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Gutes Gehirntraining und gelebte Gemeinschaft: Senioren aus dem Bezirk Kirchdorf spielen Theater

Susanne Winter, MA, 16.04.2024 17:04

BEZIRK/SCHLIERBACH. 18 Senioren aus dem Bezirk Kirchdorf sind Ende April auf der Bühne in Schlierbach zu erleben. Für die Regie, das Bühnenbild und die Technik beim Bezirksseniorentheater zeichnet der Schlierbacher Rudolf Meran verantwortlich.

Katharina Klaffenböck, Johanna Mitterberger, Gabriele Jäger und Johann Klausner in "Verhängnisvolles Rendezvous" (Foto: Franz Gegenleitner)
photo_library Katharina Klaffenböck, Johanna Mitterberger, Gabriele Jäger und Johann Klausner in "Verhängnisvolles Rendezvous" (Foto: Franz Gegenleitner)

Seit seinem 13. Lebensjahr ist Rudolf Meran mit Leib und Seele beim Theater. Als langjähriger Spieler und früherer Leiter der „Schlierbacher Spielschar“ hatte er 2011 die Idee, den Festakt zur 50-Jahrfeier des Seniorenbundes Schlierbach mit Einaktern aufzulockern. Das Publikum wollte mehr davon sehen. Im Frühjahr 2013 ging die erste Produktion des Bezirksseniorentheaters über die Bühne. Inzwischen wurde siebenmal gespielt und 45 verschiedene Einakter aufgeführt.

Unermüdlicher Einsatz

Von Anfang an dabei, Regie führend, für das Bühnenbild, die Technik und die Beleuchtung zuständig und verantwortlich ist Rudolf Meran. Der 76-Jährige ist unermüdlich bemüht, Stücke (überwiegend Einakter) auszuwählen, die nicht nur den Geschmack des Publikums treffen, sondern auch den Ehrgeiz und die Freude bei den derzeit rund 18 aktiven Spielern wecken.

Die Schauspieler kommen aus acht verschiedenen Ortsgruppen des Seniorenbundes Bezirk Kirchdorf. „Manchmal ist es mühsam und ärgerlich. Manche tun sich beim Erlernen und Merken der Texte schwer. Da muss man viel Geduld haben“, berichtet Rudolf Meran: „Zudem ist zu akzeptieren, dass in einem gewissen Alter körperlich nicht mehr alles möglich ist. Durch kurzfristige Ausfälle vor den Aufführungen – sei es gesundheits- oder familiärbedingt – ist es oft zum Zittern. Aber bis jetzt haben wir es trotzdem immer geschafft und ich freue mich immer, wenn die Produktion steht.“

Hemmschwellen überwinden

Beim Bezirksseniorentheater werden auch viele Klischees aufgelöst, wie zum Beispiel, dass ein alter Mann gebückt und an einem Stock gehend, dargestellt werden muss. Manchmal gilt es für die Spieler auch eigene Hemmschwellen zu überwinden, wie jemanden auf der Bühne zu umarmen. „Da braucht es manchmal eine gewisse Überzeugungskraft und ich sage dann: ,Mach es oder lass' es bleiben'“, erzählt Rudolf Meran.

Textlernen als Gehirntraining und Gemeinschaft gegen die Einsamkeit

Was bringt das Theaterspielen den Senioren? „Zum einen ist die soziale Komponente nicht zu unterschätzen. Wir sind eine eingeschworene Gruppe und auch Neuzugänge werden sofort integriert. Zum anderen ist es ein gutes Gehirntraining. Das Textlernen hilft gegen die Vergesslichkeit“, betont der Regisseur.

Dass es nie zu spät ist, die Leidenschaft für die Bühne zu entdecken, weiß Bezirkskulturreferent Franz Gegenleitner überzeugt: „Besonders wünschenswert wäre es, dass der Funke von den derzeitig aktiven Mitwirkenden noch auf viele Interessierte überspringen möge. Wer Lust, Liebe und Laune verspürt, ist immer herzlich willkommen, in eine Rolle zu schlüpfen und dem grauen Alltag für kurze Zeit ade zu sagen. Einen Versuch ist es bestimmt wert.“ Etwaige Zweifel beseitigt Rudolf Meran gerne mit einem anschaulichen Beispiel: „Wenn ich jemanden nicht mag und ich grüße ihn trotzdem freundlich, spiele ich ihm ja auch etwas vor. Deshalb: Theaterspielen kann jeder.“

Die Verleihung des Dr. Ratzenböck-Sonderpreises 2020 an das Seniorentheater motiviert die gesamte Theatergruppe, die gelebte Tradition mit Elan und Freude weiterzuführen. Seit Oktober wird wöchentlich für die aktuelle Produktion geprobt. Diese ist an vier Terminen ab 26. April im Theatersaal Schlierbach zu sehen.


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