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Das Vlies der Götter aus dem Kremstal: Warum Alpaka-Wolle zu den edelsten Naturfasern der Welt zählt

Susanne Winter, MA, 05.12.2016 16:41

INZERSDORF IM KREMSTAL. 30 flauschige Tiere grasen fast lautlos mitten im Kremstal, es sind die Alpakas von Georg und Barbara Weiermair aus Inzersdorf. Die Alpakazüchter wissen, warum die Wolle ihrer Tiere neben Kaschmir und Seide zu den edelsten Naturfasern der Welt zählt.

Georg Weiermair (r.) und seine Eltern befreien die Wolle von gröberem Schmutz. Foto: Ernst Rohrauer
  1 / 23   Georg Weiermair (r.) und seine Eltern befreien die Wolle von gröberem Schmutz. Foto: Ernst Rohrauer

2010 standen Georg und Barbara Weiermair vor der Entscheidung, mit ihrem im Nebenerwerb geführten Milchviehbetrieb aufzuhören oder eine Alternative zu suchen. Sie entschieden sich für Alpakas, da der Arbeitsaufwand relativ gering und die Zeiteinteilung flexibel ist. Im Juni 2011 wurden die ersten Tiere – zwei trächtige Stuten und ein Stutenfohlen – aus Australien geliefert. Mittlerweile leben 30 Alpakas am Hof.

Relativ pflegeleichte Tiere

„Im Vergleich zu anderen Tieren sind Alpakas relativ pflegeleicht. Sie brauchen Gras und ganzjährig Heu, sauberes Wasser und eine Mineralstoffmischung“, erzählt Georg Weiermair. Seine Frau Barbara und seine Eltern helfen am Hof mit.Familie Weiermair hält die Weidetiere ganzjährig im Freien. In einem Unterstand finden sie Heu und Trinkwasser. Zur Pflege gehört zudem das Entwurmen und Impfen. Alle zwei bis drei Monate müssen die Zähennägel geschnitten werden.

Züchter aus Leidenschaft

Die Alpaka-Züchtung ist die Leidenschaft von Georg Weiermair. Körperbau, Faser, Genetik und ein guter Stammbaum sind Kriterien, die bei der Züchtung wichtig sind. „Wenn man eine Stute deckt, achtet man auf ihre Stärken und Schwächen. Dann wird ein passender Hengst gesucht, der ihre Schwächen ausgleicht“, erklärt der Züchter. Sein Ziel ist es, ein hochwertiges, dichtes Vlies mit feinen Fasern, die einen gleichmäßigen Crimp (Kräuselung der Haare) besitzen, zu erhalten.

Sein Wissen erlangte Georg Weiermair von Seminaren und Literatur sowie von anderen Züchtern  beim Zuchtverband „Alpaca Association Austria“. Dort ist er auch Obmann.

Wollfaser mit hervorragende Eigenschaften

Die ursprüngliche Heimat der Alpakas ist Südamerika. Bereits die Inka erkannten den Wert der Wolle und nannten sie aufgrund der hervorragenden Eigenschaften „Das Vlies der Götter“. Alpaka-Wolle zählt neben Kaschmir und Seide zu den edelsten Naturfasern der Welt. Die Faser zeichnet sich durch ihre Feinheit, Weichheit und ihren Glanz aus. Außerdem enthält sie einen sehr geringen Wollfettanteil und ist damit schmutz- und geruchsabweisend und auch für Allergiker geeignet. Die Faser ist sehr gut temperatur- und feuchtigkeitsregulierend.

Drei bis fünf Kilogramm Wolle pro Tier

Einmal jährlich, meistens im Mai, werden die Alpakas von einem professionellen Alpakascherer geschoren. Rund zehn Leute helfen mit, die drei bis fünf Kilogramm Wolle pro Tier zu scheren. Es gibt drei Qualitätsklassen. Wolle vom Rücken ist die erste Klasse, Hals und Schenkel fallen unter die zweite Qualitätsklasse und der Rest ist die dritte Qualität. Die Wolle wird noch grob gereinigt, bevor sie den Hof verlässt.

Produkte aus Alpaka-Wolle

Aus der Wolle entstehen vielfältige Produkte wie Hauben, Schals, Schuheinlagen, Webstoffe, Polster und Steppdecken. „Wir verkaufen nur Produkte aus der Wolle unserer eigenen Tiere oder aus welcher, die wir gemeinsam mit österreichischen oder deutschen Züchtern produzieren lassen. Wir importieren keine Fertigware“, so Georg Weiermair. Die Produkte werden ab Hof nach Terminvereinbarung und bei diversen Märkten verkauft.

Qualität der Zucht verbessern

Familie Weiermair hat eine große Freude mit ihren Alpakas. „Es hat eine entspannende Wirkung, wenn man mit ihnen arbeitet. Sie sind sehr sensible und leise Tiere, die eine Ruhe ausstrahlen“, schwärmt Georg Weiermair, der die Qualität seiner gezüchteten Tiere noch verbessern möchte. In Zukunft sollen neue Produkte gemeinsam mit österreichischen Züchtern und Firmen entwickelt werden.

Übrigens: Alpakas sind Herdentiere mit ausgeprägtem Sozialverhalten. Sie spucken nur, wenn sie sich bedroht fühlen oder wenn sie untereinander um die Rangordnung in der Herde kämpfen.

Weitere Infos

www.alpaka-rauscher.at

www.alpaca-austria.com


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