Gebürtiger Spitaler erforscht in Amerika den Weltraum

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Siegfried Eggl vor dem Curiosity Mars rover, Foto: Tamara Bandikova
Susanne Winter, MA Susanne Winter, MA, Tips Redaktion, 23.04.2019 12:07 Uhr

SPITAL AM PYHRN. Der gebürtige Spitaler Siegfried Eggl lebt mit seiner Frau und seinem 16 Monate alten Sohn in Amerika. Der 37-Jährige ist Weltraumforscher an der University of Washington in Seattle (Vereinigte Staaten). Der Astrophysiker nahm sich Zeit, Fragen über seine Arbeit und Begeisterung für den Weltraum zu beantworten.

Tips: Wie war Ihre Kindheit in Spital am Pyhrn?

Eggl: Ich hatte eine ausgesprochen glückliche Kindheit. Ich war viel im Freien, genoss die Berge und Seen. Die enorme landschaftliche Diversität und Naturbelassenheit meiner Heimat habe ich immer geschätzt. Das ist auch heute noch so. Der Kulturreichtum, den Spital zu bieten hat, hat mich ebenso immer in Staunen versetzt. Ich bin meinen Eltern sehr dankbar, da sie meinen Forschergeist erweckt und meine vielfältigen Interessen immer gefördert haben.

Tips: Wann haben Sie Spital am Pyhrn verlassen?

Eggl: Mit meiner Einberufung ins österreichische Bundesheer im Jahr 2000. Wenn es mir mein Studium an der Universität Wien erlaubt hat, bin ich immer gerne nach Spital gekommen. Seit ich berufsbedingt ins Ausland gezogen bin, schaffe ich es leider nur mehr ein bis zweimal im Jahr.

Tips: Haben Sie sich immer schon für den Weltraum interessiert?

Eggl: Soweit ich zurückdenken kann. Der Blick auf den ungetrübten Sternenhimmel in Spital hat mich immer inspiriert. Von Stephen Hawkings „Eine kurze Geschichte der Zeit“ war ich so fasziniert, dass ich beschloss, Astronomie und Physik zu studieren – eine Entscheidung die ich bis heute nicht bereut habe.

Tips: Woran arbeiten Sie derzeit?

Eggl: Ich habe das Jet Propulsion Laboratory (JPL) der NASA letzten Oktober verlassen, um an der University of Washington in Seattle an einem der ambitioniertesten Projekte der heutigen Astrophysik, dem Large Synoptic Survey Telescope (LSST), mitzuwirken. LSST wird nicht nur die Anzahl an bekannten Asteroiden und Zwergplaneten in unserem Sonnensystem ums Zehnfache erhöhen, es wird den gesamten Nachthimmel der südlichen Hemisphäre mit bisher unvorstellbarer Genauigkeit und einzigartigem Detailreichtum katalogisieren. Die Entdeckungsflut an fernen Galaxien, Sternexplosionen, und anderen kosmologischen Phänomenen die LSST ab 2021 produzieren wird ist kaum in Worte zu fassen. An den Ergebnissen sind auch meine Kollegen am JPL höchst interessiert. Daher arbeite ich auch weiterhin eng mit der NASA zusammen.

Tips: Was begeistert Sie an der Weltraumforschung?

Eggl: Zum einen die unglaubliche Geschwindigkeit, mit der sich unser Verständnis des Universums weiterentwickelt. Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht eine sensationelle Entdeckung in der Weltraumforschung Schlagzeilen macht. Zum anderen die Fähigkeit des menschlichen Verstandes, aus dem bisschen Sternlicht so profunde Erkenntnisse über unser Universum zu gewinnen. Die Skalen, auf denen sich die meisten dieser Prozesse abspielen, sind natürlich unvorstellbar groß, selbst in unserem, relativ kompakten Sonnensystem.

Tips: Kommt man sich da selbst nicht etwas „klein“ vor?

Eggl: Größe ist für mich immer relativ. Im Vergleich zu Planeten sind erdnahe Asteroiden winzig. Diese „Winzlinge“ sind zum Teil aber größer als der Pyhrgas. Was mich fasziniert, sind die immensen Unterschiede zwischen den kleinsten Bestandteilen unseres Universums aus denen sich sichtbare Materie aufbaut und den riesigen kosmischen Strukturen die wir in der Astronomie untersuchen. Diese Größenunterschiede sind schlicht überwältigend – auch, wenn wir die dazugehörigen Zahlenwerte berechnen können. Als Mensch findet man sich dann irgendwo zwischen Molekül und Planet wieder.

Tips: Wollen Sie auch einmal als Astronaut in den Weltraum reisen?

Eggl: Je mehr ich über den Weltraum lerne, desto weniger reizt mich der Astronautenberuf. Schon etwa 100 Kilometer über dem Erdboden beginnt die lebensfeindlichste Umgebung, die man sich vorstellen kann. Keine Luft zum Atmen, kochende Hitze in der Sonne und Temperaturen im Schatten, die Menschen schock-gefrieren. Zur kosmischen Strahlung die unsere DNA schädigt kommt dann noch die Schwerelosigkeit, die weitere medizinische Schwierigkeiten mit sich bringt. Übrigens ist die Situation auch am Mars nicht viel besser. Daher sind für mich alle Ambitionen auf den Mars auszuweichen, wenn wir die Erde unbewohnbar gemacht haben, völlig unverständlich. Wir haben nur die eine Erde. Auf die sollten wir gut achtgeben. Meine Kollegen und ich suchen zwar jetzt schon nach Ersatz, aber der wird bestenfalls Lichtjahre von uns entfernt sein. Ich habe selbstverständlich Hochachtung vor jedem der sich in den Weltraum katapultieren lässt, aber ich persönlich bleibe lieber mit beiden Beinen fest am Boden.

Tips: Was machen Sie als Ausgleich zur Arbeit?

Eggl: Musik ist wie Balsam für meine Seele. Egal ob mit dem E-Bass, der Gitarre, dem Piano oder dem Schlagzeug, sobald ich ein Instrument in die Hand bekomme bin ich im siebten Himmel. Sport ist auch sehr wichtig für mich, um körperlich und geistig leistungsfähig zu bleiben. Regelmäßiges Lauftraining hat das beste „Preis-Leistungsverhältnis“. Ich muss aber zugeben, dass ich seit der Geburt unseres Sohnes Alexander etwas nachlässig geworden bin.

Tips: Was sind Ihre Ziele im Leben und in der Arbeit?

Eggl: Meine Ziele im Leben sind so gar nicht außergewöhnlich. Glücklich zu sein und anderen dabei zu helfen glücklich zu werden, steht recht weit oben auf meiner Liste. Das ist schon einmal keine leichte Aufgabe, da man zunächst herausfinden muss, was Glück für einen selber bedeutet. Familiär und beruflich bin ich sehr zufrieden. Meinen Teil zum Verständnis des Universums beizutragen, ist ein erstrebenswertes Ziel für mich.

Siegfried Eggl ist auf der Suche nach einer zweiten Erde – und beschäftigt sich mit der Frage, ob erdähnliche Planeten mit zwei oder mehr Sonnen für Menschen bewohnbar sein könnten. Zudem arbeitet er an Technologien, um die Bewegung von Asteroiden im Weltraum zu verändern und damit einen Aufprall auf die Erde zu verhindern beziehungsweise abzuschwächen. Weiters ist er an der Entwicklung des „Large Synoptic Survey Telescope“ (LSST) beteiligt, eines Teleskops, das zehn Jahre lang den Himmel beobachtet und insgesamt 500 Petabyte große Bilder und Datenprodukte liefern soll.

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