Badelandschaft könnte langfristig deutlich schrumpfen
KIRCHDORF/OÖ. Die im letzten Jahr präsentierte „Bäderstudie“ empfiehlt dem Land OÖ eine wesentliche Reduktion des Angebots an öffentlichen Badeanlagen. Das sorgt für Kritik und Unverständnis, auch bei Gemeindevertretern aus dem Bezirk Kirchdorf.

Als Hauptgründe für die empfohlenen Schließungen werden die Überversorgung und die Belastung der Gemeindebudgets durch kommunale Badeanlagen genannt.
Langfristig wird in der Studie daher etwa eine Reduktion der Freibäder von derzeit 144 klassischen Freibädern (230 gesamt) auf unter 100 Anlagen empfohlen. Für den Bezirk Kirchdorf würde das bedeuten, dass zwei Drittel der zwölf Freibadanlagen langfristig schließen müssten.
Schreckensszenario?
Ein Szenario, das nicht nur bei den Grünen für Empörung sorgt.“Badeanlagen sind immens wichtig für die Lebensqualität in den Gemeinden. Ein Kahlschlag würde die Lebensqualität auch im Bezirk Kirchdorf ganz massiv gefährden“, ist sich der Sportsprecher der Grünen OÖ, Severin Mayr, sicher.
Kirchdorfs Vizebürgermeister Ewald Breitwieser (SPÖ) erklärt zum Thema: „Ich denke, die Gesundheit unserer Kinder und die Förderung des Breitensports müssen auch dem Sportland OÖ etwas wert sein. Die Kirchdorfer Politiker machen sich ernsthafte Gedanken zur weiteren Attraktivitätssteigerung des Freibades.“ Wie die Grünen OÖ, fordert auch Breitwieser ein langfristiges Sanierungs- und Erhaltungskonzept für die kommunalen Bäder. Eine „Politik der erschwerten Förderbedingungen“ sei unsolidarisch und den Gemeinden gegenüber unwürdig.
Wirtschaftlichkeit verbessern
Beim Land OÖ will man sich an der Empfehlung der Studie orientieren, wonach Förderungen für Sanierungen, die in die Höhe von Millionen-Beträgen gehen, nur mehr bei Erfüllung der Kriterien Standortqualität, Bewirtschaftungskonzept sowie Errichter- und Betreibermodell zu gewähren sind.
Wirtschafts- und Sportlandesrat Michael Strugl (ÖVP) erklärt zum Hintergrund für die OÖ Bäderstudie: „Es gibt in keinem Bundesland mehr Badeanlagen als in Oberösterreich. Zugleich gibt es mittlerweile einen großen Sanierungsbedarf und einen Investitionsstau bei Oberösterreichs Bädern. Ein Freibad in Oberösterreich weist durchschnittlich 50.000 Euro Abgang pro Jahr auf, und ein Hallenbad sogar 400.000 Euro.“
Großangelegte Sanierungen müssten vom Land OÖ daher künftig nach den in der Studie empfohlenen Kriterien bewertet und vergeben werden. So will man die Wirtschaftlichkeit der öffentlichen Bäder langfristig verbessern können. „Normale Instandhaltungsmaßnahmen bis zu einer Obergrenze von 100.000 Euro werden weiterhin gefördert“, so Strugl. Eine Schließungsliste für Bäder gebe es nicht.
Bäderstudie
Die von der Direktion „Inneres und Kommunales“ beim Amt der Oö. Landesregierung in Auftrag gegebene Studie wurde im April 2015 vorgestellt. Erarbeitet wurde sie von der con.os tourismus.consulting gmbh. Sie beschäftigt sich sowohl mit dem Ist-Zustand des kommunalen Badewesens in OÖ als auch mit dessen künftiger Ausrichtung und gibt Empfehlungen ab. Die Studie ist auf der Gemeindebund-Homepage downloadbar: gemeindebund.at


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