„Mein ganzes Leben ist Verbindung mit Kino“
KATSDORF. Das Kino Katsdorf ist mit der Familie Dattinger untrennbar verbunden. Norbert Dattinger betreibt seit Jahrzehnten in zweiter Generation die wohl bekannteste kulturelle Einrichtung des Ortes mit Hingabe und Leidenschaft – seine 87-jährige Mutter steht noch immer gerne als Kartenabreißerin zur Verfügung.

Die Antwort auf die Frage, was Kino für ihn bedeute, fasst er in einem Satz zusammen: „Mein ganzes Leben ist Verbindung mit Kino.“ Er spielt mit Vorliebe europäische Filme, die sich nach seinem Geschmack wohltuend von amerikanischen Durchschnittsfilmen abheben. „Wunderschön, wie Kino ein Tor öffnet zu den Ländern und zu einer anderen Welt.“ Er liebt den Charme französischer, isländischer Filme und kommt ins Schwärmen, wenn die Sprache auf Produktionen aus den skandinavischen Ländern kommt. Das Publikum goutiert seine Ausrichtung und besucht das Traditionskino mit Charme immer gerne.
Frauenfilmnacht
Zum Frauentag findet seit Jahren eine Frauenfilmnacht im Kino Katsdorf statt. Dieses Jahr werden am 6. März die Filme „Die Dohnal“ und „Little Women“ gezeigt. Darüber hinaus bietet der Kinobetreiber einen Frauen-Kino-Pass an – jede zehnte Vorstellung ist gratis. Eine tolle Initiative, die von manchen Frauen als Antwort auf die Lohnschere um das Thema gleicher Lohn für gleichwertige Arbeit gesehen wird. Darauf angesprochen meint Dattinger mit einem Augenzwinkern, dass dieser Pass auch den Männern zugutekäme, denn die würden meist den Eintritt bezahlen.
Filmleidenschaft seit Kindheitstagen
Im Gespräch mit Tips erinnert er sich an die Anfänge des Katsdorfer Kinos, das in den späten 40er-Jahren eröffnet wurde – sein Vater war zu dieser Zeit Filmvorführer und wurde später zum Geschäftsführer bestellt. Die Filmleidenschaft wurde dem Filius gewissermaßen in die Wiege gelegt: „Mein Vater hat mir bereits als Kind ziemlich alle Freiheiten gelassen. Das Kino war damals in einem – gelinde gesagt – furchtbaren Zustand. Das hatte den Vorteil, dass ich nicht viel kaputt machen konnte. Als Hauptschüler durfte ich mich bereits als Vorführer meinen Klassenkameraden präsentieren und war darauf sehr stolz. Als ich von der Schließung des Pregartener Kinos hörte, hatte ich mich dahinter geklemmt und konnte den Kauf des gesamten Inventars und der Projektoren einfädeln. Im Juni 1978 lief „Doktor Schiwago“ und von da an hatten wir erstmals viele Besucher.“ Seit dem Tod seines Vaters im Jahr 2000 führt Norbert Dattinger das Lichtspielhaus seines Heimatortes in Eigenregie. Seither hat sich vieles verändert, geblieben ist seine Leidenschaft für qualitative Filmvorführungen – Cineasten aus der Umgebung schätzen ihn dafür. Wer regelmäßig über das Programm informiert sein möchte, kann sich für den Newsletter unter kino.katsdorf@speed.at anmelden.
Norbert Dattinger, geboren am 16. Juli 1960
Beruf: Jurist
Welche freizeitlichen Aktivitäten bestimmen außerhalb des Kinos ihr Leben?
Als Eisenbahnersohn alles rund um die Eisenbahn, Geschichte – ich bin momentan auf der Suche nach Ansichten, Fotos der seinerzeitigen Bahnstrecke zwischen Gaisbach und Mauthausen
Homepage: kino-katsdorf.at


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.
Jetzt anmelden