Wie ein Maschinenbauer aus Kremsmünster zum App-Entwickler für Speisepläne wurde
KREMSMÜNSTER. Hannes Mittermair aus Kremsmünster musste nach einem schweren Verkehrsunfall im Juni seinen Beruf in der Metallbranche aufgeben. Weil die Teuerung ein Thema ist, das viele Menschen derzeit beschäftigt, entwickelte der 46-Jährige eine App, die beim Sparen helfen soll.

An die erste Woche nach dem Unfall kann sich Mittermair nicht erinnern. „Dann ist es ganz langsam wieder gekommen: erst einzelne Momente, Gesichter, das Zimmer in Wels“, erzählt der Vater eines 20-jährigen Sohnes. Erst nach und nach sei ihm bewusst geworden, wie sehr dieser Nachmittag sein Leben verändert habe. Am 16. Juni 2026 kollidierte sein VW Caddy mit einem Lkw, und der Kremsmünsterer wird schwer verletzt. „So ein Einschnitt sortiert das Leben neu“, sagt er heute. Bis zu dem Zeitpunkt baute er Metallteile und Maschinen.
Werkstattarbeit ist derzeit nicht möglich
Rund 20 Jahre arbeitete Mittermair im Maschinenbau. Seit 2013 war er mit einem Betrieb für Maschinenbau und Produktentwicklung selbstständig. Daneben unterrichtete er als Trainer am Wirtschaftsförderungsinstitut (WIFI) Oberösterreich.
Die körperliche Arbeit in der Werkstatt könne er nach dem Unfall derzeit nicht mehr wie gewohnt ausführen. „Lange an der Maschine stehen, Bauteile heben, den ganzen Tag auf den Beinen sein – das geht derzeit nicht oder nicht in der gewohnten Form“, sagt Mittermair. Die Produktion und den Maschinenbau in der bisherigen Form schließe er.
Sein Wissen wolle er künftig in Schulungen bei Kunden vor Ort weitergeben. Die Entscheidung, sich beruflich umzuorientieren, sei ein kurzer, aber intensiver Prozess gewesen. „Im Krankenhaus war die Frage zuerst, ob ich überhaupt wieder in die Werkstatt kann, und die ehrliche Antwort war: nicht so wie früher.“
Eine neue Aufgabe gefunden
In der Zeit der Genesung habe ihm seine Familie, ein guter Freund und sein Hund Aramis Halt gegeben. Dazu kam die Suche nach einer Aufgabe, die zu seiner neuen Situation passt.
„Da kommen plötzlich Fragen auf einen zu, die man sich vorher nie gestellt hat: Was habe ich bis jetzt erreicht? Was will ich wirklich im Leben?“ Heute fragt er sich bei seiner Arbeit zuerst, ob sie Menschen im Alltag etwas bringt. Aus diesem Gedanken entstand seine App „PreisPatch“.
Der Entwickler ist zwar kein gelernter Koch, kocht aber gerne zu Hause und experimentiert dabei. Angebote in Flugblättern allein seien für viele Menschen wenig hilfreich, meint Mittermair. „Ein Angebot allein spart nichts, wenn ich nicht weiß, was ich damit koche.“
Verschwendung von Lebensmitteln reduzieren
Die App wertet laut dem Kremsmünsterer die aktuellen Angebote von derzeit elf Handelsketten aus. Nutzer wählen ihr Bundesland. Die App erstellt daraus Rezepte, einen Wochenplan und eine Einkaufsliste. Angebrochene Packungen sollen dabei in mehreren Gerichten verwendet werden. „Der halbe Becher Sauerrahm vom Montag landet am Mittwoch in der Sauce statt im Mistkübel“, erklärt Mittermair. Weniger Lebensmittel wegzuwerfen bedeute auch, weniger einkaufen zu müssen.
Erfahrungen verbinden
Seine Erfahrung aus dem Maschinenbau hat ihm bei der Entwicklung der App geholfen, wie er erzählt: „Eine Maschine funktioniert nur, wenn jedes Teil zum anderen passt, und ein Wochenplan ist genauso: Angebote, Rezepte, Einkaufsliste und Ersparnis müssen ineinandergreifen.“ Und: „Schritt für Schritt habe ich es mir selbst beigebracht, so wie ich früher eine neue Maschine kennengelernt habe. Die Werkzeuge, die es heute gibt, erlauben es auch einem Maschinenbauer, eine App zu bauen, wenn man genau weiß, was sie tun soll.“
Die eigentliche Arbeit sei das Fachliche gewesen: „was gutes Kochen ausmacht, was eine faire Ersparnis ist und wie man das jede Woche verlässlich hinbekommt“, sagt Mittermair.
Start am 19. September
Der neue Wochenplan soll jeden Donnerstag zu Mittag verfügbar sein.
„PreisPatch“ startete offiziell am Samstag, 19. September. Für den einstigen Maschinenbauer ist der Start mehr als ein berufliches Projekt: „Vor drei Monaten bin ich im Krankenhaus gelegen. Am Samstag ging etwas an den Start, das genau aus dieser Zeit entstanden ist“, sagt Mittermair.
Er wünscht sich: „Dass die ersten Wochen nun zeigen, ob die Leute das brauchen, was ich gebaut habe. Dass ich Rückmeldungen bekomme, auch kritische, damit die App besser wird. Und dass ich körperlich weiter Kraft zurückgewinne, damit ich das auch lange machen kann.“
Vertrauen als Stärke
Auch anderen Menschen nach einem schweren Einschnitt möchte der Kremsmünsterer Mut machen. Man solle nicht darauf warten, dass alles wieder werde wie früher. „Lieber klein anfangen mit etwas, das einem wichtig ist, und jeden Tag ein Stück weitermachen.“ Hilfe anzunehmen und Vertrauen zu haben, sei dabei „der schnellste Weg zur Heilung“.








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