Heidi Hebesberger mit dem Titel "Die bäuerliche Unternehmerin" ausgezeichnet
NUSSBACH/ROSSLEITHEN. Zum siebten Mal zeichnete die Landwirtschaftskammer OÖ Bäuerinnen mit dem Titel „Die bäuerliche Unternehmerin“ aus, darunter Adelheid Hebesberger aus Nußbach.

Die Entscheidung ist der Jury mit Vertreterinnen aus Landwirtschaft, Wirtschaft und Medien nicht leichtgefallen, wurde aber einstimmig getroffen. Bei der Ersten OÖ Gala für Prämierungen und Auszeichnungen der Landwirtschaftskammer OÖ wurden die Siegerinnen in den Kategorien Urproduktion, Diversifikation und Digital Innovativ gekürt.
Unternehmerin, die voller Ideen steckt
In der Kategorie Diversifikation hat Adelheid Hebesberger vom Ganslhof Hebesberger aus Nußbach den Titel geholt. Nominiert wurde sie von Maria Mittermaier und Gabriele Hebesberger von der Bezirksbauernkammer Kirchdorf Steyr. „Ich fühle mich sehr geehrt. Normalerweise geht es bei uns um unsere Gänse oder die Daunen. Es ist ungewohnt, dass es bei dieser Auszeichnung um mich als Person geht“, sagt Heidi Hebesberger, deren Leidenschaft ihr Hofladen in Nußbach ist. Die Entwicklung von neuen Produkten begeistert sie. Mit viel Fachwissen und einer Portion Mut und Ausdauer geht sie ihren Weg und betont, dass die Landwirtschaft voller Ideen steckt.
1.300 Weidegänse, 1.200 Masthendl und 500 Bauernhof-Enten
Gemeinsam mit ihrem Ehemann Christoph und den drei Kindern bewirtschaftet sie ihren Betrieb in Nußbach seit der Übernahme 2004 im Vollerwerb. Den Grundstock des Betriebes bilden 80 Zuchtsauen und 250 Mastsauen. Für die Direktvermarktung werden 1.300 Weidegänse, 1.200 Masthendl und 500 „Bauern-Enten“ gehalten und gemästet. Diese werden frisch sowohl Gastronomen als auch Kunden im Hofladen angeboten. Von Allerheiligen bis Ende November, also rund um Martini (11. November), herrscht Hochsaison am Betrieb. Die Nachfrage nach den Weidegänsen ist zu dieser Zeit am größten.
Daunen in Hülle und Fülle
Nicht nur das Fleisch kann ab Hof gekauft werden, seit 2017 widmet sich Heidi Hebesberger dem Thema Federnverarbeitung. Aus diesem Nebenprodukt der Weideganshaltung werden hochwertige Daunenprodukte hergestellt. Da es in Österreich keine Möglichkeit gab, diese Federn/Daunen aufzubereiten, baute Familie Hebesberger kurzerhand eine Federntrocknungsanlage mit großer Zentrifuge und großem Lager. Die aufbereiteten Federn werden in Lohnfertigung zu Decken und Pölstern verarbeitet. In der Federnbranche haben sich die Hebesbergers so europaweit einen guten Namen aufgebaut. In ihrem Daunenshop hat Heidi Hebesberger rund 20 verschiedene Kissen und 15 verschiedene Decken lagernd. Die individuelle Beratung ihrer Kunden ist ihr dabei besonders wichtig. So achtet sie beispielsweise auf deren Liegegewohnheiten und Wirbelsäule. Die Daunenprodukte sind bei Allergien geeignet und bei 60 Grad waschbar.
Couchstützkissen selbst entworfen
Heidi Hebesberger kann auch jede Art von Sonderdecken anbieten. Auf ihr Relax-Kissen ist sie sehr stolz und ganz neu im Sortiment ist ein Couchstützkissen, das beim Sitzen auf der Couch den Rücken entlasten soll. In der Entwicklung sind derzeit Unterbetten.
Frauen vor dem Vorhang
„Mit dem Titel ,Bäuerliche Unternehmerin' holen wir Einkommensstandbeine vor den Vorhang, die Frauen am bäuerlichen Familienbetrieb entwickeln. Es ist uns ein besonderes Anliegen, aufmerksam zu machen mit welchem Weitblick die Bäuerinnen die landwirtschaftlichen Märkte nutzen, um Einkommen zu erwirtschaften. Wir bedanken uns bei allen Kandidatinnen, die sich um den Titel beworben haben und als selbstbewusste Betriebsführerinnen, die ihre Berufung in der Landwirtschaft gefunden haben, mitgemacht haben. Fast alle haben einen anderen Beruf erlernt und sind durch Heirat oder Hofübernahme von Eltern zu bäuerlichen Unternehmerinnen geworden. Wichtig war allen Teilnehmerinnen, dass sie einen starken Rückhalt durch Partner und Familie haben, um erfolgreich ihren Betriebsschwerpunkt auszubauen“, erzählt Landwirtschaftskammer-Vizepräsident Karl Grabmayr.
Neue Arbeitsplätze für den ländlichen Raum
„Wir wollen mit dem Wettbewerb zeigen, wie auf den bäuerlichen Familienbetrieben die Frauen sehr engagiert und konsequent an der wirtschaftlichen Entwicklung arbeiten und sich ihren Arbeitsplatz am Hof sichern oder aber vielerorts auch neu schaffen“, so Johanna Haider, Vorsitzende des Ausschusses für Bäuerinnenangelegenheiten in der Landwirtschaftskammer OÖ: „In Oberösterreich werden 36 Prozent der Betriebe direkt von Frauen geführt. Frauen betrachten die Situation auf dem Hof oft aus einem anderen Blickwinkel und setzen ihre eigenen Vorstellungen um. Starke Frauen im ländlichen Raum sind enorm wichtig für dessen positive Weiterentwicklung. Die Teilnehmerinnen haben mich mit ihren innovativen Ideen überrascht und es ist eine Freude, mitanzusehen, wie sie neue Wege in der Land- und Forstwirtschaft gehen.“ Die Mitglieder der Jury bedanken sich bei allen Bewerberinnen für die Teilnahme am Wettbewerb und betonen, dass es jede Einzelne verdient hätte als Siegerin vorne zu stehen. Unter den Teilnehmerinnen war auch Sandra Edelsbacher aus Roßleithen (“Pello Plant“).


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