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Groß angelegter Fall von Menschenhandel, Schwarzarbeit und schwerem Betrug aufgedeckt

Online Redaktion, 14.06.2022 08:43

BEZIRK KIRCHDORF/BEZIRK VÖCKLABRUCK/OÖ. Polizisten aus dem Bezirk Kirchdorf ist es gemeinsam mit Kollegen nach umfangreichen Ermittlungen gelungen, einen groß angelegten Fall von Menschenhandel, organisierter Schwarzarbeit und schwerem Betrug zu klären, bei dem zahlreiche Asylwerber ausgebeutet wurden.

Symbolfoto (Foto: Volker Weihbold)
Symbolfoto (Foto: Volker Weihbold)

Über eineinhalb Jahre ermittelten die Beamten gemeinsam mit dem Landeskriminalamt OÖ, der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft, der Finanzpolizei und dem Sozialversicherungsträger.

Firmenkonstrukt

Ein 63-jähriger Deutscher aus dem Bezirk Vöcklabruck wird beschuldigt, als Geschäftsführer eines Firmenkonstrukts insgesamt 233 irakische Asylwerber widerrechtlich als Scheinselbstständige an diverse Unternehmen, teilweise täglich wechselnd, quer durch das gesamte Bundesgebiet vermittelt zu haben. Er nutzte aus, dass sich die Asylwerber ohne Deutschkenntnisse auch rechtlich nicht auskannten und führte die Gewerbeanmeldungen im Bereich Facility-Management bei den jeweiligen Wohnsitzbehörden durch.

Die Asylwerber sahen sich selbst als Angestellte der Scheinfirma und hatten keine Kenntnis über deren Selbständigkeit. Auch seine 72-jährige Buchhalterin aus Wien ist daran beteiligt und wird sich ebenfalls dazu verantworten müssen.

17-Stunden-Dienste ohne Ruhezeiten

Die Asylwerber erhielten laut Polizei einen Stundenlohn von 9,50 Euro Brutto und wurden entsprechend einem vom Beschuldigten erstellten Dienstplan bis nach Vorarlberg und Kärnten zu Tankstellen vermittelt. Dort mussten sie bis zu 17-stündige Dienste ohne entsprechende Ruhezeiten und ohne jeglichen Zuschlag versehen. Die Asylwerber mussten von diesem Stundenlohn auch die Sozialversicherung und sonstigen Abgaben leisten.

Zudem wurden Reisezeiten zu den Arbeitsstätten nicht abgegolten, die Polizei spricht von Arbeitsausbeutung.

Lebensunterhalt finanziert

Außerdem beschäftigte der 63-Jährige auch Asylwerber mit ausreichend guten Deutschkenntnissen als Sekretäre (ebenfalls Scheinselbständige), die die Dienstpläne an die „Mitarbeiter“ verteilten. Aus den Scheinselbstständigen bestimmte er Fahrer, die mit ihren Privat-Pkw die Asylwerber zu den jeweiligen Arbeitsstellen brachten. Ohne Deutschkenntnisse und entsprechende Schulungen wurden sie darüber hinaus an eine Security-Firma vermittelt, die diese bei Fußball- und Eishockeyspielen einsetzte. Als unrechtmäßiger Arbeitsvermittler erhielt der Beschuldigte von den Partnerfirmen zwischen 14,50 und 16,50 Euro pro geleisteter Stunde und finanzierte sich durch die organisierte Schwarzarbeit der Asylwerber seinen Lebensunterhalt.

Laut Polizei Menschenhandel

Die ausbeuterische Arbeitszeiteinteilung (Doppelschichten und unzureichende Ruhezeiten) sowie die Ausnutzung ihrer Zwangslage, ansonsten keiner rechtmäßigen Arbeit nachgehen zu können, erhärten den Verdacht des Menschenhandels. Der Beschuldigte zwang die Asylwerber laut Polizei zur Arbeitsleistung und drohte ihnen im Fall von Krankheit oder einem Urlaubsgesuch mit dem Verlust ihrer Arbeit. „Weiters ergab sich durch Kontoöffnungen der Verdacht des schweren gewerbsmäßigen Betruges. Es erfolgten insgesamt sieben Kontoöffnungen, eine Hausdurchsuchung und die anschließende Auswertung der sichergestellten Firmenunterlagen. Insgesamt wurden 57 von 233 irakischen Asylwerbern als Opfer bzw. Zeuge einvernommen“, berichtet die Polizei.


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