Beauty-Branche durch Testpflicht in der Krise: "Damit fahren wir unsere Wirtschaft an die Wand"
BEZIRK KIRCHDORF. Seit einem Monat haben körpernahe Dienstleister wie Kosmetiker, Frisöre und Tätowierer wieder geöffnet. Allerdings bekommen Kunden nur mit einem negativen Antigen-Schnelltest oder einem negativen PCR-Test auch Zutritt. Tips hat sich im Bezirk umgehört, wie diese Verordnung bei den Unternehmern und deren Kunden ankommt.

Zu lange Haare, kaputte Nägel und Hornhaut an den Füßen – wer sein Äußeres wieder auf Vordermann bringen lassen möchte, hat derzeit eine Hürde zu überwinden. Für einen Termin bei einem der körpernahen Dienstleister ist nämlich ein negativer Antigen-Test vorzuweisen, der nicht älter als 48 Stunden ist. Das verärgert viele Unternehmer, da sie Kunden verlieren, die sich nicht testen lassen möchten.
Viele „Terminlöcher“ entstehen
„Ich hatte heuer im Februar um rund ein Viertel weniger Kunden als im Vergleich zu 2019“, berichtet Susanne Lechner, Geschäftsführerin von Susannes Wohlfühloase in Kremsmünster. Mitarbeiterin Nina Henndorfer ergänzt: „Leider kommen viele ohne Test zu uns. Manche glauben irrtümlich, wenn sie geimpft sind, bräuchten sie keinen Test.“ Die Kunden müssen dann weggeschickt werden und es entstehen viele „Terminlöcher“.
Test-Möglichkeiten erweitern
„Es werden auch laufend Termine abgesagt, weil die Kunden nicht testen gehen wollen oder weil sie keinen Testtermin innerhalb der 48 Stunden bekommen haben“, berichtet Susanne Lechner und fordert erweiterte Öffnungszeiten in der Teststraße in Kremsmünster, damit auch Berufstätige mehr Termin-Möglichkeiten haben: „Zwischen 14 und 18 Uhr arbeiten viele. An den Wochenenden werden in Kremsmünster keine Tests angeboten, deshalb ist es Montagvormittag immer sehr ruhig bei uns.“
Fußpflege aufgewertet
„Trotzdem hat es uns noch besser getroffen als beispielsweise Frisöre. Viele brauchen dringend eine Fußpflege, vor allem wenn sie Schmerzen haben. Schmerzpatienten dürfen wir auch ohne Tests behandeln“, berichtet die Kosmetikerin und sieht darin auch einen Vorteil der Krise: „Die Fußpflege wurde dadurch aufgewertet, sie ist jetzt besser angesehen.“
Ersparnisse sind ausgeschöpft
„Im vergangenen Jahr mussten wir die Gastronomie sieben und das Frisörgeschäft vier Monate geschlossen halten. In dieser Zeit hatten wir also Null Einnahmen. Mit den Förderungen konnten wir nicht einmal unsere Fixkosten bezahlen. Auch die Ersparnisse sind mittlerweile ausgeschöpft. Dazu kommt noch, dass wir vor gut einem Jahr einen sechsstelligen Betrag in den Neubau unseres Geschäftes investiert haben. Natürlich bin ich jetzt froh, dass ich wieder aufsperren durfte“, erzählt Andreas Sieberer von der Haircraft & Lounge Bar in Pettenbach.
Maßnahmen eine Katastrophe
„Man gewöhnt sich ja an viel, aber die Maßnahmen der Regierung sind eine Katastrophe“, erzählt Sieberer: „Ich habe zum Glück eher wenig Kunden, die absagen, weil sie nicht testen gehen oder die Maske nicht tragen wollen. Kollegen von mir haben einen Ausfall von bis zu 50 Prozent. Das ist für uns Unternehmer existenzbedrohend. Wir fahren damit unsere Wirtschaft an die Wand – und zwar mit Vollgas. Ich verstehe auch Kollegen, die sagen, sie sperren unter diesen Bedingungen gar nicht mehr auf.“
Schwarzarbeit floriert
„Der Pfusch blüht jetzt leider auf, denn die Leute gehen dorthin, wo sie die Maßnahmen nicht einhalten müssen. Beispielsweise zu Frisören, die einen eigenen Salon zu Hause haben und dort schwarz arbeiten“, weiß der Stylist.
Mangel an Sauerstoff
Bedenklich sei, laut Andreas Sieberer, auch das Tragen der FFP2-Maske: „Meine Mitarbeiter müssen rund acht Stunden pro Tag die Maske tragen, der damit verbundene Sauerstoffmangel hat Auswirkungen. Das ist arbeitsrechtlich sehr bedenklich. Ich habe Angst um die Gesundheit meiner Mitarbeiter.“ Deshalb bestehe er auch auf regelmäßigen Pausen.
Mit FFP2-Maske schwitzt man mehr
Jan Resch von der Stecharei in Kirchdorf merkt auch den Sauerstoffentzug beim Tragen der Maske: „Am Ende meiner Arbeit fühle ich mich sehr schlapp. Mit der FFP2-Maske bekommt man sehr schwer Luft und schwitzt mehr.“ Der Tätowierer hat noch keine Terminabsagen bekommen, auch die Kundenfrequenz sei gut. „Die Maßnahmen sind aber sehr mühsam und umständlich. Es ist auch sinnbefreit, dass die Kunden vorher testen und dann erst recht wieder die Maske aufsetzen müssen“, meint Jan Resch. Damit seine Kunden die Maske nicht zu lange tragen müssen, arbeitet er derzeit nur noch bis zu vier Stunden pro Kunde.
50 Prozent weniger Kunden
„Das Geschäft läuft sehr schleppend“, sagt Martina Felsleitner, die ein Nagelstudio in Nußbach führt: „Die Hälfte meiner Kunden kommt nicht, viele wollen nicht testen gehen oder haben Angst vor dem Test. Somit habe ich auch um 50 Prozent weniger Verdienst, muss aber meine Fixkosten bezahlen. Ich bewundere alle, die es schaffen, zusätzlich noch Mitarbeiter zu bezahlen“, ist die Nageldesignerin froh, ein Einzelunternehmen zu führen.
Dienstleister bitten Kunden um Unterstützung
Martina Felsleitner versteht auch Kunden, die sich nicht testen lassen möchten, aber „so ein Test ist erfahrungsgemäß absolut nicht dramatisch und es ist schade, dass dadurch Kunden unnötigerweise lieber auf ihre ,Auszeit' verzichten“. Auch Kosmetikerin Susanne Lechner bittet: „Ihr unterstützt uns, indem ihr testen geht und euch bei uns verwöhnen lasst. Man muss sich auch nicht fürchten, denn wir arbeiten sehr hygienisch.“


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.
Jetzt anmelden