Das Feyreggerhaus auf seinem Weg zum "Posthof des oberen Kremstals"
MICHELDORF IN OÖ. Das Feyreggerhaus, lange Jahre stillgelegt, soll ab Sommer 2026 wieder zum Leben erwachen – als lebendiges Kulturhaus für alle Generationen. Bei einem Workshop am Donnerstag, 15. Jänner, brachten rund 20 Engagierte aus Micheldorf und Umgebung gemeinsam neue Ideen ein, wie das Haus künftig die regionale Geschichte und Kultur anschaulich vermitteln kann.
Im Sensenmuseum und im angrenzenden Feyreggerhaus in Micheldorf trifft Geschichte auf Gegenwart. Zwischen restaurierten Fabrik- und Herrenhaus, sanierten Wegen und Brücken spürt man noch heute den Charakter eines der bedeutendsten Industrieareale des 19. Jahrhunderts.
Historische Gebäude erkunden
Gemeinsam mit Martin Osen, ehrenamtlicher Obmann des Vereins zur Pflege und Erhaltung der Kulturgüter der Sensenschmiede, lassen sich die historischen Gebäude erkunden. „Vor der Wiedereröffnung fuhren die Autos hier überall noch durch, die Straße war betoniert. Wir wollten den historischen Charme zurückholen und haben die Einfahrten und Wege zwischen den Gebäuden mit braunem Sandstein aufgeschüttet“, erklärt Osen auf einer kleinen Brücke Richtung Herrenhaus stehend. Rechts von ihm: das ehemalige Fabriksgebäude. Unter Osen plätschert ein renaturierter Bach, der einst als Antrieb für die Sensenproduktion diente. An der linken Hauswand der Fabrik steht eine eiserne Turbine – eine Andeutung der historischen Holz-Originale, die Strom für die Schmiede lieferte.
Industriegeschichte hautnah erleben
Im Fabriksgebäude zeigt eine Dauerausstellung die frühe europäische Industriegeschichte der Sensenschmiede Micheldorf. Alte Öfen, Hammer, Ambosse und Heidesensen erzählen vom Export in Länder wie Türkei, Griechenland, England und die USA. Historische Dokumente und Handelsbriefe – um sie zu verstehen, lernte Osen die Kurrentschrift – geben Einblick in die globale Geschäftstätigkeit von Josepha und Caspar Zeitlinger, den einstigen Inhabern.
Herrenhaus lädt zum Eintauchen ein
Das Herrenhaus wurde im Inneren renoviert: Im Obergeschoss glänzt ein prunkvoll eingerichteter Raum mit gemalten Wänden im Biedermeier-Stil. Neue Vorhänge und liebevoll arrangierte Erinnerungsstücke, wie Geschirr und traditionelle (Arbeiter-)Kleidung lassen Besucher in vergangene Zeiten eintauchen. Der rechte Raum im Erdgeschoss, dem ein museales Thementaferl am Türstock vorangeht: „Gastfreundschaft – Willkommen im Vorhaus“, kann für Taufen, Geburtstags- oder Firmenfeiern genutzt werden. „Die Wirtshausstimmung kommt wirklich auf, fürs Catering sorgt meist der Schwarze Graf“, erklärt Osen.
Eine Bilderstrecke zu den einzelnen Gebäuden im Museumsareal finden Leser nach dem Titelbild.
Feyreggerhaus wird Kulturhaus für alle Generationen
Besonders spannend ist die Neuausrichtung des Feyreggerhauses. „Wir wollen aus dem Haus den neuen Posthof des oberen Kremstals machen – nur cooler“, sagt Barbara Schröckenfuchs vom Kernteam der Projektgruppe Feyreggerhaus. Beim Workshop am Donnerstag, 15. Jänner, diskutierten rund 20 Engagierte aus Micheldorf und Umgebung Ideen für ein lebendiges Kulturhaus: von Kinder- und Jugendkulturräumen über offene Singrunden, Repair-Cafés, Pop-up-Cafés, saisonale Feste wie Kürbisfest oder „Weiber-Weihnacht“ bis hin zu Kunstausstellungen und Verkostungen.
„Auch die archäologische Geschichte der Region soll einbezogen werden“, ergänzt Osen. Die historische Achse reicht vom Sensenmuseum über den Georgiberg – künftig könnten hier Ausstellungspunkte die regionale Geschichte erlebbar machen. SP-Bürgermeister Horst Hufnagel betont: „Alte und neue Kultur verbinden, Generationen zusammenbringen – das ist unser Ziel.“
Räume, Veranstaltungen und Potenzial
Das Feyreggerhaus selbst besteht aus zwei etwa 100 Quadratmeter großen Haupträumen, in einem davon fand vergangenen Sommer ein Kabarett mit 50 bis 60 Sitzplätzen statt. Zweiterer ist unterkellert, hier würde sich die geplante Küche und Sanitäranlagen anbieten, da auch alle Anschlüsse vorhanden sind, meint Osen.
Erste Veranstaltungen im Sommer 2025, wie Wandertheater, Gemäldeausstellungen und Schreibwerkstätten, zeigten bereits das Potenzial. Das Feyreggerhaus soll von der Vielfalt und der offenen Beteiligung der Bevölkerung leben, erklärt Catharina Stadler aus dem Kernteam.
Ehrenamtliches Engagement trägt das Projekt
Ein insgesamt 20-köpfiges Projektteam organisiert alles ehrenamtlich – von Programmplanung über Finanzen bis zur technischen Umsetzung. Unterstützung gibt es von der Gemeinde Micheldorf, die das Feyreggerhaus von Eigentümer Spiegelfeld gemietet hat, vom Land OÖ und über LEADER-Förderungen für bauliche Maßnahmen (Heizung, Küche, Sitzplätze). Auch die SPES Zukunftsakademie Schlierbach unterstützt bei der Projektplanung; Geschäftsführer Johannes Brandl war ebenfalls beim Workshop dabei.
„Die Anfragen von Künstlern sind enorm – alleine damit könnte das Feyreggerhaus ein ganzes Jahr bespielt werden“, berichtet Barbara Schröckenfuchs. Doch vor allem die laufende und langfristige Finanzierung ist noch in Planung.
Die Raumplanung soll bis Ende Februar abgeschlossen sein, Bauarbeiten könnten ab März 2026 starten. Ab Sommer 2026 soll das Feyreggerhaus regelmäßig bespielt werden.
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