Bibliotheken des Bezirkes Kirchdorf sind originell und zukunftsorientiert
BEZIRK KIRCHDORF. Wenn es abends früh dunkel wird, greifen viele Menschen gerne zu einem guten Buch. Eine große Auswahl an Lesestoff finden sie in den öffentlichen Bibliotheken des Bezirkes Kirchdorf. Doch nicht nur das – sie haben viel mehr zu bieten als eine Sammlung an Büchern.

Rund elf Prozent der Einwohner des Bezirkes, genau 6.313 Personen, sind Benutzer einer öffentlichen Bibliothek. Vom Buch über den Film bis zum Spiel stehen ihnen in 17 Büchereien 88.195 Medien zur Verfügung. Die Zahlen stammen aus einer Präsentation von Landesrätin Christine Haberlander (ÖVP) zur Versorgung des Landes mit Bibliotheken.
Gemeinsame Dachmarke in Oberösterreich
Oberösterreichweit werden 295 öffentliche Bibliotheken betrieben und 130.000 Menschen nutzen das Angebot. Die stärkste regionale Präsenz ist in den Bezirken Vöcklabruck, Freistadt und Rohrbach gegeben. Um das äußere Erscheinungsbild der Bibliotheken in Oberösterreich zu vereinheitlichen, gibt es eine gemeinsame Dachmarke, die an dem neuen Logo „BIBLIOÖTHEKEN“ erkennbar ist.
Bibliothek ist ein sozialer Treffpunkt
„Eine Bibliothek ist mehr als eine Ausleihstation für Bücher“, weiß Franz Gegenleitner aus Inzersdorf, Regionsbegleiter für die öffentlichen Bibliotheken des Bezirkes südlich von Inzersdorf: „Sie ist auch ein sozialer Treffpunkt für Jung und Alt und ein Ort der Zusammenkunft und des Austausches.“ In manchen Bibliotheken werden auch regelmäßig Veranstaltungen angeboten.
Großes Medienangebot in den Bibliotheken des Bezirkes
„Ich finde, dass Bibliotheken einen großen Bildungsauftrag vollziehen. Bereits für Kleinkinder gibt es Angebote, die für die Entwicklung des Kindes von Vorteil sind“, betont Gegenleitner. Neben Büchern findet man auch Magazine, Filme und Spiele. „Es ist eine günstige Möglichkeit, immer wieder neue Spiele kennenzulernen, die für Familien oft zu teuer in der Anschaffung sind“, erklärt der Bibliothekar. Er erkennt eine Trendwende speziell bei den Filmen: „Die DVDs sind rückläufig, weil die Streaming Dienste im Internet stark genutzt werden.“
Veränderung durch E-Books
Eine Veränderung hat es auch mit der Einführung der E-Books gegeben. Über media2go, die Digitale Bibliothek OÖ, ist auch ein kostenloser Zugang zu digitalen Büchern möglich. Die Kosten für dieses Angebot werden beinahe gänzlich vom Land Oberösterreich getragen.
So lassen sich jederzeit Bücher auf den E-Book-Reader, das Smartphone oder den Computer herunterladen. Trotzdem glaubt Gegenleitner, dass „das physische Buch sicher nicht abkommen wird.“
Weniger jugendliche Leser
Generell laufen die Bibliotheken, laut Franz Gegenleitner, sehr gut. Lediglich die Altersgruppe der Jugendlichen zwischen 13 und 18 Jahren fällt zunehmend weg und auch die über 60-Jährigen sind schwieriger zu erreichen. “Wobei ein Vorteil des E-Book-Readers ist, dass man die Größe der Buchstaben verändern kann“, hebt der Inzersdorfer hervor. Die Mitarbeiter in seiner Region sind alle ehrenamtlich tätig, wobei eine dreiwöchige Ausbildung zum ehrenamtlichen Bibliothekar empfohlen wird.
Angebot der Bücherzellen
Ein weiteres Angebot ist eine zur Bücherzelle umgebaute Telefonzelle, die beispielsweise in Inzersdorf und Pettenbach steht. Sie ist rund um die Uhr geöffnet und die Bücher sind kostenlos zu nutzen. Nur im Winter können die Bücher darin durch die hohe Luftfeuchtigkeit nicht aufbewahrt werden.In Inzersdorf gibt es die Bücherzelle schon seit rund drei Jahren und sie wird gerne genutzt. „Sie hat schon eine eigene Dynamik entwickelt und soll natürlich nicht zur Entsorgung alter Bücher dienen. Deshalb muss man den Bestand regelmäßig kontrollieren“, erklärt Franz Gegenleitner.
Eine Bibliothek auf Rädern
Dass auch die Bibliotheken mit der Zeit gehen, zeigt ein weiteres innovatives Projekt in Hinterstoder und Klaus: die mobile Bibliothek. Als Diplomarbeit seines Architekturstudiums hat Florian Radner die „mobile Bibliothek“ entworfen. Seit zwei Jahren arbeitet der Pettenbacher gemeinsam mit Ehrenamtlichen daran. Das Projekt wurde mit dem regionalen Nachhaltigkeitspreis vom Umweltbundesamt und dem Schuhhändler Deichmann ausgezeichnet.
Betrieb ab Juni 2019 geplant
Derzeit befindet sich die mobile Bibliothek im Bau, dieser wird von der LEADER Region Nationalpark Oö. Kalkalpen gefördert. Der Betrieb ist ab Juni 2019 geplant. Die mobile Bibliothek wird abwechselnd zwei Wochen in Hinterstoder und in Klaus stehen. Ein Team aus Ehrenamtlichen aus diesen beiden Gemeinden wird den laufenden Betrieb organisieren. Die mobile Bibliothek ist eine öffentliche Bibliothek, die wie alle anderen vom Land gefördert wird. „Es ist geplant, dass sie auch als Bühne beispielsweise für Lesungen fungiert. Dazu lässt sich die Hinterwand komplett öffnen“, erklärt Florian Radner.
„Speziell kleinere Gemeinden am Land haben oft Probleme damit, kleine Bibliotheken zu betreiben. Die mobile Bibliothek steht gut sichtbar an einem öffentlichen Platz. Zudem ist es auch finanziell leichter, wenn sich mehrere Gemeinden eine Bibliothek teilen. Es ist auch noch möglich, dass sich ein weiterer Ort daran beteiligt“, verrät Florian Radner.


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