"Tief dunkel und klar": Steinbach am Ziehberg durch die Augen eines Astrofotografen gesehen
STEINBACH AM ZIEHBERG. Für Andreas Wolf ist Steinbach am Ziehberg mehr als nur ein schöner Ort im Almtal. Hier, wo seine Lebensgefährtin aufgewachsen ist, erlebt der Astrofotograf aus Purkersdorf jene Nächte, die für ihn zum Auslöser seiner Leidenschaft für die Astrofotografie wurden.
„Mein größter Aha-Moment war die Stille – und die Dunkelheit“, erzählt Wolf. „Ich stand plötzlich wieder unter einem Himmel, wie man ihn heute kaum noch kennt: tief dunkel, klar, mit enormer Sternendichte.“ In diesem Moment wurde ihm bewusst, wie außergewöhnlich dunkel die Region ist – und dass Orte wie diese festgehalten werden sollten.
Zwei Welten: Stadt und Land
Der Kontrast zu seinem Wohnort nahe Wien könnte kaum größer sein. „Wenn ich zwischen Purkersdorf und dem Almtal pendle, ist das wie ein Wechsel zwischen zwei Welten. In Stadtnähe sieht man Sterne, aber feine Strukturen der Milchstraße gehen im Licht der Stadt verloren.“ Im Almtal hingegen „öffnet sich der Himmel“, Sterne treten klar hervor, und man bekommt „ein Gefühl für Dimensionen, die im Alltag oft verloren gehen.“
Wenn Stadtlicht die Sterne verschwinden lässt
Durch seine Arbeit als Astrofotograf hat sich auch Wolf's Wahrnehmung von künstlichem Licht verändert: „Früher habe ich es einfach hingenommen. Heute erkenne ich jede Lichtquelle bewusst, sehe Lichtglocken über Städten und bemerke kleinste Veränderungen am Horizont.“ Selbst ein einzelner zusätzlicher Lichtkegel könne ausreichen, um feine Strukturen der Milchstraße unsichtbar zu machen. „Das verändert den Blick nachhaltig – nicht nur fotografisch, sondern auch emotional.“
Ruhe, Dunkelheit und Bewusstsein
Viele seiner Aufnahmen entstehen rund um Steinbach am Ziehberg und den Almsee. Für Wolf sind es Orte, an denen Dunkelheit und Ruhe noch selbstverständlich sind. „Gerade bei abendlichen Spaziergängen merkt man, wie besonders das ist. In vielen Regionen gibt es das längst nicht mehr.“ Mit seinen Bildern möchte er nicht nur ästhetische Eindrücke liefern, sondern auch ein Bewusstsein für die Sensibilität des Nachthimmels schaffen: „Wenn man sieht, wie er in dunklen Regionen aussieht, beginnt man zu hinterfragen, wie viel Licht wir wirklich brauchen.“
Über den Astrofotografen Andreas Wolf
Wolf hat sich seit rund vier Jahren intensiv der Astrofotografie verschrieben. Besonders in Oberösterreich verbringt er viele Nächte draußen, um die Ruhe und Intensität des Nachthimmels einzufangen. „Es ist ein Privileg, diese Momente fotografisch festzuhalten – und ich hoffe, dass meine Bilder anderen zeigen, wie wertvoll dunkle Orte für uns alle sind.“
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