So können Landgemeinden ein attraktiver Wohnort für junge Erwachsene sein
BEZIRK KIRCHDORF. Immer weniger junge Erwachsene leben im ländlichen Raum. Tips erkundigte sich, was es braucht, um ein attraktiver Wohnort zu sein und wie die Gemeinden im Bezirk Kirchdorf versuchen, dieser Entwicklung entgegenzuwirken.

Das Institut für Raumplanung und Ländliche Neuordnung der Universität für Bodenkultur Wien hat das „Wanderungs- und Bleibeverhalten“ im Zeitraum 2013/14 untersucht. Dazu wurden in den fünf Gemeinden Hinterstoder, Klaus, Maria Neustift, Steinbach an der Steyr und Weyer mehr als 400 junge Erwachsene im Alter zwischen 20 und 29 Jahren befragt. Festgestellt wurde, dass Arbeitsplätze und Ausbildungsmöglichkeiten die zentralen Faktoren für ihre Wohnortwahl sind.
Aus der Sicht der Befragten sind es vier zentrale Weichenstellungen, die aus den ländlichen Gemeinden attraktivere Wohn- und Lebensstandorte machen können: Arbeitsplätze schaffen, adäquate Wohnangebote, Defizite in der Basisinfrastruktur beheben sowie Freizeitangebote verbessern.
Arbeit und Ausbildung
„Wir blicken sehr positiv in die Zukunft für Jugendliche und junge Erwachsene, die aktuell auf Jobsuche sind,“ sagt die Geschäftsstellenleiterin vom Arbeitsmarktservice Kirchdorf, Julia Bauer. „Die Arbeitslosenzahlen sind bei dieser Personengruppe seit Monaten rückläufig. Im Februar waren 22 Personen bis 19 Jahre, das entspricht einem Minus von 43,59 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, und 153 20- bis 24-Jährige vorgemerkt, das ist ein Minus von 17,74 Prozent im Vergleich zum Vorjahr“, berichtet Julia Bauer.
Derzeit gute Situation am Arbeitsmarkt für junge Erwachsene
Sie weiß, warum die Situation am Arbeitsmarkt für diese Gruppe derzeit besonders günstig ist: „Es kommen jetzt vergleichsweise geburtenschwache Jahrgänge auf den Arbeitsmarkt, andererseits gibt es einige Nachbesetzungen in Firmen, weil sich in vielen Unternehmen eine Pensionswelle abzeichnet, wo rechtzeitig neue Mitarbeiter aufgebaut werden.“ Aktuell sind 242 Lehrstellen, die meisten mit einem Beginn ab Sommer/Herbst 2018, ausgeschrieben.
Passende Wohnmodelle für junge Menschen
Neue Formen und leistbare Angebote des Wohnens sind für junge Menschen ein wichtiges Thema. Das Projekt „Modernes Leben und Wohnen“, das vom Regionalforum Steyr-Kirchdorf in Auftrag gegeben wurde und von der SPES Zukunftsakademie begleitet wird, ist bereits angelaufen. „Viele junge Erwachsene schätzen einen gemeinschaftlichen Kontakt. Gemeinschaftsräume sind trendig und junge Leute kennen und schätzen solche Möglichkeiten“, erklärt Prozessbegleiter Johannes Brandl von der SPES Zukunftsakademie.
Konkrete Pläne im Bezirk
In Ried im Traunkreis sind Cluster-Wohnungen angedacht. Ein Bestandshaus wird renoviert und darin Wohnungen mit einem Gemeinschaftsbereich errichtet. In Schlierbach ist ein „Wohnen und Co-Working“ geplant. Das sind Wohnungen mit einem Arbeitsplatz, der von mehreren genutzt wird. In zwei weiteren Gemeinden werden ehemalige Frühstückspensionen zu kleinen vollständigen Wohneinheiten umgebaut. Diese sind ideal für Menschen, die mit wenig Platz auskommen und günstig wohnen wollen. Am Wohngemeinschaftsmodell, das in der Steyrling bereits umgesetzt worden ist, haben auch andere Gemeinden im Bezirk Interesse.
Defizite in der Basisinfrastruktur beheben
Ebenso bedeutsam wie leistbare passende Wohnmöglichkeiten ist eine gute Ausstattung mit Basisinfrastruktur. Dazu zählt das Breitbandangebot. „Ohne Internet geht gar nichts. Deshalb ist die Breitbandoffensive des Landes OÖ eine Offensive für den ländlichen Raum“, ist Landtagsabgeordneter, Bürgermeister Christian Dörfel (ÖVP), Obmann vom Regionalforum Steyr-Kirchdorf überzeugt. So sieht das auch Bezirkshauptmann Dieter Goppold: „Der Breitbandausbau ist eine wichtige Voraussetzung, um mit digitalen Mitteln auch im entlegensten Gebiet noch arbeiten zu können. Das schafft eine Ortsungebundenheit für Unternehmen und ermöglicht das Homeoffice.“ Positive Beispiele für den Breitbandausbau im Bezirk Kirchdorf sind im Bericht auf der nächsten Seite zu finden.
Gemeindecheck entwickelt
Die Leader Region Nationalpark oö. Kalkalpen hat sich im Rahmen eines gemeindeübergreifenden Agenda-21-Themennetzwerks dem Thema angenommen. Um ein Gefühl für die Bedürfnisse dieser Zielgruppe zu bekommen, haben Regionalmanagerin in der Region Steyr-Kirchdorf Sonja Hackl und Prozessbegleiter Johannes Brandl von der SPES Akademie gemeinsam mit jungen Erwachsenen den Gemeindecheck entwickelt. Der Gemeindecheck wurde nun zu einem Agenda-21-Tool (eine Online-Umfrage) weiterentwickelt, das jeder oberösterreichischen Gemeinde zur Verfügung steht.
Regionales Netzwerktreffen
Ein regionales Agenda 21 Netzwerktreffen am Montag, 19. März, um 18.30 Uhr in der Kitzmantelfabrik in Vorchdorf beschäftigt sich mit den vielfältigen Handlungsfeldern und konkreten Ideen zur Gestaltung von „digitalen Lebensräumen“. Alle Interessierten aus den Regionen Steyr/Kirchdorf und Vöcklabruck/Gmunden sind dazu eingeladen. Anmeldung per E-Mail an bettina.feischl@rmooe.at oder unter Tel.: 07612/20810-4203.


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