Missionarin aus Grünburg feiert ihren 100. Geburtstag in Indien
GRÜNBURG/LINZ/INDIEN. Die Missionarin und Kreuzschwester M. Johanna Brandstätter feierte kürzlich ihren 100. Geburtstag. Die gebürtige Grünburgerin trat 1945 in den Orden der Kreuzschwestern in Linz ein. Seit 2008 lebt sie in der Stadt Bangalore im Süden Indiens.
Die gebürtige Grünburgerin M. Johanna Brandstätter wuchs in einer Großfamilie unter bescheidenen Verhältnissen auf. Schon früh spürte sie den Wunsch, Ordensschwester zu werden und dem Ruf in die Mission zu folgen, aber der Zweite Weltkrieg ließ dies zunächst nicht zu. Erst im Jahr 1945 konnte sie bei den Kreuzschwestern in Linz eintreten. Es folgte für sie eine fünfjährige Lehrerinnen-Akademie, die sie mit Erfolg abschloss. Anschließend unterrichtete sie zwei Jahre in der St. Angelus-Schule der Kreuzschwestern in Linz.
1955 erstmals in Indien
Nach einem Jahr Englisch-Studium in London setzte sie 1955 zum ersten Mal ihren Fuß auf indischen Boden. Ihr erster Einsatzort war Bettiah, wo sie in einer High School unterrichtete. Bald aber schon schickte sie die Oberin als Pionierin nach Gholeng in Chattisghar unter die Ureinwohner, um dort eine Schule aufzubauen und zu leiten.
Schule für Analphabetinnen
In diese Zeit fiel auch die Gründung der Grihini-School-Bewegung: Im Rahmen einer neunmonatigen Ausbildung wurden Dorfmädchen, die des Lesens und Schreibens nicht mächtig waren, die Möglichkeit, sich in den Bereichen Haushalt, Kochen und Säuglingspflege ausgebildet. Die Bewegung verbreitete sich über ganz Indien. Die Ausbildung hatte im Weiteren zur Folge, dass diese Frauen später als Mütter wiederum ihre Kinder zur Schule schickten. Nach fünfzig Jahren konnten erste Grihini Schulen geschlossen werden, weil es unter ihnen nur noch wenige Analphabetinnen gab.
Kindergarten in Gholeng gegründet
In Gholeng gründete M. Johanna Brandstätter auch den ersten Kindergarten. Diese Einrichtungen breitete sich ebenso positiv aus. Als Provinz-Assistentin war es ihr großes Anliegen, dass in Ranchi eine Kindergärtnerinnen-Ausbildungsstätte begonnen wurde. Sie war die Pionierin von Schule und College in Ambikapur, Dt. Surguja, sowie in Bassein, Maharastra, wo sie drei Stationen aufbaute. Die gebürtige Grünburgerin schuf eine große Schule in Mira Road, einem Teil Bombays, in dem es vorher nur Slums gab und heute eine große Siedlung entstanden ist. Von dort kam M. Johanna Brandstätter nach Goa, wo sie für Kinder, die an Aids erkrankt waren, ein Heim eröffnete.
Missionsland Indien
Ihr Herz gehörte immer den Ureinwohnern, den Adivasis. So durfte sie zurück nach Ambikapur und Gholeng. Dort zog sie sich allerdings durch einen Sturz eine schlimme Rückgratverletzung zu. 2007 kam sie nach Österreich und wurde im Krankenhaus der Kreuzschwestern in Wels erfolgreich operiert. Mit 15 Schrauben im Rückgrat und beide Hüften aus Stahl war die gebürtige Grünburgerin wieder voll Begeisterung, um in ihr heiß geliebtes Missionsland Indien zurückzukehren.
Kontakt mit der Missionsstelle ihrer Heimdiözese
Bis weit in ihre 90er Jahre hinein stand die gebürtige Grünburgerin auch mit der Missionsstelle ihrer Heimdiözese mittels E-Mail in Kontakt, bis dies schließlich ihre Augen nicht mehr zuließen. Auch nach einem Sturz im Jahr 2017, der sie länger ans Bett fesselte, erholte sie sich soweit wieder gut.
Wohnheim für verarmte Frauen
Seit 2008 lebt M. Johanna Brandstätter nun in Kothanoor, Bangalore. Sie ist bis heute am Geschehen in Kirche und Welt, nicht zuletzt an jenem in Oberösterreich, sehr interessiert. Seit die gebürtige Grünburgerin im Konvent in Bangalore lebt, liegen ihr die Frauen vom Mercy Home am Herzen. Das Mercy Home ist ein Wohnheim für verarmte Frauen, das von den Kreuzschwestern betreut wird. Etwa 30 beeinträchtigte Frauen unterschiedlichen Alters können dort wohnen. Sie lebten zuvor auf der Straße, nicht wenige verstoßen von ihren Familien.
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