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Arzt aus Micheldorf und BioBauernladen-Geschäftsführerin in Kirchdorf denken Fasten neu

Maya Lauren Matschek, 13.03.2026 07:30

KIRCHDORF/MICHELDORF. Der Micheldorfer Allgemeinmediziner Herbert Bronnenmayer und Andrea Kastinger vom BioBauernladen Kremstal erklären, warum Fastenzeit nicht Verzicht bedeuten muss. Stattdessen setzen sie auf bewusste Ernährung, regionale Produkte und einfache Veränderungen im Alltag – vom „bunten Teller“ bis zu fermentierten Lebensmitteln wie Kimchi und Sauerkraut.

Andrea Kastinger, Geschäftsführerin des BioBauernladen Kremstal, und Herbert Bronnenmayer, Allgemeinmediziner aus Micheldorf, sprechen über Ernährung, die am besten bunt und vielfältig sein sollte. (Foto: Tips/Matschek)

„Wohlbefinden ist so viel mehr als nur die Abwesenheit von Krankheiten“, betonte Bronnenmayer gleich zu Beginn. Gesundheit entstehe nicht erst in der Arztpraxis, sondern vor allem im Alltag – und damit auch auf dem Teller.

Der Allgemeinmediziner beobachtete in seiner Praxis zunehmend ernährungsbedingte Beschwerden. Dabei gehe es heute weniger um Mangel, sondern vielmehr um ein Überangebot: „Wir haben heute weniger ein Mangelproblem als ein Überangebot an hochverarbeiteten Lebensmitteln. Dazu kommen große Mengen an schnell verfügbaren Kohlenhydraten – etwa aus Weißmehlprodukten oder stark raffinierten Teigwaren. Auch das wirkt im Körper letztlich wie Zucker.“

Ersatz statt Verzicht

Gerade in der Fastenzeit nehmen sich viele Menschen vor, auf Zucker zu verzichten. Für Bronnenmayer ist jedoch entscheidend, was stattdessen auf dem Teller landet.

„Es geht nicht darum zu verzichten, sondern etwas zu finden, das man auf Dauer ersetzen kann“, erklärt er. Zucker liefere zwar schnell Energie, halte aber nicht lange satt: „Zucker sättigt nicht wirklich. Er gibt nur kurzfristig einen Energieschub – danach fällt man oft in ein Tief und fühlt sich schlapp.“

„Gesundheit ist ein Prozess“

Ein Blick in die Vergangenheit könne dabei helfen, neue Orientierung zu finden. „Man soll die Großeltern fragen, wie die früher gekocht haben“, rät Bronnenmayer. Oft sei das scheinbar Gewöhnliche zugleich das Natürlichste gewesen.

Traditionelle Fette wie Butter pauschal abzuwerten, greife zu kurz. Entscheidend ist nicht ein einzelner Nährstoff, sondern das gesamte Ernährungsmuster. Gesundheitsaufbau beginnt nicht mit Extremen, sondern mit ausgewogenen Gewohnheiten.“

Darmgesundheit im Fokus

Ein besonderes Augenmerk legte der Arzt auf die Rolle des Darms. Dieser sei weit mehr als nur ein Verdauungsorgan. „Der Darm ist wie eine bunte Blumenwiese“, erklärte Bronnenmayer – entscheidend sei, welche „Pflanzen“ man darauf wachsen lasse.

Fermentierte Lebensmittel spielen dabei eine wichtige Rolle. „Kimchi und Sauerkraut sind mit das Beste, was man seinem Darm geben kann“, so der Mediziner. Die enthaltenen natürlichen Bakterien könnten sich im Darm ansiedeln, außerdem liefern sie unter anderem Vitamin C. Von Probiotika-Präparaten hält er hingegen wenig: „Die gehen durch, aber sie siedeln sich nicht im Darm an.“

Essen was einem schmeckt

Auch beim Thema Eiweiß sieht er einen oft unterschätzten Bedarf – vor allem im Alter. „Je älter man wird, desto mehr Eiweiß braucht man.“ Besonders Eier seien dabei wertvoll, „weil sie alle Aminosäuren enthalten, die der Körper benötigt.“

Trotz aller gesundheitlichen Aspekte sei für ihn eines entscheidend: „Man sollte nicht essen, weil es gesund ist – sondern weil es schmeckt.“

Qualität statt Moralappelle

Auch für Kastinger bedeutet die Fastenzeit keinen strikten Verzicht. „Für mich heißt Fastenzeit nicht Verzicht, sondern vor allem Qualität“, sagte sie. Bewusster einkaufen, auf Herkunft, Zutaten und Regionalität achten – darum gehe es.

Viele der Produkte, über die Bronnenmayer spricht, finden sich direkt im BioBauernladen Kremstal wieder. Bei der Pressekonferenz selbst standen eine Käseplatte, eine Wurstplatte und eine bunte Gemüseauswahl bereit. Serviert wurde auch Kimchi – „das ist von Isabella, einer Fermentiererin aus Scharnstein“, erzählte Kastinger.

Die Vielfalt sei dabei entscheidend: „Wie Bronnenmayer schon gesagt hat: Der Darm ist eine bunte Blumenwiese – und so soll auch der Teller aussehen.“

Biohandel will Wirkung sichtbar machen

Kastinger engagiert sich auch im Vorstand des Forum Biofachhandel, das vor rund drei Jahren gegründet wurde. Ziel ist es, den Beitrag des Biofachhandels zu Gesundheit, Umwelt und regionaler Wirtschaft stärker sichtbar zu machen.

Kastinger und Bronnenmayer haben beide eine einfache Botschaft: Wer im Alltag auf Vielfalt, Qualität und natürliche Lebensmittel setzt, muss auch in der Fastenzeit nicht auf Genuss verzichten.

Orientierung am bunten Teller

Bronnenmayer empfiehlt Vielfalt am Teller – unterschiedliche Farben stehen meist für verschiedene gesundheitsfördernde Pflanzenstoffe

Blau/Violett: Heidelbeeren oder Auberginen – unterstützen Zellschutz und Gedächtnis

Grün: Brokkoli oder Blattgemüse – liefern wichtige Pflanzenstoffe für Sehkraft, Immunsystem und Knochen

Weiß: Knoblauch, Zwiebeln oder Pilze – werden mit Herzgesundheit und stabilem Cholesterinspiegel in Verbindung gebracht

Gelb/Orange: Karotten, Zitrusfrüchte oder Kürbis – unterstützen Immunsystem und Augengesundheit

Rot: Tomaten, Beeren oder rote Rüben – stehen besonders für Herz- und Gefäßschutz

Grundregel: Je bunter der Teller, desto breiter ist meist das Spektrum an wertvollen Nährstoffen.


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