nicht richtig zur Geltung. „Den Löffel in zwei Finger nehmen. Wenn sich das Eis leicht aufschaufeln lässt, ist es optimal zu genießen“, erklären die Eis-Experten.
Freitags von 8 bis 17 Uhr und nach telefonischer Vereinbarung ist das Eis ab Hof erhältlich.


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