Immer weniger Rinder werden im Sommer auf die Alm gebracht
BEZIRK KIRCHDORF. Die Anzahl der Almen im Bezirk Kirchdorf ist mit 196 Almen (Oberösterreich: 635 Almen) stabil. Aktiv bewirtschaftet werden davon rund 175 Almen. Leicht rückläufig ist jedoch die Anzahl der Rinder, die jährlich im Sommer auf die höher gelegene Weiden gebracht werden.

2021 brachten 611 Auftreiber 4.509 Rinder auf die Almen in Oberösterreich. Im Jahr davor waren es 636 Auftreiber und 4.665 Rinder, die zur Alpung auf höher gelegene Weiden gebracht wurden. Rund die Hälfte der in Oberösterreich aufgetriebenen Rinder fällt auf den Bezirk Kirchdorf. „Unsere Region ist der auftreiberstärkste Bezirk – mit dem meisten Vieh, den meisten Almen und den meisten Auftreibern. Doch auch bei uns ist der tendenzielle Rückgang zu merken“, erklärt Reinhold Limberger, Alm-Berater der Landwirtschaftskammer Kirchdorf Steyr.
Anzahl der Ziegen steigt
Im Gegensatz zu der Anzahl der zur Alpung gebrachten Rinder, die im Jahresvergleich tendenziell rückläufig ist, steigt jedoch die Anzahl der Ziegen: Im Bezirk Kirchdorf werden immer häufiger Ziegen zum Schwenden auf der Alm eingesetzt. „Ziegen werden in unserer Region verstärkt zur Weidepflege eingesetzt, damit steigt auch die Anzahl der Ziegen auf den Almen“, berichtet Limberger. Überhaupt gelte der Bezirk Kirchdorf seit jeher als einer der ziegenreichsten Bezirke Österreichs.
Pferde zur Sommerfrische im Bezirk Kirchdorf
Wichtig für die Pflege der Almen seien auch Schafe und Pferde. „Schafe sind in höher gelegenen Regionen unterwegs und halten dort die steilen Flächen in Schuss“, so der Alm-Berater. Auch Pferde tragen mit ihrem andersartigen Fressverhalten zur Weidepflege bei. „Vielfach kommen Pferde von außerhalb der Region zur Sommerfrische auf die Almen im Bezirk Kirchdorf; im Gegensatz zu den Rindern und Schafen, die vorrangig aus der Region stammen.“ 2021 wurden insgesamt 84 Pferde, 955 Schafe und 45 Ziegen auf die Almen in Oberösterreich gesommert.
Wertschöpfung aus Tourismus beträgt rund 40 Prozent
Die von Alp Austria erhobene gesamtökonomische Bedeutung der Almwirtschaft zeigt, dass die agrarische Produktion in Form von Milch oder Fleischzuwachs weniger als 20 Prozent beträgt. Rund 40 Prozent werden der Wald- und Jagdnutzung sowie der Gefahrenprävention zugeschrieben. Die Wertschöpfung aus Tourismus beträgt ebenfalls rund 40 Prozent.
Alm und Tourismus
Der Besucherandrang der vergangenen Jahre hatte allerdings zur Folge, dass oftmals das Parken bei den Ausgangspunkten und das Verhalten auf der Alm zu Problemfeldern wurden. „Das gute Miteinander soll uns allen ein großes Anliegen sein. Wesentlich dafür ist auch das richtige Verhalten, wenn Freizeitbesucher den Lebensraum Alm betreten und genießen wollen. Von Seiten der Landwirtschaftskammer weisen wir Almbesucher, Almbewirtschafter und Touristiker auf das richtige Verhalten bei Kontakt mit Weidevieh hin“, so Landwirtschaftskammer-Präsident Franz Waldenberger.
Wildschweinschäden
Nicht nur die hohen Besucherzahlen hätten die Almbewirtschafter im vergangenen Jahr gefordert: „Mehreren Almen wurden im letzten Spätherbst von Wildschweinrotten schwerer Schaden zugefügt. Die aufgewühlte Grasnarbe konnte nur mit enormem Personal- oder Maschineneinsatz wiederhergestellt werden“, sagt Johann Feßl, Obmann des OÖ Almvereins und Bürgermeister der Gemeinde Edlbach (ÖVP).
Weide-GPS: Digitalisierung der Almwirtschaft
Eine mögliche Hilfestellung für den Arbeitsalltag der Almbewirtschafter könnte das neu entwickelte Weide-GPS bringen: Wie eine Kuhglocke wird auf einem Halsband des Weidetiers ein GPS-Gerät angebracht. Am Handy wird dann die Position beziehungsweise die Bewegung des Tieres sichtbar. Auch in Oberösterreich wird diese Technik eingesetzt. Der Ankauf ist über den Almdienst des Landes OÖ förderfähig.


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