Syrischer Autor hüpft in Erinnerungsspuren
KIRCHDORF AN DER KREMS. Am Sonntag, 18. Juni, um 19 Uhr liest der in Kirchdorf bereits bekannte syrische Autor Hamed Abboud im Theater in der Werkstatt in Kirchdorf aus seinem neuen Buch „Meine vielen Väter“.

„Ich will nicht als ,Autor mit Fluchtbiografie' bezeichnet werden“, betont Hamed Abboud, „ich will mich von diesem Rahmen befreien und auch über andere Themen schreiben – ich will Autor sein!“ „Meine vielen Väter“ heißt nun dieses neue Buch, in dem er in seine Kindheit und Jugend in Syrien „flüchtet“ und in Erinnerungen kramt, und – er schreibt zum ersten Mal auf Deutsch.
Geboren 1987 in Deir-al-Zor in Syrien, studierte Hamed Abboud in Aleppo Telekommunikationstechnologie. Die Kindheit verbrachte er teilweise in Algerien, bis seine Familie 1992 bei Ausbruch des Bürgerkrieges nach Syrien zurück musste. Als dort 2011 der zunächst friedliche Aufstand gegen das Regime mit militärischer Gewalt unterdrückt wurde, floh er Ende 2012 nach Ägypten. Über Dubai und die Türkei kam er 2014 nach Österreich, wo er nach zwei Jahren im Burgenland nun in Wien lebt.
Familie in der ganzen Welt verstreut
Wenn Hamed Abboud über seine Familie spricht, braucht er eigentlich eine Landkarte: Mutter, Schwester und ein Bruder in Frankreich, der ältere Bruder wie er selbst in Österreich, nur der Vater lebt immer noch in Syrien, das er nicht verlassen will. Der Krieg in ihrer Heimat hat die Abbouds in alle Welt verstreut. Das ändert nichts an den vertrauten Familienbanden. Und der Leser lernt sie alle kennen: den Vater, humorvoller Lehrer und Bäcker, Geschwister, Onkel, und natürlich auch die Mutter, die „Ausbildungskreuzritterin“, die mit Lackstift die Wände der Wohnung vollschreibt, damit die Kinder all das, was sie aus dem Unterricht nicht gut beherrschen, stets vor sich sehen.
In kurzen, leichten Sätzen breitet sich ein zauberhafter Geschichtenteppich aus, der das Leben der Familie Abboud wie in kleinen Filmszenen vor Augen führt. „Picknickliteratur“ nennt der Autor scherzhaft den grünen Band, der ihn an seine „grüne Heimat erinnert, wo der Euphrat fließt“. Und vielleicht, hofft er, könnten seine Schilderungen den Leser auch in eigene Erinnerungen eintauchen lassen.
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