Wie es früher war
KIRCHDORF. Eine Stecknadel hätte man fallen hören können, als die Zeitzeugen Anna Hackl (Jahrgang 1931) und Rudolf Stanzel (Jahrgang 1926) vor den Schülern von HAK, HLW, BRG und BORG über ihre Erlebnisse in der Nazi-Zeit sprachen.

Bei der Veranstaltung handelte es sich um ein gemeinsames Zeitgeschichte-Projekt der Allgemein Bildenden Höheren Schulen (AHS) und der Berufsbildenden Höheren Schulen (BHS). Initiiert wurde es von der Schülervertretung der BHS sowie den beiden Geschichtelehrern Manfred Martin (AHS) und Ambros Gruber (BHS).
Erinnerungen an den Krieg
Die Zeitzeugen Anna Hackl und Rudolf Stanzel boten dabei einen authentischen Blick auf die Nazi-Diktatur in Österreich, insbesondere die letzten Kriegsjahre.Anna Hackl, geborene Anna Langthaler, berichtete von der „Mühlviertler Hasenjagd“, und wie dabei ihre Familie zwei aus dem KZ Mauthausen entkommene Offiziere der Roten Armee versteckt hielt und vom Zusammentreffen der Familie mit den beiden 19 Jahre nach Kriegsende.
Wiedersehen nach 19 Jahren
Auch über die Zusammenarbeit mit Michail, einem Geretteten, und Andreas Gruber, dem Regisseur des Films „Hasenjagd – vor lauter Feigheit gibt es kein Erbarmen“, sprach Hackl. Besonders bewegt waren die Zuhörer, als Anna Hackl vom Treffen ihrer Mutter mit der Mutter von Nikolaj, einem der beiden sowjetischen Offiziere, berichtete: „Sie hat meine Mutter so fest gedrückt, dass sie gedacht hat, sie würde sie gar nicht mehr loslassen. Dann hat sie gesagt, dass sie ihr so dankbar ist, weil sie acht Söhne hatte, die im Krieg waren, und nur Nikolaj ist zurückgekehrt“, so Hackl.
Ideologische Verblendung
Rudolf Stanzel, der in seiner Jugend schon bei der Hitlerjugend und im Krieg bei der Wehrmacht und dann bei der SS war, konnte den Jugendlichen deutlich vermitteln, dass er nach dem Krieg erkannte, wie verblendet und ideologisch fehlgeleitet er durch die Nazi-Diktatur gewesen war. In britischer Kriegsgefangenschaft wurde er zum Pazifisten und zum Geschichtsinteressierten. Rudolf Stanzel trägt bis heute dazu bei, die Jugend davor zu warnen, „immer nur dem Mainstream zu folgen und darauf zu achten, nicht zu den Außenseitern zu gehören“. „Schalts euren Verstand ein, bleibts Menschen, des is wichtig!“, so Stanzels abschließendes Statement.


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