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BEZIRK. Im Zuge eines Sommergespräches beantwortete SPÖ-Bezirksvorsitzende Bundesrätin Bettina Lancaster aus Steinbach am Ziehberg Fragen über aktuelle Themen im Bezirk Kirchdorf.

Bettina Lancaster beim Sommergespräch im Tips-Büro in Kirchdorf (Foto: Winter)
Bettina Lancaster beim Sommergespräch im Tips-Büro in Kirchdorf (Foto: Winter)

Tips:Welche Themen beschäftigen die SPÖ derzeit im Bezirk?

Bettina Lancaster: Gesundheit, Bildung und gutes Leben im ländlichen Raum. In puncto Gesundheit ist es für uns sehr wichtig, dass das Pyhrn Eisenwurzen Klinikum Kirchdorf in seinem jetzigen Zustand erhalten wird und ein MR-Gerät bekommt sowie die notärztliche und hausärztliche Versorgung zu gewährleisten. In Bezug auf die Bildung ist es mir wichtig, dass das Pflichtschulzentrum in der Bezirkshauptstadt saniert wird. Hier müssen Modelle gefunden werden, damit das für die Gemeinde auch finanzierbar ist. Ganztagsschulen sind zu forcieren, damit die Schüler ihre Hausaufgaben in der Schule erledigen können und die Eltern entlastet werden.

Tips:Was verstehen Sie unter „gutes Leben im ländlichen Raum“?

Lancaster: Unter anderem für die älteren Bürger, für die ein Altenheim nicht das Richtige ist, Angebote für alternative Wohnformen im Bezirk Kirchdorf zu schaffen – da ist der Sozialhilfeverband gefragt.

Tips:Der Personalmangel in der Pflege ist auch im Bezirk ein Thema. Welche Schritte müssen hier gesetzt werden?

Lancaster: Dass man den Beruf sowohl von den Arbeitsbedingungen her – dazu zählen Arbeitszeit und Belastungen während der Arbeit – als auch von der Bezahlung her attraktiv gestaltet. Natürlich muss man auch Qualifizierungsstellen schaffen, um an die Quereinsteiger und jungen Menschen herantreten zu können – wobei ich nichts von der Pflege als Lehrberuf halte. Sehr junge Menschen direkt in die Pflege-Praxis zu schicken, würde sie überfordern.

Tips:Die Wahl im September gilt als Klima-Wahl. Welche Maßnahmen müssen im Bezirk Kirchdorf noch gesetzt werden, um in puncto Klimaschutz Vorreiter zu sein?

Lancaster: Der Ausbau und die Attraktivierung von öffentlichen Verkehrsanbindungen. Ich befürworte das 1-2-3-Ticket – hier müssen die Micro-Öffis in den entlegenen Orten miteinbezogen werden, um den ländlichen Raum zu erschließen, sonst bekommen wir in Zukunft Probleme. Wenn die Treibstoffpreise steigen, wird man sich das Leben am Land immer schwerer leisten können. Die Landwirtschaft kann zum Klimaschutz beitragen und viel für die Bodenqualität und Artenvielfalt bewirken. Weiters setze ich mich für eine verpflichtende Herkunftskennzeichnung von Produkten in der Gastronomie ein.

Tips:Welche Maßnahmen halten Sie in Bezug auf geschützte Raubtiere wie Wolf, Fischotter und dergleichen für sinnvoll?

Lancaster: Ich denke, dass Wildtiere ihren Platz haben und eine gewisse Anzahl notwendig ist, um ein ökologisches Gleichgewicht zu erhalten. Der Schutz der Menschen im Siedlungsgebiet ist mir wichtig und wenn sich hier Raubtiere atypisch verhalten, sollten sie herausgenommen werden – wobei ich nicht fürs Töten bin. Im Tierpark Grünau gibt es zum Beispiel ein Wolfgehege.

Tips:Wie sollte man in Zukunft mit den Ausflugsgästen, die mit dem Auto anreisen, umgehen?

Lancaster: Eine Region verträgt eine gewisse Anzahl von Wanderern, diese wird durch das Parkplatzangebot limitiert und jeder, der illegal parkt, wird von der Polizei abgestraft. Ich sehe es nicht ein, dass man als Gemeinde Unmengen an Parkplätzen schafft, die man bewirtschaften muss und die Geld verschlingen.

Tips:Rechtfertigt die Nachfrage nach Wohnraum die steigende Verbauung von Grünflächen?

Lancaster: Wohnen ist für mich nicht der Flächenfresser, sondern große Shoppingcenter im Umland von Ortszentren. Sie müssen verpflichtet werden, Bestände zu revitalisieren.

Tips:Wie stehen Sie zu der geplanten Skigebietsanbindung von Vorderstoder an das Skigebiet Hinterstoder Höss?

Lancaster: Die SPÖ setzt sich in erster Linie für einen attraktiven Sommertourismus – mitsamt der Entlastung der Straßen – ein, dass man richtige Mountainbike-Routen, schöne Wanderwege und mit dem Hallenbad in Spital am Pyhrn ein Schlechtwetterangebot hat. In puncto Skigebietsverbindung spricht sich die SPÖ in der vorliegenden Form dagegen aus. Bevor man neue Flächen umwidmet, sollten zuerst die bestehenden Widmungsflächen ausgenutzt werden, zum Beispiel mit Spezialisierungen auf Familien.

Tips:Ist es sinnvoll, nicht unweit vom Schiederweiher in Hinterstoder ein Camping-Resort zu bauen?

Lancaster: Das war eine Entscheidung der Gemeinde, aber ich denke, man muss nicht alles, was man kann, auch tun und es sollte nicht um das schnelle Geld gehen, sondern zukunftsorientiert sein.

Tips:Welches Thema nehmen Sie nach der Wahl im Bezirk Kirchdorf als erstes in Angriff?

Lancaster: Die Erschließung mit öffentlichen Verkehrsmitteln drängt enorm, sonst wird das Leben bei uns am Land teuer. Wenn wir unattraktiv werden, bekommen wir keinen Zuzug und können unsere Arbeitsplätze nicht mehr besetzen. Natürlich kostet das viel, aber langfristig macht es sich bezahlt.


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