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BEZIRK KIRCHDORF. Eine plötzliche chronische Krankheit oder körperliche Einschränkungen nach einem Unfall fordern die Betroffenen enorm – wenn dazu auch noch Existenzängste, Arbeitsplatzverlust und finanzielle Sorgen kommen, stoßen sie an ihre physischen und psychischen Grenzen. In solchen Situationen helfen Aurelia Wiesinger und Manuela Kemptner von der Miteinander GmbH in Kirchdorf.

  1 / 2   Aurelia Wiesinger, Co-Bereichsleiterin der Arbeitsassistenz der Miteinander GmbH, unterstützte Claudia Zeiser in einer schwierigen Zeit. (Foto: privat)

Rund 30 Jahre ist Claudia Zeiser bei der Firma DANA | JELD-WEN Türen GmbH in Spital beschäftigt, als ihr vor vier Jahren das Bein amputiert werden musste. Zu der Zeit pflegte sie schon sieben Jahre ihren Lebensgefährten, der nach einer Gehirnblutung halbseitig gelähmt ist. „Es ging um unsere Existenz, um meinen Arbeitsplatz und um praktikable Lösungen im Alltag. Ich wollte unbedingt meine beruflichen Aufgaben weiterhin erfüllen können. Etwas anderes machen zu müssen oder gar in Pension geschickt zu werden, war eine Horrorvorstellung für mich“, berichtet die 52-Jährige über ihre damaligen Ängste.

Umfangreiche Unterstützung

Den Kontakt zur Arbeitsassistenz Miteinander GmbH, eines von mehreren Angeboten im Bezirk Kirchdorf, übermittelte Spitals Bürgermeister Aegidius Exenberger (SPÖ). „Aurelia Wiesinger unterstützte mich sehr – angefangen bei der Bewilligung meiner Beinprothese, beim Wiedereinstieg in der Firma, bei Änderungen meines Arbeitsvertrags sowie bei der Planung, Organisation und Finanzierung unseres Außenliftes, um in unserem geliebten Eigenheim bleiben zu können. Es ging immer um die Suche nach Lösungen und das Umsetzen“, ist Claudia Zeiser dankbar für die Hilfe: „Es waren sowieso schwierige Zeiten für uns, wenn man dann noch alles allein schaffen müsste, ist man sehr froh, dass jemand da ist.“

Etwas bewirken können

Seit zehn Jahren setzt sich Aurelia Wiesinger, Co-Bereichsleiterin der Arbeitsassistenz der Miteinander GmbH, für die Rechte von Menschen mit Beeinträchtigungen am Arbeitsmarkt ein. Sie ist die Schnittstelle zwischen beeinträchtigten Arbeitnehmern, Behörden und Firmen. „Es gefällt mir, direkt mit Menschen zu arbeiten und für sie in schwierigen Lebenssituationen etwas zu bewirken“, sagt die Spitalerin. „Ich habe viel Energie, die ich gerne mit anderen teile. Für viele Leute sind wir die einzige oder eine der wenigen Stützen. Die Verzweiflung ist oft stark spürbar“, erzählt die 52-Jährige: „Es ist eine unheimliche Belastung für Menschen, die krank werden oder körperliche Einschränkungen haben und sich dann auch noch mit dem Kampf um ihren Arbeitsplatz beschäftigen müssen. Es gibt sehr viele Formulare, Fristen und Optionen, die viele nicht kennen.“

214 Begleitungen

In den vergangenen fünf Jahren wurden von den Mitarbeitern der Miteinander GmbH 214 Personen im Bezirk Kirchdorf längerfristig begleitet – davon konnten 102 Dienstverhältnisse erlangt beziehungsweise gesichert werden. Zusätzlich wurden 120 Basisberatungen durchgeführt. Finanziert wird das freiwillige, kostenlose und diskrete Angebot vom Sozialministeriumservice OÖ aus Mitteln des Ausgleichstaxfonds.

Nicht zu spät kontaktieren

Auch bei Kündigungsverfahren begleitet die Arbeitsassistenz. „Ich bin sehr traurig, wenn ich zu spät gerufen werde. Es ist besser, sich gleich zu melden, wenn man einen Arbeitsplatzverlust befürchtet, weil man beispielsweise schon länger im Krankenstand ist“, empfiehlt Aurelia Wiesinger und betont: „Gespräche mit Firmenchefs, Betriebsräten oder Personalverantwortlichen führen wir nur in Absprache mit den Klienten.“ Dabei gehe es in der Regel um Informationen, wie den Ausgleich für die Einschränkungen im Sinne von Förderungen und Beihilfen für die Unternehmer.

Talente wichtiger als Leistung

„Es ist traurig, wenn Unternehmer die betriebswirtschaftliche Sicht höher werten als die soziale“, meint Wiesinger: „Die Leistung eines Menschen sollte weniger pauschal betrachtet und mehr auf die individuellen Talente, Fähigkeiten und Stärken eingegangen werden. Die Einschränkungen kommen dann oft gar nicht zum Tragen, wohingegen neue Talente zum Vorschein kommen.“ Unternehmer sind offener In vielen Firmen sei bereits ein Umdenken bemerkbar: „Der überwiegende Teil ist sehr offen. Man merkt eine starke Fürsorgepflicht im ländlichen Raum. Die soziale Einstellung der Unternehmer ist oft sehr hoch. Manche Firmen kommen sogar von sich aus auf uns zu.“ In diesem Zusammenhang informiert die Co-Bereichsleiterin: „Unternehmer haben bei Neuanstellung kein Risiko, weil der besondere Kündigungsschutz für Menschen mit Feststellbescheid erst ab dem vollendeten vierten Dienstjahr gilt.“

„Rückhalt ist nicht selbstverständlich“

Die Firma DANA | JELD-WEN Türen GmbH hat zu ihrer Mitarbeiterin Claudia Zeiser gehalten: „So einen Rückhalt hatte ich nicht erwartet. Das ist nicht selbstverständlich und ein wunderbares Beispiel, wie wertschätzend mit Mitarbeitern umgegangen werden kann. Gemeinsam mit meiner Arbeitsassistentin konnte immer das Beste für mich erreicht werden.“

Kontakt
Aurelia Wiesinger: 0699/17782074
Manuela Kemptner: 0699/13782066
www.miteinander.com

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