Suche


Weitere Angebote

Sociale Medien

Kontakt

BEZIRK KIRCHDORF. Im Rahmen eines Sommergespräches beantwortete Grünen-Sprecher Wolfram-Maria Schröckenfuchs aus Micheldorf einige Fragen zu aktuellen Themen im Bezirk Kirchdorf.

Wolfram-Maria Schröckenfuchs beim Gespräch im Tips-Büro in Kirchdorf (Foto: Winter (Archivfoto))
Wolfram-Maria Schröckenfuchs beim Gespräch im Tips-Büro in Kirchdorf (Foto: Winter (Archivfoto))

Tips: Welche Themen beschäftigen die Grünen derzeit im Bezirk?

Wolfram-Maria Schröckenfuchs: Uns beschäftigt derzeit die unverhältnismäßige Verschwendung von Naturboden. Es werden praktisch überall unsinnig projektierte Maßnahmen durchgesetzt, die vom Ansatz her an sich gut wären, aber in der Durchführungsqualität jämmerlich sind. Ich denke da an den Campingplatz in Hinterstoder, den Ausbau der Rad- und Fußwege oder auch den öffentlichen Verkehr – die Liste ist hier natürlich noch nicht aus.

Tips: Die Wahl im September gilt als Klima-Wahl. Welche Maßnahmen müssen im Bezirk Kirchdorf noch gesetzt werden, um in puncto Klimaschutz Vorreiter zu sein?

Schröckenfuchs: Keine Ahnung, ab wann man als Vorreiter gilt, aber: einfach deutlich weniger Boden zu versiegeln – alleine das wäre schon vorbildhaft.

Tips: Lässt sich die geplante Skigebietsanbindung von Vorderstoder an das Skigebiet Hinterstoder Höss mit dem Naturschutzgedanken vereinbaren?

Schröckenfuchs: Überhaupt nicht. Es ist insgesamt eine nicht-zeitgemäße Fehlplanung wie sie schlimmer nicht sein könnte. Die Zeichen der Zeit werden offenbar aus Angst, Ideenlosigkeit und oder Ignoranz in den Wind geschossen und es wird so getan, als könnte man mit Konzepten aus den 1970ern die Zukunft gestalten. In längstens 10 bis 15 Jahren haben wir bei uns in etwa das Klima wie es heute in Sizilien ist, berechnet die Wissenschaft. Schifahren in Obersizilien klingt vielleicht lustig, geht nur nicht.

Tips: Welche Alternativen gibt es, um den Tourismus dennoch auszubauen?

Schröckenfuchs: Die Frage ist: Will ich überhaupt ausbauen, also mehr davon? Oder will ich generell eine bessere Qualität? Das heißt dann: Eine bessere Wertschöpfung für alle in der Region ohne die Grundlage – die Natur – noch mehr zu belasten und weiterhin zu zerstören. Das steigert auch den Erholungswert für die Gäste. Es muss also Tourismus gesamt neu und umfassend gedacht werden.

Tips: Welche Maßnahmen halten Sie in Bezug auf geschützte Raubtiere wie den Wolf für sinnvoll?

Schröckenfuchs: Aufklärung. Man muss zuerst wissen, wie diese Tiere sind, wie sie leben und reagieren, damit man sich darauf einstellen und richtig verhalten kann – das muss man dann natürlich auch tun. Und zum Beispiel eben nicht anfangen, Wildtiere ‘zuwi-zufüttern’. Wir haben das Thema da zum wiederholen Male schon mit Bären gehabt.

Tips:Rechtfertigt die Nachfrage nach Tourismusangeboten und Wohnraum die steigende Verbauung von Grünflächen?

Schröckenfuchs: Nein, niemand kann sich von Beton ernähren. Für den Tourismus gilt hier sinngemäß, was ich oben schon gesagt habe. Ähnlich ist es beim Wohnraum: Es muss neu und anders gedacht werden und auf jeden Fall gehören jene Räume bewohnbar gemacht, die es schon gibt, aber mitunter Jahre, wenn nicht Jahrzehnte, leer stehen. Einfamilienhäuser sind letztlich ein Auslaufmodell, genauso wie eigene Swimming-Pools.

Tips: Was braucht es, damit leerstehende Gebäude wieder belebt werden?

Schröckenfuchs: Vor allem einen Gemeinderat, der sich im Ort des Themas annimmt, Konzepte erarbeitet und Maßnahmen ergreift, dem Leerstand entgegenzuwirken. Eine Möglichkeit sind Verordnungen, sozusagen Gesetze, die nur die eigene Gemeinde betreffen.

Tips: Wie sollte man in Zukunft mit den Ausflugsgästen, die mit dem Auto anreisen, umgehen?

Schröckenfuchs: Aus meiner Sicht ist das die falsche Fragestellung. Die richtige wäre: Wie mache ich ein touristisches Angebot so attraktiv, dass die Menschen gerne auf das Auto verzichten? Dort muss der Fokus der Gedankenarbeit liegen, wenn sich wirklich etwas ändern soll.

Tips: Wie holt man Fachkräfte in die Region?

Schröckenfuchs: In dem man evaluiert, welche Rahmenbedingungen unbedingt erfüllt sein müssen, damit Fachkräfte einen oftmals damit verbunden Ortswechsel überhaupt in Erwägung ziehen. Dazu gehören nicht selten auch immaterielle Werte, wie anspruchsvolle kulturelle Angebote.

Tips:Welches Thema nehmen Sie nach der Wahl im Bezirk Kirchdorf als Erstes in Angriff?

Schröckenfuchs: Ich habe mir vorgenommen sichtbarer zu machen, wie alles mit allem zusammenhängt: Bodenschutz mit Klima mit Lebensqualität mit Mobilität mit sozialer Gerechtigkeit mit Demokratie. Mit unserer Zukunft.


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.

Jetzt anmelden