Corona-Virus trifft den Bezirk Kirchdorf
BEZIRK KIRCHDORF. Die Maßnahmen gegen das Corona-Virus (Covid-19) lassen kaum einen Bereich des öffentlichen Lebens unberührt. Auch im Bezirk Kirchdorf sind die ersten Auswirkungen spürbar.

Als letzten Bezirk in Oberösterreich hat das Corona-Virus auch Kirchdorf erwischt: Vergangenen Sonntag wurde der erste Patient positiv getestet. Die vorgeschriebenen Maßnahmen der Regierung werden auch im Bezirk Kirchdorf eingehalten und umgesetzt.
Klinikum-Zugang beschränkt
Um den Zugang von Patienten in puncto Infektionsminimierung zu managen und das Besuchsverbot zu organisieren, errichtete das Rote Kreuz ein Schleusen-Zelt vor dem Pyhrn-Eisenwurzen Klinikum Kirchdorf.
Veranstaltungen abgesagt
Die Vereine des Bezirks haben ihre Trainings, Konzerte und Proben abgesagt und auch der Unterricht in den Landesmusikschulen (LMS) findet voraussichtlich bis nach den Osterferien nicht mehr statt. Das Kino Kirchdorf hat seit Sonntag den Spielbetrieb eingestellt. „Wir wissen nicht, wie lange wir geschlossen haben müssen. Die nächsten vier Monate werden eine Katastrophe. Viele Filme wurden verschoben, weil die Dreharbeiten abgesagt wurden. Der Nachschub fehlt“, sagt Kino-Betreiber Gerald Schmidlehner.
Zu Hause beten
Auch alle Gottesdienste werden nach der Weisung der Bischöfe ohne Mitfeiernde gehalten. „Es finden keine Begräbnisgottesdienste oder andere Feiern in der Kirche statt. Wir laden dazu ein, zu Hause innezuhalten“, gibt Abt Nikolaus vom Stift Schlierbach bekannt.
Kein Unterricht in den Schulen
Seit Montag findet kein regulärer Unterricht in den Schulen des Bezirks statt. Sollten Eltern eine Beaufsichtigung für ihre Kinder benötigen, steht eine Betreuung zur Verfügung. Im BRG/BORG Kirchdorf sind am Montag keine Kinder zur Betreuung erschienen. „Manche haben sich Unterrichtsmaterial geholt. Es wird jedoch dringend empfohlen, das zu unterlassen. Viele Schulbücher haben einen E-Book-Zugang und es gibt keinen Grund, noch Materialien zu holen“, erklärt der provisorische Direktor Alois Lugerbauer, der betont, dass das Betreuungsangebot aufrechtbleibt. „Wir erfüllen die Vorgaben des Ministeriums, erreichbar zu sein. Die Lehrer und Klassenvorstände sind mit den Schülern regelmäßig per E-Mail in Kontakt.“ Auch für die Kindergärten gilt: Diese sollen nur genutzt werden, wenn Eltern keine andere Möglichkeit zur häuslichen Betreuung haben.
Unternehmer fürchten um ihre Existenz
Die Unternehmen im Bezirk sind von den Auswirkungen massiv betroffen – viele haben Existenz-Ängste und wandten sich bereits an die Wirtschaftskammer Kirchdorf. Besonders betroffen sind die Tourismusbetriebe der Region. Eine Welle an Stornierungen prallte auf die Hotellerie herein. „Die Gastronomie hatte in den letzten Jahren schon einiges zu schultern. Jetzt kommen die Auswirkungen der Epidemie noch dazu“, sagt WKO-Bezirksobmann Klaus Aitzetmüller.
Tourismusverband steht beratend zur Seite
„Wir arbeiten mit Hochdruck daran, unsere Betriebe in der Urlaubsregion Pyhrn-Priel bestmöglich mit relevanten Informationen zu versorgen und ihnen beratend zur Seite zu stehen. Dabei geht es derzeit vor allem um Themen wie Kurzarbeit-Modelle oder das Offenhalten von Betrieben. Wir stehen dabei im engen Kontakt mit den Vertretern des Oberösterreich Tourismus, der Wirtschaftskammer sowie des Landes Oberösterreich, betont auch Marie-Louise Schnurpfeil, Geschäftsführerin des Tourismusverbandes Pyhrn-Priel.
Enorme Einnahmensausfälle
Für Unternehmen der Veranstaltungstechnik und im Eventbereich werden die Einnahmensausfälle enorm sein. „Wir reden von Totalausfällen. Für Mitarbeiter gibt es von heute auf morgen keine Arbeit mehr“, berichtet WKO-Bezirksstellenleiter Siegfried Pramhas von niederschmetternden Anrufen in der WKO Kirchdorf.
Viele Anfragen in der Wirtschaftskammer
Sehr prekär ist die Situation auch für viele Ein-Personen-Unternehmen. „Beispielsweise im Massagebereich. Wenn diese lange geschlossen werden müssen, wird es betriebswirtschaftlich sehr eng“, sagt Pramhas: „Gerade in den letzten Tagen gab es von Kleinstbetrieben viele Anfragen. “Die Schilderungen sind teilweise schon sehr persönlich. Das ist schon ziemlich zermürbend“, sagt Siegfried Pramhas, da diese Betriebe sehr oft finanziell über keine großartigen finanziellen Polster verfügen: Viele Zukunftsentwicklungen werden davon abhängig sein, wie die Hilfsfonds tatsächlich dotiert werden. Die ersten Maßnahmen von Seiten der Regierung sind ein gutes Angebot.“
Gute Zusammenarbeit
„Vieles ist nur machbar mit gemeinsamen Gesprächen“, sagt WKO-Bezirksstellenleiter Siegfried Pramhas. Besonders stolz ist die WKO Kirchdorf auf die vielen Unternehmen und deren Mitarbeiter, die dafür sorgen, dass die Versorgung der Bevölkerung gewährleistet sind. Besonders hervorzuheben sind, die Initiativen in der Versorgung, die es bereits in Form von Zustellservice gibt. „Die Zusammenarbeit in der Region funktioniert sehr gut“, bedankt sich WKO-Obmann Klaus Aitzetmüller.
Beschäftigte fürchten um ihre Jobs
Auch einige Beschäftigte fürchten um ihre Jobs. Die Arbeiterkammer informiert alle Mitglieder, auch jene aus dem Bezirk Kirchdorf telefonisch unter 050/6906-1, per E-Mail an rechtsschutz@akooe.at und online unter www.jobundcorona.at.
AMS Kirchdorf informiert
Das Arbeitsmarktservice (AMS) Kirchdorf informiert über die im Nationalrat beschlossene situationsangepasste Form der Kurzarbeit auf der Homepage des AMS unter „COVID-19„. Zudem gibt das AMS bekannt, dass Personen, die einen Antrag auf Arbeitslosengeld stellen müssen, dies für die Zeit dieser Krise (bis auf Widerruf) nicht persönlich im AMS machen müssen, sondern diese Geltendmachung elektronisch per Mail bzw. via Onlineformular, das eAMS-Konto oder telefonisch erfolgen kann. „Wir bitten um Verständnis, dass sowohl unsere Telefonleitungen als auch unsere Homepage ausgelastet sein können. Unsere E-Mailadresse ams.kirchdorf@ams.at wird tagesaktuell bearbeitet und Kunden erhalten rasche Rückmeldung“, sagt Julia Bauer, Geschäftsstellenleiterin des AMS Kirchdorf.


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