Wintersport muss nicht auf Kosten des Waldes und der Tiere stattfinden
OÖ/BEZIRK KIRCHDORF. Das Schneeschuhwandern und Schitourengehen abseits der Piste wird immer beliebter. Damit unsere Wälder weiterhin Erholungsräume bleiben und auch die darin lebenden Tiere möglichst wenig gestört werden, rufen Jäger, Förster und Wildökologen zu verantwortungsbewusstem Verhalten auf.

Was im Wald zulässig ist und was man zu unterlassen hat, regelt das Forstgesetz. Grundsätzlich können Schifahrer und Schneeschuhwanderer den Wald für ihren Sport nutzen. „500 Meter links und rechts von Aufstiegshilfen wie Lift und Seilbahnen, der Piste oder der markierten Abfahrt ist das Abfahren verboten“, erklärt Franz Zehetner, Leiter des Forstdienstes der Bezirkshauptmannschaft Kirchdorf: „Das Abfahren mit Schiern im Bereich von Jungwuchs- und Aufforstungsflächen – das sind Wälder bis zu einer Baumhöhe von drei Metern – ist ebenfalls verboten.“ Achtung: Rodeln und Bobfahren im Wald gilt als Befahren und ist ohne Zustimmung des Waldeigentümers nicht erlaubt.
Auf kleine Bäume achten
Auf das richtige Verhalten im Wald kommt es an, denn Wintersportler können durch Unachtsamkeit besonders junge Bäume mit scharfen Schikanten und Stöcken verletzen. „Besonders in Bereichen, wo die Waldverjüngung ohnehin schon lange dauert, wird diese damit noch mehr verzögert“, weist Franz Zehetner auf die Folgen hin und erklärt: „Auf den Kosten durch die Schäden bleibt der Waldeigentümer sitzen.“ Der Bezirksforstinspektor rät, nur auf den ausgewiesenen Bereichen zu fahren.
Trend des Schitourengehens hauptsächlich auf beliebten Strecken
„Natürlich kann man nicht ganz ausschließen, dass ein Wipfel erwischt wird“, meint Berg- und Schiführer Michael Poltura. Dem Windischgarstener zufolge mache sich der Trend des Schitourengehens hauptsächlich auf beliebten Strecken bemerkbar, dazu zählen die Skitouren auf die „Wilde“, auf den Schwarzkogel am Hengstpass oder auf den Wasserklotz.
„Schifahrer vernichten keine Wälder“
Michael Poltura betont: „Schifahrer vernichten keine Wälder, denn sie fahren dort, wo man gut schwingen kann und das ist nicht im dichten Wald, sondern auf Lichtungen und Wiesenflächen, wo kaum Jungbäume wachsen. Die große Masse an Bäumen wird nicht vom Schifahrer beeinträchtigt, sondern vom Wild gefressen.“
Gespräche mit der Politik
Für den Bezirksjägermeister Herbert Sieghartsleitner stellen Wintersportler dann ein Problem für die Wildtiere dar, wenn sie sich abseits von den Wegen, innerhalb der Wildruhezonen sowie in der Nacht im Wald aufhalten. „Deshalb fordern wir eine wildökologische Raumplanung. Es muss eine klare Ordnung mit Ruhezonen für das Wild geben“, betont Sieghartsleitner. Dafür müsse „ein ordentlicher Interessensaustausch stattfinden. Für 90 Prozent der Waldnutzer ist es in Ordnung, sich an eine Raumordnung zu halten.“ Erste Gespräche mit der Politik seien positiv verlaufen.
Wild gewöhnt sich nur schwer an den Menschen
„Wildtiere sind scheu und meiden den Menschen“, weiß Dominik Dachs, Wildökologe beim Nationalparkbetrieb der Österreichischen Bundesforste. Eine Gewöhnung an den Menschen könne zwar stattfinden, sei aber nicht ganz einfach. „An die regelmäßig vorbeifahrenden Fahrzeuge auf der Autobahn können sich die Wildtiere nach und nach gewöhnen. Doch Tourengeher und Wanderer gehen nicht regelmäßig“, so Dachs.
„Wildtiere verbrauchen Energie, die sie nicht haben“
Ein zunehmendes Problem werden, laut dem Wildökologen, die Individualsportler: „Wenn diese in den Überwinterungsraum eindringen, flüchten die Tiere. Im Sommer ist das verkraftbar, aber im Winter ist der Energieaufwand für die Flucht viel höher. Die Wildtiere verbrauchen Energie, die sie nicht haben und müssen sich diese in Form von Nahrung wieder zurück holen. Deshalb fressen sie mehr Baumwipfel.“ Dass die Wildtiere im Winter zudem Abfahrten meiden, sei ein permanenter Lebensraumverlust für sie. „Speziell das Gamswild ist davon stark betroffen“, betont Dachs.
Als Lösung bietet sich für den Wildökologen die Definition von Winterüberlebensräumen, die nicht befahren werden, an. „Damit gibt man dem Wild den Raum, den es braucht.“ Die Schwierigkeit daran: „Man muss alle dazu bringen, sich daran zu halten. Das Gemeine ist, dass einer, der reinfährt, schon genug ist.“
Verantwortung übernehmen
„Ich habe nichts gegen Schitourengeher“, betont Dominik Dachs: „Aber man kann auch verantwortungsbewusst Schitouren gehen. Man muss einen Ausgleich schaffen, zwischen dem was die Wildtiere brauchen und dem, was wir uns als Menschen herausnehmen dürfen.“ Zum Beispiel nicht in der Nacht und nicht abseits der Wege zu fahren, auf Hinweistafeln zu achten und Wildruhezonen nicht zu stören. Dann kann der Mensch im Einklang mit der Natur und den Wildtieren leben und trotzdem den Wintersport genießen.


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