Zwei Micheldorfer Weltenbummler auf den Spuren der Seidenstraße
MICHELDORF. Oskar Lehner und Ursula Forster aus Micheldorf reisten 2022 sechs Monate durch den Iran und den Kaukasus und berichten darüber in drei Reise-Vorträgen im Kino Kirchdorf. Den Tips-Lesern geben die Weltenbummler jetzt schon einen Einblick in ihre Abenteuer.

Im Frühjahr 2022 starteten Oskar Lehner und Ursula Forster ihre Reise im Iran. Neben einer Besichtigung der touristischen Highlights und der bedeutenden historischen Kulturstätten besuchten die beiden auch abgelegene Regionen, wie das Alburs Gebirge im Norden und die vom internationalen Tourismus noch kaum entdeckte vulkanische Insel Hormos im Persischen Golf. Mit ihrem Geländewagen und einem lokalen Guide in einem Begleitfahrzeug fuhren sie abseits der Pisten quer durch die Rig-e Jenn Wüste, die im Jahr 2005 zum ersten Mal durchquert worden war. „Dass wir mit zwei Fahrzeugen unterwegs waren, erwies sich als absolut notwendig“, erklärt Oskar Lehner: „Auf einer Strecke von 200 Kilometern sind wir sicher 20 Mal in den Sanddünen stecken geblieben und hätten uns alleine nicht herausarbeiten können.“ Trotz der Sprachbarriere, denn nur wenige Menschen im Iran sprechen Englisch, hatten die beiden Reisenden viele Kontakte mit der Bevölkerung. „Die Menschen im Iran sind unheimlich gastfreundlich und liebenswürdig. Trotzdem sind wir froh, dass wir den Iran vor Beginn der Unruhen verlassen konnten“, berichtet Ursula Forster: „Während unseres Aufenthalts waren die Spannungen bereits greifbar. Viele Menschen sprachen offen über ihre Ablehnung der herrschenden Regierung. Die Unterdrückung der Frauen und die Präsenz der Sittenpolizei war überall spürbar. Besonders junge Menschen sehen unter dem Mullah-Regime keine Zukunft für sich.“
Konflikte in Armenien
Von Iran kommend durchquerten Oskar Lehner und Ursula Forster im Sommer ein Monat lang Armenien von Süden nach Norden. Wieder hatten sie Glück: Kurze Zeit später brachen im September erneut Kämpfe zwischen Armenien und Aserbaidschan aus, sodass die entlang der Grenze verlaufende Straße Kriegsschauplatz wurde. Beeindruckt waren die beiden Micheldorfer von den vielen Wehrkirchen und Klöstern, die Zeugnis geben vom jahrhundertelangen Überlebenskampf des armenischen Volkes. Im Herzen des Kaukasus gelegen war das Siedlungsgebiet viele Jahrhunderte von benachbarten Großmächten beherrscht. Die armenische Apostolische Kirche, Sprache und Schrift übten eine zentrale Rolle als Instrument nationaler Identifikation aus und trugen zum Überleben der armenischen Nation bei.
Entlegene Täler im Kaukasus
Da Aserbaidschan keine Einreise auf dem Landweg erlaubt, konnten die beiden Micheldorfer nicht wie geplant nach Zentralasien weiterreisen. Stattdessen bereisten sie drei Monate lang Georgien, das Land von dem behauptet wird, der Ursprung des Weinbaus zu sein. Einen Großteil der Zeit verbrachten die Weltenbummler in entlegenen Tälern im Hohen Kaukasus, einer mächtigen Gebirgskette mit Bergen bis zu 5.600 Meter.
Gefährlichster Pass Europas
„Es gibt hier Täler, die auch heute noch wegen der hohen Gebirgspässe während der Hälfte des Jahres nur mit dem Hubschrauber erreichbar sind. Die Befahrung der 50 Kilometer über den 3.000 Meter hohen Abano Pass, auf einer einspurigen ungesicherten Schotterstraße, wo man beim geringsten Fahrfehler hunderte Meter abstürzen kann, gehört mit zu den anspruchsvollsten Strecken, die ich je gefahren bin“, erzählt Oskar Lehner: „Mich faszinierten die Lebensformen, die sich in diesen abgeschiedenen Tälern entwickelt haben, die viele Jahrhunderte Rückzugsgebiete für Anhänger vor-christlicher Religionen waren. In manchen abgeschiedenen Dörfern herrschten bis vor 20 Jahren noch lokale Rechtstraditionen einschließlich Blutrache und Raubehen. Die Menschen dort leben von der Vieh- und Pferdezucht.“ Viele Täler im Kaukasus sind ideal für Mehrtages-Wanderungen zu Fuß oder zu Pferd. Übernachten kann man entweder in Privatpensionen in kleinen Bergdörfern oder man nimmt Zelt und Schlafsack mit.
Neben dem georgischen Wein, er wird noch nach der traditionellen Weise in tönernen Amphoren gekeltert, die im Boden vergraben werden, ist auch die georgische Küche berühmt. „Ich habe viele interessante Rezepte nach Hause mitgenommen und bin schon fleißig am Nachkochen“, berichtet Ursula Forster.
Kirchdorfer getroffen
Bei ihrer Fahrt trafen die beiden Reisenden immer wieder Menschen aus dem Kremstal, so zum Beispiel den österreichischen Botschafter im Iran, Wolf-Dietrich Helm und seine Gattin Christiana Hageneder, die aus Kirchdorf beziehungsweise Micheldorf stammen, und ein junges Paar, Johannes und Michaela Bimminger aus Steinbach am Ziehberg, die mit ihrem vier-jährigen Sohn Leo ebenfalls mit einem Geländewagen durch den Kaukasus reisen.
Über viele weitere Eindrücke berichten die beiden Reisenden bei ihren Vorträgen im Kino Kirchdorf und in der Johannes Kepler Universität Linz.


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