Bezirk. Um 60.000 Euro löste sich Mohammad Almifalani ein Ticket zur Flucht aus Syrien. Inkludiert waren lediglich eine falsche Identität und eisig kalte Nächte unterm Sternenhimmel. Zu essen und trinken gab es tagelang nichts. Unvorstellbar, aber die einzige Hoffnung zum Überleben.
Mohammad Almifalani hatte nach seinem soeben bestandenen Masterabschluss als Bauingenieur zwei Möglichkeiten: entweder in die Armee von Baschar al-Assad einzurücken oder hingerichtet zu werden. Er hat sich für die dritte Möglichkeit entschieden: die Flucht nach Europa. Von Todesängsten begleitet Vom Süden Syriens in den Libanon, mit dem Flugzeug nach Istanbul, am Landweg an die Westküste der Türkei und mit einem Kutter nach Rhodos –so war der Plan. Doch der ist nicht aufgegangen: „Der Kapitän verfuhr sich und wir trieben zwei Tage am offenen Meer herum, bis uns ein Öltanker gesichtet hat“, erzählt Mohammad. „An Board war nichts. Kein Stückchen Brot und kein Tropfen Wasser. Aufgrund des Gedränges konnte man auch nicht sitzen.“ Der Öltanker brachten die Flüchtlinge dann nach Athen, von dort ging“s auf dem Landweg über Serbien nach Österreich. Übernachten mussten sie öfters im Freien. Die Familie ist nun auf der ganzen Welt verstreut Mohammad kommt aus „besseren Verhältnissen“, sein Vater ist Architekt und der konnte ihn mit Geld ausstatten. So fuhr der Sohn mit 18.000 Euro in den Schuh eingearbeitet los. Alles in allem kassierten die Schlepper 60.000 Euro (der Kaufkraft in Syrien entsprechend). Bis Athen war Mohammad Almifalani mit seinem Bruder unterwegs. Dort hieß es Abschied nehmen: Sein Weg führte nach Paris. „Meine Freunde und Verwandten sind anscheinend in Paris, England, der Türkei und in Russland untergebracht“, glaubt Mohammad. Wenn es die Internetverbindung zulässt, kommunizieren sie teilweise über Facebook. „Zuhause“ seien von seinen Freunden und sechs Geschwistern nur noch die Eltern und ein Bruder. Das neue Leben im deutschsprachigen Raum Muhammad Almifalani hat vor kurzem den Status eines anerkannten Flüchtlings erreicht. Er lernt nun auf der Volkshochschule intensiv für eine Deutschprüfung. Wenn er die schafft, hat er die Berechtigung, um eine Arbeit anzusuchen. Dieser Tage war er auch für einen Vortrag bei den siebenten Klassen des Stiftsgymnasiums Kremsmünster. Er berichtete über die Flucht und zeigte den Schülern beeindruckende Bilder. „Mohammad erzählte mit erstaunlicher Distanz von diversen schrecklichen Erlebnissen. Er zeigte Fotos von seinem besten Freund, den er nur Stunden vor seinem Tod sah“, war Bettina Reider von der 7B Klasse gefasst.
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