Wirtschaftskammer fordert von den FoodCoops eine Gewerbeanmeldung
KIRCHDORF/OÖ. Auch die erste Kremstaler FoodCoop, Güterwege, bekam in den letzten Wochen Post von der Wirtschaftskammer: Es bestehe der Verdacht auf einen Verstoß gegen das Gewerberecht. Nun hofft man auf Klärung bei Gesprächen auf Landesebene.

Die WKOÖ ist der Meinung, bei den FoodCoops handle es sich um ein Gewerbe. Die Wirtschaftskammer fordert daher die Anmeldung eines solchen von den Initiativen und stellt, um dies durchzusetzen, auch Klagen bei den zuständigen Behörden in den Raum.
Konsumenten und Produzenten
Ein erklärtes Ziel der FoodCoop-Initiativen (wörtlich Lebensmittel-Zusammenschlüsse) ist es, regionale Lebensmittelproduzenten zu fördern und zu unterstützen. Elisabeth Neubacher von der FoodCoop Güterwege in Kirchdorf erklärt: „Die Konsumenten, die alle Mitglieder im Verein sind, engagieren sich ehrenamtlich, um den regionalen Lebensmittelproduzenten ein Stück weit entgegenzukommen.“Die Vereinsmitglieder verstehen sich nicht als Händler der Lebensmittel, sondern als engagierte Konsumenten – als eine Bestellgemeinschaft.
Missverständnis?
Dominik Dax, Inzersdorfer Bio-Gemüse-Produzent und Mitarbeiter bei Bio Austria, kann verstehen, dass bei Beobachtern der neuen Initiativen der Eindruck entstanden ist, hier handle es sich um Gewerbetreibende. Dies sei aber ein Missverständnis. Zur Klärung der Frage könnte ein „Runder Tisch“ beitragen, der aufgrund der Unstimmigkeiten der letzten Wochen von Landesrat Rudi Anschober einberufen wurde. Anfang Mai sollen alle Beteiligten – also Wirtschaftskammer, Behördenvertreter, Vertreter der FoodCoops und des Landes – zusammenkommen.
„Gleiches Recht für alle“
Auch für die WKO Kirchdorf, spricht grundsätzlich nichts gegen die Initiativen: „Gegen neue innovative Geschäftsideen wie „FoodCoops“ ist nichts einzuwenden. Diese Modelle sind durchaus interessant und enthalten regionale Neuerungen“, sagt WKO-Bezirksstellenleiter Siegfried Pramhas, der ergänzt, „es muss aber gleiches Recht für alle gelten. Das bedeutet nach gültiger Rechtslage, dass die Kooperativen eine entsprechende Gewerbeberechtigung brauchen.“
„Keine Konkurrenz“
Dass die FoodCoops eine Konkurrenz für den Lebensmittelhandel und speziell für Nahversorger sein könnten, versteht man bei Güterwege nicht. FoodCoops sehen sich selbst nicht als Konkurrenz für Nahversorger.
Andrea Kastinger vom BioBauernladen Kremstal erklärt: „Wir im BioBauernladen Kremstal sehen regionale Initiativen wie die Güterwege nicht als Konkurrenz. Wir teilen uns viele Lieferanten und sehen in der Zusammenarbeit eher eine Chance, Erzeuger zu motivieren, gute Bioprodukte in der Region – für die Region zu produzieren.“ Und Kastinger fügt hinzu: „Je mehr verschiedene regionale, biologische Einkaufsmöglichkeiten und je mehr Bewusstsein es bei den Konsumenten dafür gibt, desto besser für uns alle, die wir in diesem Bereich tätig sind.“
„Verdrängungswettbewerb“
Ein grundsätzliches Konkurrenzproblem zwischen FoodCoops und Handel sieht man bei der Wirtschaftskammer Kirchdorf allerdings sehr wohl. „Für die kleinen Nahversorger sind FoodCoops sicherlich ein Mitbewerb. Viele örtliche Lebensmittelhändler habe bereits seit Jahren, natürlich in unterschiedlichen Mengen, regionale Lebensmittel in den Regalen. Die Betriebe sind einem beinharten Verdrängungswettbewerb ausgesetzt. Jeder noch so kleine Umsatzverlust tut daher weh“, so Pramhas. Eine mögliche Zusammenarbeit könne das verortete Konkurrenzproblem allerdings entschärfen: „Vielleicht könnte die Möglichkeit genützt werden, die Nahversorger hier zu unterstützen. Also in Form von regionalen Kooperationen mit diesen Initiativen“, schlägt Pramhas vor.
Mehraufwand
In der aktuellen Diskussion um die FoodCoops geht es auch darum, dass sich die Initiativen durch eine Gewerbeanmeldung der behördlichen Kontrolle und verschiedenen Auflagen unterziehen sollen. Dominik Dax von Bio Austria hofft, dass es dazu nicht kommt, sich die Aufregung generell wieder legt und der „Runde Tisch“ des Landes eine Klärung bringt. „Es geht nicht darum, dass sich FoodCoops Behörden oder Gesetzen entziehen und sich so einen Vorteil gegenüber gewerblichen Anbietern verschaffen wollen. FoodCoops sind mit Geschäften gar nicht vergleichbar, dort kann man nicht einfach nur einkaufen und es geht auch nicht um finanzielle Vorteile“, so Dax.


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