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Gemüse-Bäuerin wünscht sich mehr Wertschätzung gegenüber den Bauern und dem Boden

Susanne Winter, MA, 08.12.2020 18:32

WARTBERG AN DER KREMS. Gabriele Baldinger lebt mit ihrem Mann Roland, den beiden Söhnen und den Schwiegereltern auf dem Hof „Unterdanzberg“ in Wartberg. Mit Tips sprach die 39-Jährige über ihre Arbeit als Gemüse-Bäuerin.

  1 / 2   Gabriele Baldinger mit ihrem Mann Roland und den Söhnen Roman (6) und Markus (3) bei der Ernte von Vogerlsalat in einem der Folientunnel (Foto: Winter)

Tips:Wie sind Sie zur Landwirtschaft gekommen?

Gabriele Baldinger: Ich bin auf einem Bauernhof im Bezirk Schärding aufgewachsen. Als ich Roland kennenlernte, führte er bereits die Landwirtschaft seiner Eltern. Nach der Geburt unserer Söhne bin ich nicht mehr in meinen Beruf als Krankenschwester zurückgekehrt.

Tips: Warum haben Sie das Krankenhaus gegen den Bauernhof getauscht?

Baldinger: Es gibt genug Arbeit am Hof. Seit 2014 bauen wir Wurzelgemüse an, um daraus Suppenwürze zu fertigen und vermarkten. Die Nachfrage war so groß, dass wir die Schweinehaltung einstellten. 2019 hat der Bauernmarkt in Wartberg eröffnet und wir haben die Direktvermarktung ausgebaut. Seitdem bauen wir auf einem dreiviertel Hektar verschiedenste Gemüsesorten an – von A wie Asia­salat bis Z wie Zwiebel. Für den Anbau haben wir auch fünf unbeheizte Folientunnel.

Tips:Was sind Ihre Aufgaben?

Baldinger: Ich helfe beim Unkrautjäten beziehungsweise -trimmen, Mulchen und beim Setzen, Gießen, Ernten und Waschen des Gemüses. Zudem stehe ich bei den Bauernmärkten.

Tips:Bei welchen Märkten?

Baldinger: Donnerstags in Wartberg und freitags in Kremsmünster und jeden ersten Samstag im Monat in Pettenbach. Im Sommer beliefern wir auch gewisse Wirte.

Tips: Ist Ihr Gemüse bio?

Baldinger: Seit 2014 arbeiten wir biologisch, sind aber aufgrund der damaligen Schweinehaltung derzeit noch ein Umstellbetrieb.

Tips: Was sind die Vorteile in der Landwirtschaft?

Baldinger: Vorteile eines Bauernhofes sind, dass man seine Arbeit zu Hause hat und die Kinder bekommen einen ganz anderen Bezug zu den Lebensmittel. Sie sehen, welche Arbeit dahinter steckt, damit das Gemüse auf den Tisch kommt.

Tips:Beeinträchtigt die Corona-Krise Ihre Arbeit?

Baldinger: Heuer haben wir weniger an Wirte geliefert. Unsere Suppenwürze verkaufen wir normalerweise auch bei Weihnachtsmärkten. Da fallen leider heuer einige Einnahmen weg.

Tips:Was bedeutet Ihnen der Beruf als Bäuerin?

Baldinger: Es ist schön zu sehen, wie das Gemüse wächst und man damit den Kunden eine Freude bereiten kann. Man bekommt eine ganz andere Bestätigung, wenn man selbst verkauft. Die Arbeit in der Natur ist schön und manchmal auch ärgerlich – als wir noch keinen Zaun hatten, haben sich leider auch Wildtiere an unserem Salat bedient. Aber Rückschläge gibt es in jedem Beruf.

Tips:Welche Herausforderungen gibt es noch?

Baldinger: Die Preisgestaltung – das ganze Jahr über gibt es das Gemüse billig im Supermarkt. Diese Niedrigpreise kann man aber nicht mit der Produktion der regionalen Lebensmittel vergleichen. Der Handel kauft tonnenweise Lebensmittel aus dem Ausland. Man kann sich denken, unter welchen Bedingungen die Leute arbeiten, wenn der Preis so niedrig ist. Wir achten von Anfang an auf gute Qualität und kaufen ein gutes Saatgut, ein gutes Pflanzerl – das hat alles seinen Preis.

Tips: Wie hat sich die Arbeit in der Landwirtschaft in den vergangenen Jahren verändert?

Baldinger: Die Kluft zwischen kleinen und großen Betrieben wird größer. Vor allem die Milchbauern sind weniger geworden. Viele Junge sehen keine Zukunft mehr in der Landwirtschaft.

Tips:Was ist Ihr Wunsch für die Zukunft?

Baldinger: Dass das Bewusstsein der Leute, woher ihre Lebensmittel kommen, nicht verloren geht. Oft fehlt der Bezug zur Preisgestaltung sowie die Wertschätzung gegenüber den Bauern und dem Boden.


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