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BEZIRK KIRCHDORF. Speziell in den Sommerferien haben die Kinder viel Freizeit. Warum sie diese ohne Spielzeug, Handy, Tablet und Co verbringen sollten und warum das freie Spiel die Kreativität und Sinneswahrnehmung der Kinder am besten fördert, weiß Agnes Brandl, Elterncoach und vierfache Mutter, aus Molln.

Im Wald finden die Kinder alles was sie zum Spielen brauchen. 
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Elektronische Unterhaltungsmedien wie Spielekonsole, Handy und Tablet haben Einzug in die Kinderzimmer gefunden. „Dadurch entsteht Bequemlichkeit und die Fantasie der Kinder wird sehr stark beeinflusst. Es gibt Kids, die nicht mehr mit einem Holzstück im Wald spielen können“, erzählt Elterncoach Agnes Brandl: „Heutzutage sind Kinder viel zu wenig in der Natur. Es herrscht mehr Verkehr, mehr Verbauung und es gibt mehr eingegrenzte Bereiche wie Spielplätze. Das Angebot in den Spielzeugläden hat sich stark vermehrt. Leider wird den Kindern damit schon viel vorgegeben.“

Handy beeinträchtigt die Wahrnehmung

In Bezug auf die Handynutzung betont Agnes Brandl: „Abgesehen vom Sehen und hören können sich mit dem Handy alle andere Bereiche im Gehirn für die Wahrnehmung nicht ausbilden. Das Handy hat für mich in der Grundschule gar nichts verloren. Generell gilt umso später umso besser und klare Regeln ausmachen – zeitlich beschränken und festlegen, zu welchem Zweck das Handy benutzt werden darf. Und: als Eltern selbst ein gutes Vorbild sein!“

Wiesen und Wälder

Im freien Spiel – ohne Spielzeug und Anleitung eines Erwachsenen – erleben Kinder ihre Abenteuer. Am besten eignen sich dazu Wiesen und Wälder, dort finden sie alles was sie zum Spielen brauchen. „Als Erwachsener ist man zwar da aber nicht dabei,“ erklärt Agnes Brandl. „Wenn die Kinder im nahen Wald oder Wiesenstück – also im unmittelbaren Umfeld des Hauses oder der Wohnung – spielen, wissen sie immer, dass der Erwachsene in der Nähe ist und wo sie ihn finden können. Und mit jedem Lebensjahr wächst auch die Erfahrung. Kinder brauchen diese Erfahrungsräume.“

Kennzeichen des freien Spieles

Laut Agnes Brandl sind die Kennzeichen des freien Spieles: „Der Erwachsene ist da aber nicht dabei und die Kinder haben eigene Ideen – die Motivation geht vom Kind aus. Freies Spiel braucht Zeit, Raum und Ruhe. Es braucht wenig fertiges Spielzeug und kommt mit Natur-Gegenständen aus.“

Erinnerung an die Kindheit

Heuhüpfen und Stoppelfeldspringen war früher bei allen Kindern beliebt. „Erinnert euch an eure Kindheit. Mit wem habt ihr gespielt, was habt ihr gespielt und wie war das Gefühl dabei,“ lädt Agnes Brandl die Eltern dazu ein, an die Vergangenheit zu denken. „Es ist wissenschaftlich bewiesen, dass die Kinder durch das freie Spiel die höchste Kreativität ausbilden und die Sinneswahrnehmung auf natürliche Weise stattfindet,“ erklärt die vierfache Mutter: „Sie erleben Freiheit und haben die Möglichkeit Grenzen auszutesten.“ Verletzungen wie kleine Schürfwunden sind nicht vermeidbar, doch „die Kinder wachsen mit den Gefahren und verletzen sich weniger, weil sie sich besser selbst einschätzen können.“

Kindern Freiraum lassen

Agnes Brandl betont, dass die grundsätzliche Gefahreneinschätzung beim Erwachsenen liege und dieser auch Grenzen setze: „Die Kinder müssen mir sagen, wo sie hingehen und es wird vereinbart, wann sie zurück sein müssen. Natürlich gehen die Erwachsenen ein Risiko ein, wenn sie ihre Kinder etwas riskieren lassen. Aber ich möchte Kinder, die mutig die Welt gestalten, deshalb muss ich ihnen etwas zugestehen. Die totale Überwachung der Kinder führt zur unmittelbaren Abhängigkeit vom Erwachsenen. Damit wird dem Kind die Freiheit genommen. Wird ihm nichts zugetraut, so schwächt das die Persönlichkeitsentwicklung.“

Mit anderen Kindern frei spielen

Wenn ein Kind den Zugang zum freien Spiel verloren hat, sollte man es laut der Expertin, mit anderen Kindern in Kontakt bringen, die schon frei spielen.

Freies Spiel für Stadtkinder

Auch Familien, die in einer Wohnung in der Stadt wohnen, können ihre Kinder zum freien Spiel ermutigen. „Zum Beispiel anstatt zum Park, Zoo, Spielplatz oder Familienfest auch einmal in einen Wald fahren“, schlägt Agnes Brandl vor und rät: „bitte vorher mit dem Waldbesitzer abklären, ob es ihm Recht ist, dass die Kinder dort spielen und in welchem Bereich es möglich ist.“ Auch an den Flüssen im Steyrtal und im Almtal spielen Kinder sehr gerne. Dort sollte allerdings immer ein Erwachsener dabei sein, der das Risiko abschätzt.

Wald- und Wasserspielplatz „Swuwiz“ in Vorderstoder

Ein guter Platz zum Spielen im Wald ist der Stoderer Wald- und Wasserspielplatz „Swuwiz“ in Vorderstoder. Es ist ein abgegrenzter Bereich, der sehr gut in die Natur integriert ist. Der Spielplatz liegt entlang eines kleinen Baches und wurde von der Gemeinde Vorderstoder entwickelt. Hier können die Kinder in allen Altersgruppen mit Holz, Wasser, Steinen und Spielgeräten aus der Natur spielen.

Mithilfe von Förderungen und Eigenleistungen wird der „Swuwiz“ derzeit um zirka 76.000 Euro saniert. Der Spielplatz erhält neue Spielgeräte und ist voraussichtlich ab Mitte August wieder komplett benützbar.


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