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Die Nähe zum städtischen Zentrum ist den Menschen im Bezirk Kirchdorf wichtig

Susanne Winter, MA, 06.03.2018 08:11

BEZIRK KIRCHDORF. Das Thema Landflucht betrifft ganz Oberösterreich. Trotz Wachstum der oberösterreichischen Bevölkerung verliert ein Drittel der Gemeinden seine Einwohner. Als Regionalmedium greift Tips das Thema im März auf und gibt einen Überblick über die Situation im Bezirk Kirchdorf.

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Die Situation im Bezirk Kirchdorf ist eher positiv zu bewerten, denn es besteht ein Zuzug. Derzeit hat der Bezirk 56.540 Einwohner (Stand Ende 2016). Die Wanderungssalden von 2010 bis 2016 (Quelle: Land OÖ / Statistik Austria) zeigen einen negativen Wanderungssaldo bei 13 Gemeinden des Bezirks während dieser Zeit und einen positiven Wanderungssaldo bei 10 Gemeinden. Der Bezirksdurchschnitt liegt bei 27 und damit durchwegs positiv (siehe Balkendiagramm). Das heißt, dass im Zeitraum von 2010 bis 2016 insgesamt um 27 Menschen mehr zugezogen als abgewandert sind.

Höchstes Zuwanderungsplus in der Bezirkshauptstadt Kirchdorf

Mit 452 Personen hat die Bezirkshauptstadt Kirchdorf das höchste Zuwanderungsplus, gefolgt von Kremsmünster mit 294 und Ried im Traunkreis mit 139. Die Gemeinde mit der höchsten Abwanderung ist Klaus (-98), gefolgt von Nußbach (-94) und Wartberg (-84). Die Zahlen betreffen die summierten Werte im Zeitraum von 2010 bis 2016.

Kampf gegen Abwanderung

Rudolf Mayr (SPÖ), Bürgermeister von Klaus, berichtet über den Wegzug von älteren Bewohnern in betreubares Wohnen und die Abwanderung einiger Großfamilien. „Wir kämpfen jedoch gegen diese Entwicklung aktiv an“, betont Mayr. Mit neuen Betrieben im Betriebsbaugebiet entstehen weitere Arbeitsplätze. Es werden Baugründe in Klaus und Steyrling geschaffen. Zudem wird ein neues Konzept für die Nachmittagsbetreuung erarbeitet: die Ganztagesvolksschule in Klaus für Schüler beider Volksschulen.

Für Jugendliche stehen in Steyrling und Klaus seit zwei Jahren „Jugend-WGs“ zur Verfügung, das heißt sie können sich Wohnungen teilen. Für die ältere Generation wird derzeit ein Angebot für barrierefreies Wohnen entwickelt.

„Nähe zum Zentrum ist den Menschen wichtig“

Vor allem Gemeinden mit einem angebotsreichen Ortszentrum, das unter anderem Geschäfte, Gasthäuser und ärztliche Versorgung bietet, verzeichnen einen Einwohnerzuwachs. „Die Nähe zum städtischen Zentrum ist den Menschen wichtig. Die Bürger ziehen deshalb in die regionalen Zentren wie Kremsmünster, Kirchdorf und Windischgarsten“, erklärt Bezirkshauptmann Dieter Goppold. Den Grund dafür sieht er vor allem in der Infrastruktur und den Arbeitsplatzmöglichkeiten: „Die Herausforderung des ländlichen Raumes ist es, dass die Leute hier arbeiten können und dieselben Annehmlichkeiten wie im Zentralraum haben.“

Regionale Arbeitsplätze

„Durch die Neuorganisation der Tourismusverbände in Oberösterreich erwarte ich mir eine gewisse Dynamik – eine Erweiterung der touristischen Angebote verbunden mit der Schaffung neuer Arbeitsplätze“, blickt Goppold in die Zukunft. „An einem touristischen Aufschwung provitieren viele“, bestätigt Landtagsabgeordneter, Bürgermeister Christian Dörfel (ÖVP), Obmann vom Regionalforum Steyr-Kirchdorf.

Vielschichtiges Thema

„Das Thema Landflucht ist sehr vielschichtig. Der ländliche Raum ist wie ein Uhrwerk, viele Zahnräder greifen ineinander und wenn alles passt, dann gibt es keinen Grund wegzuziehen“, ist Christian Dörfel überzeugt.

Wegzug durch Ausbildung

Den Knackpunkt sieht Dörfel bei den jungen Einwohnern, die für ihre Ausbildung ihre Heimatgemeinde verlassen. Ziel sei es, dass diese jungen Menschen mit dem Wissen, das sie sich angeeignet haben, wieder in den ländlichen Raum zurückkehren. Damit könnte auch dem Fachkräftemangel entgegengewirkt werden.

Bindung an die Heimatgemeinde

Die Geborgenheit in der Dorfgemeinschaft schätzen viele, deshalb sei es laut Dörfel wichtig, eine Bindung an die Heimatgemeinde herzustellen. Der Bürgermeister von Steinbach an der Steyr schlägt vor, „junge Leute zur aktiven Gestaltung im Gemeindeleben einzuladen, sich zum Beispiel in Vereinen zu engagieren aber auch als Gemeinde deren Vorschläge für Verbesserungen anzunehmen.“

Wichtig sei es, als Gemeinde weiterhin Kontakt zu den weggezogenen Studenten zu halten. So haben sie während ihrer Ausbildungszeit noch Kontakt zur Heimatgemeinde.

Basisangebot und Naturraum

„Wenn der ländliche Raum attraktiv ist, dann ist er es auch für junge Menschen“, betont Christian Dörfel. Passende Wohnangebote mit einer guten Verbindung zum Arbeitsort spielen dabei ebenfalls eine Rolle. „Eine gewisse Fahrzeit zum Arbeitsort nehmen die Menschen auf sich, wenn sie in einer attraktiven Wohngemeinde leben“, meint Dörfel: „Dazu können die Gemeinden wesentlich beitragen. Ein Basisangebot wie Arzt, Geschäft, Nahversorger, Breitbandzugang, Kinderbetreuung und Schule aber auch ein entsprechender Naturraum zur Erholung sind wichtig. Wir müssen jedoch auch selbst wertschätzen, was wir haben. Wir können den Ausgleich zum pulsierenden Leben der Großstadt bieten.“

Optimistisch und aktiv sein

Der Obmann vom Regionalforum Steyr-Kirchdorf rät den Gemeinden auch dazu, optimistisch an das Thema heranzugehen: „Man muss als Gemeinde etwas tun dafür und Zuversicht ausstrahlen. Wir müssen alle gemeinsam daran arbeiten, dann schaffen wir das auch!“

Chancen nutzen und innovativ sein

Die Zukunft des Bezirks Kirchdorf sieht auch Dieter Goppold positiv, nur „tun muss man etwas dafür. Die verstärkte Zusammenarbeit wird in Zukunft wichtig sein. Wir müssen die Chancen nutzen und innovativ sein. Wir haben die Autobahn, die Skigebiete, Ganzjahrestourismus und viele Schätze im Kulturbereich“, zählt der Bezirkshauptmann nur einige der Besonderheiten im Bezirk Kirchdorf auf: „Und ich glaube, die Verbundenheit der Bevölkerung mit der Region ist spürbar.“


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