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Geplante Probebohrung in Molln: Streit zwischen Gegnern und Befürwortern geht weiter

Karin Seyringer, 07.09.2023 17:04

MOLLN. Dass – anders als es die Projektgegner zeichnen würden – der Großteil der Mollner nicht gegen die geplante Gasprobebohrung in Molln sei, will ADX Energy damit unterstreichen, dass sich die neue Interessensgruppe „ProGasMolln“ formiert hat. Am Donnerstag wurde diese in Linz vorgestellt. Am Donnerstag hat sich aber auch „Pro Natur Steyrtal“ wieder zu Wort gemeldet: Geschützte Fledermausarten seien gefunden worden.

ADX Vie GmbH Alan Reingruber (2. v. l.) und ADX Energy CEO Paul Fink (3. v. l.) mit Energieexperte Prof. Georg Brasseur (l.), Andreas Knoll (Regioplan Ingenieure Salzburg GmbH) und SPÖ-Gemeindevorstand Martin Schober (r.) am Donnerstag in Linz. (Foto: Tips/ks)

„Wir waren im Jänner schockiert von Berichten in den Medien, dass die Bevölkerung in Molln in Rage und gespalten sei, das hat uns große Sorgen bereitet“, so Paul Fink, CEO der ADX Energy. „Daher haben wir einen Faktencheck gemacht, mit vielen Leuten und Wirtschaftstreibenden in Molln gesprochen. Wir können mit großer statistischer Sicherheit sagen: Viele sind dafür“, so Fink. Wenn dem nicht so wäre, würde man das Projekt auch nicht realisieren, auch wenn alle Genehmigungen vorhanden seien.

Unter den Unterstützern finden sich Vertreter der örtlichen Politik und Wirtschaft wie Kurt Bernegger oder Christof Piesslinger und auch Anrainer. Die Gemeindevorstände Gottfried Seebacher (ÖVP), Martin Schober (SPÖ) und Bettina Kores (FPÖ) sehen keine Probleme, wenn alle rechtlichen Rahmenbedingungen erfüllt sind. „Nur eine kleine Gruppe ist dagegen, der restlichen Bevölkerung ist es entweder egal oder sie ist dafür“, so Schober.

Gegner „verbreiten Fake News“

Bekanntlich großer Gegner der geplanten Probebohrungen ist die Initiative „Pro Natur Steyrtal“, für ADX CEO Paul Fink eine „Befindlichkeitsgruppe, es gibt keinen registrierten Verein und keine eingetragene Initiative.“ Die in den Medien verbreiteten Behauptungen der Gegner seien „Fake News“.

Anders als behauptet, würde zum Beispiel nicht „hinter verschlossenen Türen gemauschelt“, die Behördenverfahren seien transparent, fair und gesetzeskonform. Das betreffe vor allem auch den vollständigen Rückbau des Bohrplatzes, sollte es nicht zu einem wirtschaftlichen Gasfund kommen.

Als „frei erfunden“ wird unter anderem auch Behauptungen gekontert, wonach Probebohrungen mit bis zu 25 Bohrtürmen in vier Gemeinden drohen. Tatsächlich geplant seien laut ADX für 2023 die Probebohrung Welchau-1 (Mollen) sowie eine Erweiterungsbohrung im Gewinnungsfeld Anshof (Bohrung Anshof-2). Werde nichts gefunden, würde, wie im Genehmigungsbescheid vorgesehen, rückgebaut. Bei Fund würden etwa zehn Erweiterungs- und Förderbohrungen auf einer Länge von 20 Kilometer folgen. Dafür seien dann aber erst wieder umfangreiche behördliche Genehmigungen erforderlich.

270 Terawattstunden

Nicht zuletzt verweist ADX auf das Erdgaspotenzial, das erschlossen werden könnte: 24 Milliarden Kubikmeter Gas werden nahe des Naturschutzgebietes Jaidhaus vermutet, das würde eine Gesamtenergiemenge von 270 TWh bedeuten. Zum Vergleich: Österreichs Jahresverbrauch liegt bei 96 TWh.

Die Vorteile laut Fink unter anderem: Heimisches Erdgas sei sauberer als LNG-Gas, es finde kein Fracking statt, Österreich werde unabhängiger von Gasimporten, importiertes Erdgas würde mehr Treibhausgase verursachen.

Benötigt werde für das Probe-Bohrprojekt ein Areal von 5.100 Quadratmetern, die versiegelte Fläche betrage bei einem Fund nur rund 150 Quadratmeter. „Die Flächenversiegelung für eine gigantische Energiemenge ist minimalst.“

Warten auf Naturschutz-Bescheid

Die Montanbehörde West hat den Antrag der Firma ADX für Erdgas-Probebohrungen in Molln im August wie berichtet bewilligt. Noch ausständig ist der Bescheid der Naturschutzbehörde des Landes OÖ. Die Stellungnahme von ADX werde bis spätestens 15. September eingereicht, kündigte Fink an.

Er geht davon aus, dass es ebenso grünes Licht geben wird. ADX hat dazu selbst auch Naturschutzexperte Andreas Knoll, Regioplan Ingenieure Salzburg GmbH, mit einem Gutachten beauftragt. Zwar werde eine „wesentliche Störung des Landschaftsbildes“ durch den Bohrturm gesehen, aber nur temporär, also auf sechs bis acht Wochen beschränkt. „Fakt ist, der Turm steht sechs bis acht Wochen, dazu brauchen wir noch vier bis fünf Wochen zur Vorbereitung“, so Fink.

Pro Natur Steyrtal: Unbekannte Fledermausarten festgestellt

Die Bürgerinitiative Pro Natur Steyrtal warf ADX am Donnerstag Stimmungsmache vor, ADX erhöhe den Druck auf die Behörden und versuche, der Öffentlichkeit, Sand in die Augen zu streuen. Und die Initiative wartet damit auf, dass bisher unbekannte Vorkommen von geschützten Fledermausarten im Jaidhausgebiet festgestellt worden seien.

„Mit dem aktuell gesicherten Nachweis von sechs Fledermausarten (Nordfledermaus, Große und Kleine Bartfledermaus, Großer Abendsegler, Weißrandfledermaus, Zwergfledermaus, Kleine Hufeisennase) und dem aktuell erbrachten Nachweis mehrerer weiterer Spezies, wie der Bechsteinfledermaus und der Wasserfledermaus, deren Vorkommen jedoch anhand der Daten nicht abschließend bestätigt werden konnten, zeigt sich erneut die naturschutzfachliche Hochwertigkeit des Gebietes. Bei allen der neu identifizierten Fledermausarten handelt es sich um EU-Schutzgüter des Anhangs IV der FFH-Richtlinie, deren Populationen auf dem gesamten Staatsgebiet zu schützen sind – egal, ob sie innerhalb oder außerhalb eines Schutzgebietes liegen. Die neuen Nachweise wurden auch bereits der Naturschutzabteilung des Landes OÖ übermittelt“, teilt die Initiative am Donnerstag mit.


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