Dürre, Hagel, Starkregen: Ackerbau durch Wetterextreme gefordert
BEZIRK KIRCHDORF. Wetterextreme wie Dürre, Hagel und Starkregen setzen der Landwirtschaft zu. Die im diesjährigen Frühling und Sommer entstandenen Schäden an den Produkten, die unter freiem Himmel wachsen, konnte auch der goldene Herbst nicht immer wettmachen.

Heuer waren die Wetterkapriolen für die Landwirtschaft besonders herausfordernd. Ein trockenes Frühjahr, ein nasskalter Mai mit Spätfrost, eine Serie von Hagelunwettern im Juni und Juli sowie eine regenreiche Getreideernte bis weit in den August stellten den Ackerbau auf die Probe. Lediglich der Herbst lieferte ein „brauchbares“ Wetter.
2,5 Millionen Euro Schaden im Bezirk Kirchdorf
Alleine im heurigen Jahr beträgt der Gesamtschaden in der Landwirtschaft in Oberösterreich mehr als 60 Millionen Euro. „Die großflächigen Hagelgewitter verursachten schwere Schäden. Die Hagelschadensmeldungen haben sich im Vergleich zum Vorjahr versechsfacht, die Schadensmeldungen für die anderen Wetterextreme wie Frost, Sturm und Überschwemmung verdreifacht“, betont Landwirtschaftskammer-Vizepräsident Karl Grabmayr. Im Bezirk Kirchdorf beträgt der Gesamtschaden, laut Hagelversicherung, 2,5 Millionen Euro, davon entfallen 1,7 Millionen auf den Hagel.
Durchwegs gute Erträge, jedoch keine Spitzenwerte
Im Obst- und Gemüsebau sind die Schäden in den Gebieten der Hagelunwetter sehr groß. In den anderen Regionen konnten durchschnittliche Erträge erzielt werden. Birnen sind unterdurchschnittlich, Äpfel ganz gut vertreten.
Beim Gemüse sind aufgrund der intensiven Niederschläge sowie kalter Sommernächte bei durchgehend allen Sommer- und Herbstkulturen keine Spitzenerträge erzielt worden. Beim Wurzelgemüse gibt es zufriedenstellende Erträge. Für das Kohlgemüse war 2021 durch ausreichende Niederschläge und weniger Hitzeperioden ein gutes Ertragsjahr.
Bei Speiseerdäpfeln sind die Erträge je nach Lage, Sorte, Anbauzeitraum und Bodenbeschaffenheit sehr unterschiedlich ausgefallen. Manche Bestände bringen sehr gute Erträge, andere hingegen nur ein Ertragsniveau von circa 50 Prozent. Der sonnenreiche September war besonders wichtig für die Abreife der Herbstkulturen wie Mais, Soja, Zuckerrübe und Ölkürbis mit in Summe durchschnittlichen Erträgen.
Mais trotzte der instabilen Witterung am besten
„Die Erträge der diesjährigen Ernte können als zufriedenstellend beurteilt werden, auch wenn der Hagel am 22. Juni große Einbußen vor allem bei Getreide und Soja verursachte“, resümiert Bezirksbauernkammer-Obmann-Stellvertreter Gerhard Gebeshuber aus Nußbach: „Trotz der sehr instabilen Witterung zur Getreideernte konnten gute Qualitäten erreicht werden. Glücklicherweise konnte Mais mit den witterungsbedingten Herausforderungen am besten umgehen und dankte es mit überdurchschnittlich guten Erträgen.“
Grünland und Futterbau
Die ausreichenden und gut verteilten Niederschläge im Sommer sowie die warmen Temperaturen im Herbst lieferten heuer im Grünland- und Feldfutterbau überdurchschnittliche Erträge, aufgrund der vielen Niederschläge war es aber oft nicht einfach, ein passendes Zeitfenster für die Ernte zu finden. Die Futtervorräte konnten heuer ausreichend aufgebaut werden. Das ist besonders wichtig, weil 2022 ein Hauptfraßjahr des Maikäferengerlings droht, einem gefürchteten Grünlandschädling. In manchen Gebieten ist neben dem Maikäfer auch noch der Junikäfer vorhanden, dessen Engerlinge ebenfalls das Grünland schädigen. Die Engerling-Thematik wird die Grünlandbetriebe jedenfalls noch über einen längeren Zeitraum beschäftigen.
Zufrieden mit der Ernte
„Wir können im Großen und Ganzen betrachtet mit der heurigen Ernte zufrieden sein. Sowohl im Grünland- wie auch im Getreidebereich fiel das Ergebnis mittelmäßig bis gut aus. Beim Silomais sogar gut bis sehr gut. Zwar bewirkten die Kälte im Mai und die Trockenheit im Juni anfangs schwächere Erträge, die aber glücklicherweise bei der Herbsternte wieder wettgemacht werden konnten“, berichtet Bezirksbauernkammer-Obmann Andreas Ehrenhuber aus Oberschlierbach.
Gute Böden und Sorten
„Trotz der vergangenen Dürrejahre und der massiven Hagelunwetter gelingt es der oberösterreichischen Landwirtschaft, das Ertragsniveau über die Jahre stabil zu halten. Der gute Zustand unserer Böden, die starke Sortenentwicklung der heimischen Züchtung und nicht zuletzt das hervorragende Know-how unserer Landwirte führten dazu, dass die durchschnittlichen Erträge der Hauptkulturen maximal zehn Prozent vom langjährigen Schnitt abweichen“, erklärt Landwirtschaftskammer-Vizepräsident Karl Grabmayr.


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