Schlierbachs Naturwerkstatt setzt auf Mitarbeit und Selbstbestimmung
SCHLIERBACH. Finanzen verwalten, Reparaturen erledigen und den Waldplatz pflegen: In der Naturwerkstatt übernehmen Eltern einen Teil der Aufgaben selbst. Träger des Kindergartens ist der Verein „Natürlich Lernen“. Für das Kindergartenjahr 2027/28 werden elf Plätze frei, weil mehr als die Hälfte der Kinder in die Schule wechselt. Am Donnerstag, 5. November, findet ein Elterninformationsabend für Interessierte statt.

Der Kindergarten Naturwerkstatt in Schlierbach entstand aus einer Elterninitiative. Seit September 2013 ist er ein öffentlicher Kindergarten, der in Kooperation mit der Gemeinde Schlierbach geführt wird. Rechtsträger ist der Verein „Natürlich Lernen“.
Der gesamte Vorstand arbeitet ehrenamtlich, wie Vereinsobfrau Jasmin Gebeshuber berichtet. Er kümmert sich unter anderem um Personalführung, Finanzen, Förderanträge und Organisation. Auch jede Familie bringt sich ein. Eltern übernehmen etwa die Buchhaltung, erledigen die Wäsche oder pflegen Garten und Waldplatz. Wird eine neue Beschattung gebraucht, planen, organisieren und bauen Eltern diese selbst. „Eltern sind bei uns Teil einer Gemeinschaft“, erklärt Gebeshuber. Die Mitarbeit im Verein ist Voraussetzung für die Familien.
Interesse der Kinder gibt die Richtung vor
Die Naturwerkstatt hat eine Gruppe mit 20 Kindern. Die pädagogische Arbeit übernimmt ein Team aus gruppenführender Pädagogin, pädagogischer Assistenzkraft und einer zusätzlichen, vom Verein finanzierten Begleiterin.
Im Alltag stehen die Interessen der Kinder im Mittelpunkt. Leiterin Nicole Strasser beschreibt das am Beispiel eines Kindes, das einen Schatten im Garten entdeckt. Gemeinsam wird zunächst beobachtet, wie der Schatten aussieht und sich verändert.
Daraus können weitere Fragen und Experimente entstehen. „Hilf mir, es selbst zu tun“, lautet der Leitsatz. Die Kinder wählen, womit, wo und mit wem sie sich beschäftigen. Die Erwachsenen beobachten und geben bei Bedarf Anregungen. Daneben gibt es vorbereitete Angebote wie Lieder, Geschichten und Fingerspiele.
Die Jause hat keinen fixen Zeitpunkt. Ein Buffet steht den ganzen Vormittag bereit. Die Kinder essen, wenn sie Hunger haben.
Bauernhof und Wald gehören zum Alltag
Die Naturwerkstatt befindet sich auf dem Bio-Bauernhof der Familie Hebesberger. Ziegen, Hühner und Hasen gehören zum Umfeld der Kinder. Sie erhalten auch Einblicke in die Arbeiten auf dem Hof.
Ein gemeinsamer Waldtag ist fixer Bestandteil der Woche. In Hochbeeten, im Kräuter- und Naschgarten säen, pflegen und ernten die Kinder selbst. Steine, Stöcke, Erde und andere Naturmaterialien werden zu Spielgegenständen.
Die pädagogische Arbeit orientiert sich unter anderem an den Ansätzen von Montessori, Pikler, Rebeca Wild und Reggio. Schlierbachs Bürgermeister Mario Pramberger (ÖVP) sieht den Kindergarten Naturwerkstatt als Ergänzung zum Zentrumskindergarten: „Wir brauchen derzeit jeden Platz in der Kinderbetreuung. Durch den Fokus auf Natur und Gemeinschaft gibt es dort andere Schwerpunkte als im Zentrumskindergarten.“
Ähnliche Kindergärten mit naturnahem Schwerpunkt gibt es laut Pramberger in Oberschlierbach mit dem Wurzelkindergarten und in Pettenbach mit dem Kindergarten Moos.
Familien zahlen Vereinsbeitrag
Die Naturwerkstatt ist von Montag bis Freitag von 7 bis 13 Uhr geöffnet. Ein Mittagessen wird nicht angeboten. Familien zahlen monatlich 122,50 Euro Mitgliedsbeitrag pro Kind an den Trägerverein „Natürlich Lernen“. Die Betreuung selbst ist laut Obfrau Jasmin Gebeshuber beitragsfrei: „Wenn man es so sehen will, ist auch bei uns die Vormittagsbetreuung beitragsfrei. Die 122,50 Euro sind der Mitgliedsbeitrag an den Trägerverein. Wir sind ein elternverwalteter Kindergarten: Die Familien sind Mitglieder des Vereins und tragen ihn gemeinsam, mit ihrem Mitgliedsbeitrag und mit ehrenamtlicher Mitarbeit.“
Finanzielle Unterstützung für Material und Fachpersonal
Neben öffentlichen Förderungen finanziert sich der Verein aus Mitgliedsbeiträgen, Spenden und Veranstaltungen. Damit wird unter anderem die zusätzliche pädagogische Fachkraft bezahlt. Auch die Gemeinde Schlierbach unterstützt die Naturwerkstatt finanziell. Die Höhe des Gemeindebeitrags nennt Pramberger auf Tips-Anfrage nicht.








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