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FPÖ-Bezirksparteiobmann Michael Gruber: "Der Bezirk Kirchdorf muss ein starkes Stück Heimat sein"

Susanne Winter, MA, 01.08.2019 12:02

BEZIRK KIRCHDORF. Tips sprach im Rahmen der Sommergespräche mit FPÖ-Bezirksparteiobmann, Landtagsabgeordneter Michael Gruber aus Pettenbach über aktuelle Themen wie die Verkehrssituation, den Naturschutz und den Fachkräftemangel im Bezirk Kirchdorf.

Michael Gruber beim Sommergespräch im Tips-Büro in Kirchdorf, Foto: Winter
Michael Gruber beim Sommergespräch im Tips-Büro in Kirchdorf, Foto: Winter

Tips:Warum sind Sie Politiker?

Michael Gruber: Ich war immer schon politikinteressiert und habe gerne mitgeredet. Um selbst manche Dinge verändern zu können, muss man sich aktiv beteiligen.

Tips:Warum haben Sie sich der FPÖ angeschlossen?

Gruber: Ich habe mir alle Programme angesehen und bei der FPÖ gab es die größte Querschnittsmenge mit meiner persönlichen Einstellung.

Tips:Welche Themen beschäftigen die FPÖ derzeit im Bezirk?

Gruber: Die Verbesserung der Verkehrssituation – vor allem im öffentlichen Verkehr. Das Schlagwort lautet „Mikro-ÖV“, das heißt die letzte Meile von Zuhause bis zum nächsten öffentlichen Anschluss. Zudem sind die öffentlichen Anbindungen zu attraktivieren. Die Modernisierung der Almtalbahn samt Teststrecke für alternative Antriebe ist ein Meilenstein für uns. Jetzt müssen wir die Bahnübergänge reduzieren und die übriggebliebenen auf den aktuellsten Stand der Sicherungsmaßnahmen bringen.

Tips:Wie sind Einsatzorganisationen besser zu unterstützen?

Gruber: Die Rahmenbedingungen müssen passen und dafür muss es genügend finanzielle Mittel geben – das betrifft die Gerätebeschaffung, die persönliche Ausrüstung, die Unterstützung der Jugendarbeit und die Anforderungen einer Einsatzzentrale. In Pettenbach ist ein neues Zeughaus in Planung.

Tips:Was halten Sie von einer Nationalpark-Erweiterung?

Gruber: Das wäre jetzt noch nicht der richtige Zeitpunkt, wir müssen einmal mit dem bestehenden Gebiet unsere Hausaufgaben machen. Es gibt viele Bereiche, die man noch verbessern muss, man muss wissen, wo man hin will und mit dem Umfeld harmonisieren.

Tips:Was ist im Bereich der Raumordnung zu tun?

Gruber: Jeder Bürgermeister will Kommunalsteuern. Das Problem ist, dass immer mehr Boden versiegelt wird, gleichzeitig jedoch die Ortszentren belebt werden sollten. Vor allem die Sanierung von leerstehenden Häuser muss mit Förderungen attraktiver werden. Das würde die Ortszentren beleben und vielleicht einen Umkehrtrend beim Wirtesterben bewirken.

Tips:Was wären Klimaschutz-Maßnahmen für den Bezirk?

Gruber: Wir haben politisch den Auftrag zu sensibilisieren, wie man mit der Natur und der Umwelt umgeht. Da sind wir im Bezirk Kirchdorf relativ gut dabei. Der Naturschutz, den wir praktizieren, ist schon im Klimaschutz enthalten und auch die Arbeit des Bezirksabfallverbandes. Die gelben Pfeile, die veranschaulichen, wo überall Müll liegt, sind eine gute Maßnahme. Diese gemeinsam mit Schülern aufzustellen, wäre eine Win-win-Situation. Auch die Bachreinigungsaktionen finde ich gut. Zudem wäre ein neues Pfandsystem eine Diskussionsgrundlage.

Tips:Was halten Sie von der geplanten Erweiterung des Skigebietes Höss Richtung Vorderstoder?

Gruber: Es ist für das Skigebiet eine große Aufwertung, weil es einerseits Hinterstoder entlastet und andererseits das Skigebiet attraktiviert. Die Voraussetzung ist, die Infrastruktur dafür in Vorderstoder zu schaffen, und zwar ohne brachiale Bodenversiegelung. Dabei darf die Gemeinde nicht alleine gelassen werden.

Tips:Wie können die Landwirte unterstützt werden?

Gruber: Indem wir versuchen, auf Regionalität zu setzen. Die Landwirte müssen ihre Produkte in der Region vermarkten können.

Tips:Vielen Unternehmen im Bezirk fehlen Fachkräfte. Wie holt man diese in die Region?

Gruber: Ein erster guter Ansatz ist der Zusammenschluss der Kirchdorfer Betriebe, der sogenannte Worklife-Hub. Zudem sollte die Jugend motiviert werden, die Lehre wieder attraktiv zu sehen. Die Jobrallyes in den Gemeinden werden auch angenommen.

Tips:Wie kann im Bereich des Personalmangels in der Pflege angesetzt werden?

Gruber: Die Mehrbelastung durch die Bürokratisierung und dadurch weniger Zeit mit dem Klienten verbringen zu können, stört das Pflegepersonal. Es muss von der Dokumentationspflicht entlastet werden. Zudem bin ich Befürworter der Pflegelehre und politisch wird man sich die Einführung eines verpflichtenden Sozialdienstes für Mann und Frau überlegen müssen.

Tips:Auch an Hausärzten mangelt es. Wie holt man diese in den Bezirk?

Gruber: Wir müssen als Gemeinde und Bezirk so attraktiv sein, damit junge Ärzte hier eine Hausarztstelle annehmen. Im Krankenhaus hat man eine geregelte Arbeit ohne unternehmerisches Risiko. Die Jungen wollen nicht in Mieten investieren. Ein Lösungsansatz für größere Gemeinden sind Primärversorgungszentren. Ich habe auch bereits angeregt, aus dem Almtal Center in Pettenbach ein Gesundheitszentrum zu machen.

Tips:Gibt es bei der Kinderbetreuung noch Handlungsbedarf?

Gruber: Ich sehe derzeit keine Probleme. Sollten flexiblere Öffnungszeiten gebraucht werden, ist es unsere Aufgabe, eine gemeinsame Lösung zu erarbeiten.

Tips:Was wäre Ihr Wunsch für die Zukunft des Bezirks?

Gruber: Dass die Auspendler noch weniger werden und wir vom Angebot her alles abdecken können – von der Ausbildungsstätte, von den Lehrstellen, von der Verkehrsinfrastruktur. Ich wünsche mir, dass die Landwirtschaft den Stellenwert erhält, der ihr zukommen muss. Dass wir in Summe unseren Bezirk so gut aufstellen, dass die Leute hier wohnen, ihre Freizeitaktivitäten abdecken, arbeiten und ihre Familie gründen. Dass der Bezirk Kirchdorf eine Vorzeigeregion in allen Belangen ist. Ein harmonisches Gesamtpaket, wo alle an einem Strang ziehen. Für mich gilt der Solgan „Der Bezirk Kirchdorf muss ein starkes Stück Heimat sein“.


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